Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 1 (1927-1928)
- Issue
- Heft 4 (Mai 1928)
- Date
- 1928-05-01
- Page
- Seite 126 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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einer unbedingten chaluzischen Erziehung nicht in Kollision mit der Wirklichkeit. Wer dieses Erziehungsziel nicht erreichte, konnte mit einem hohen Grad der Berechtigung als ein Außenseiter abgetan werden. Seitdem jedoch infolge der Schwierigkeiten im Lande auch ein Teil der Chaluzim zunächst in der Galuth bleiben mußte, wurde man durch die Gewalt der Tatsachen darauf hingewiesen, daß es eine allgemeine zionistische und überhaupt jüdische Umwelt gibt, mit der auch der chaluzische Zionismus rechnen muß. So kam es denn dazu, daß ein wesentlicher Teil der sozialistischzionistischen Jugend Kraft seiner Verantwortlichkeit für die Bewegung und für das eigene Schicksal immer stärker in das politische Leben hineinwuchs und nach eigener Aktivität strebte. — Von Palästina aus ergeht in dieser Stunde neuer Hoffnung für die Zukunft des Landes und einer schweren Situation für die zionistische Organisation und Bewegung in der Galuth der Ruf an diejenigen Menschenkreise, welche hinter der palästinensischen Arbeiterschaft stehen, durch eigene Arbeit die Bewegung zu regenerieren und zu neuen Erfolgen zu führen. Es ist der Glaube der palästinensischen Arbeiterschaft, daß sie allen Schwierigkeiten und Nöten zum Trotz mit Hilfe ihrer Genossen in der Galuth dazu befähigt sein wird, einen entscheidenden Vorstoß in der jüdischen Welt zu unternehmen. Die Gruppen und Menschen, die auch in Deutschland mit ihrem ganzen Sein hinter der Arbeiterschaft Palästinas stehen, müssen diesen Ruf aufnehmen und in reale Handlungen umsetzen. Wer die zionistische Lage in Deutschland betrachtet, wird diese Notwendigkeit klar erkennen. Es handelt sich darum, von Seiten des sozialistischen Zionis nus die Verantwortung und weitgehend die Zügel der zionistischen Arbeit in die Hand zu nehmen. Natürlich ist es klar, daß diese Aufgabe nicht die Angelegenheit weniger Tage sein kann, sondern der inneren Vorbereitung bedarf. Andererseits duldet die Lage keine Verzögerung und auch nicht ein nur tastendes Vorgehen, das sich auf Jahre erstreckt. Es gilt in allen Kreisen des sozialistischen Zionismus klar die Aufgaben zu erkennen, die auf ihn warten, wenn er den verantwortlichen Einfluß erlangt hat. Es heißt, sich darauf unverzüglich vorzubereiten und die notwendigen Schritte zu tun. Vielleicht die wesentlichste Frage in diesem Zusammenhange ist die Stellung von Führern für die zionistische Bewegung hier in der Galuth. Bisher hat der sozialistische Zionismus aus begreiflichen Gründen hierin nicht allzuviel getan. Es nützen aber keinerlei Beschlüsse und Willenskundgebungen, wenn man nicht zugleich die Menschen stellt, die sie durchführen. Hier hat die erste Aufgabe einzusetzen, besonders auch für die Jugend. Allerdings wird ein solcher führender Kreis von Menschen stets denjenigen Fehler vermeiden müssen, an dem unsere heutige deutsch-zionistische Führung krankt: Isolierung und Vereinsamung. Es ist notwendig, daß die Bindung zur zionistischen Gesamtheit nicht verloren geht, d. h. im wesentlichsten, daß man diejenige zionistische Generation, welche dem besonderen 126