Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 1 (1927-1928)
- Issue
- Heft 4 (Mai 1928)
- Date
- 1928-05-01
- Page
- Seite 127 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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Einfluß des Führerkreises unterliegt, wirklich entscheidend beeinflußt und mit ihr in Kontakt bleibt. Es ist ja die Ueberzeugung des sozialistischen Zionismus, daß er im Grunde der inneren Struktur einer bedeutenden Schicht auch des westeuropäischen Judentums entspricht, so daß er glauben kann, mit seinen Forderungen durchzudringen. Eine weitere Aufgabe liegt für diese Linke zunächst darin, wirklich all die Probleme in ihrem Wesen zu erkennen, die den Zionismus in seiner alltäglichen Arbeit beschäftigen. Man muß ganz offen eingestehen, daß in diesem Menschenkreise zwar eine außerordentlich gute Kenntnis der Verhältnisse Palästinas zu finden ist, daß sich aber die Mehrzahl seiner Menschen mit den wichtigen politischen, kulturellen und sonstigen Fragen, die uns hier beschäftigen, nur sehr wenig vertraut gemacht hat. Es ist daher erforderlich, daß dieser Mangel ungesäumt mit allen Kräften behoben wird, um erfolgreiche Arbeit leisten zu können. Dabei ist zu sagen, daß es auch auf diesem Gebiete Fragen gibt, bei denen wir glauben, eine durchaus spezifische Stellungnahme einzunehmen, denken wir nur an gewisse Probleme der Kulturarbeit, der Propaganda usw. Natürlich müssen unsere eine Verantwortung übernehmenden Menschen mit der gleichen Unbedingtheit auch auf diesen neuen Gebieten tätig sein, mit der sie sonst in und für Palästina arbeiten. Pflichterfüllung und Enthusiasmus, auch auf Gebieten, die voller Kleinlichkeiten sind, müssen verlangt werden und bedeuten die volle Einsetzung der Persönlichkeit bei jeder übernommenen Arbeit. Die erste praktische Aufgabe der Linken ist die Konzentrierung ihrer Kräfte in einer organisatorischen Einheit. Neben dem Ausbau der bestehenden Organisationen ist ihre Zusammenfassung zu einer Arbeitsgemeinschaft auf einer gemeinsamen Plattform notwendig, um Stoß- und Anziehungskraft in erhöhtem Maße zu erlangen. Es wird die Aufgabe einer vereinigten Linken sein, in eine gründliche Auseinandersetzung mit dem zionistischen Zentrum einzutreten. Ziel ist hierbei, soweit im zionistischen Kreise geistige Lebendigkeit vorhanden ist, überzeugend im sozialistisch-zionistischen Sinne zu wirken. Daneben aber muß es unternommen werden, auf diejenigen jüdisch-sozialistischen Kreise anziehend zu wirken, die bisher dem zionistischen Gedanken noch fern stehen. Auch die geistige Auseinandersetzung mit der nicht-zionistischen Jugend unter zionistisch-sozialistischen Gesichtspunkten muß erneuert werden. Gewiß wäre es verfehlt, die Schwierigkeiten dieser Arbeit zu unterschätzen, aber es erscheint doch für eine derartige Propaganda die Möglichkeit gegeben, wirklich Menschen aus ihrer bürgerlichen Welt herauszureißen, sie entscheidend zu wandeln und damit den lebendigen Strom der Bewegung für die Dauer zu erhalten. Die Frage der Propaganda-Methoden im Einzelnen ist an dieser Stelle als besonders wichtig zu erwähnen. Hier liegen gewiß Schwierigkeiten, mit denen auch ein von der Linken entscheidend beeinflußter Zionismus zu kämpfen haben wird. Eines sei aber gesagt: Die heute so stark vertretene einseitig individualistische Richtung in der zionistischen Propaganda wird — so sehr 127