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Der junge Jude · 1928-05-01 · Heft 4 (Mai 1928) · p. Seite 124

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Journal
Der junge Jude
Volume
1 (1927-1928)
Issue
Heft 4 (Mai 1928)
Date
1928-05-01
Page
Seite 124 (sequence 24)
Language
German
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sondern auch die ökonomisch herrschende ist. Die national unterdrückte Gruppe ist auch die ökonomisch beherrschte; gewöhnlich sind solche national unterdrückten Nationen sogenannte „geschichtslose" Nationen, nämlich solche, denen bei ihrem ersten und erbittertsten Zusammenprall mit der herrschenden Nation die kulturelle Oberschicht genommen worden ist. Diese nationalen Gruppen erwachen erst durch den Kapitalismus wieder zu eigenem Leben, indem der kulturelle Radius sich dauernd vergrößert. Aber der ökonomische Kampf gegen die unterdrückte Nation wird von der herrschenden Nation mit aller Erbitterung geführt. Die Politik der Arbeiterschaft geht, auf solche Regelung der nationalen Verhältnisse, daß jeder Nation die Möglichkeit fortschreitender Kulturentwicklung und den Arbeitern aller Nationen Anteil an der nationalen Kultur gesichert werde. KURT LOEWEN STEIN: BEMERKUNGEN ZUM DELEGIERTENTAG Die zionistischen Hoffnungen haben sich in den letzten Wochen und Monaten zweifelsohne gehoben. Mag die Lage in Palästina auch noch immer schwierig genug sein, so fühlt man doch ganz deutlich, wie eine gewisse Erleichterung zu spüren ist, wie auch allenthalben der Wille zu einem neuen kolonisatorischen Vorstoß lebendig wird. Es wäre wohl etwas allzu optimistisch, wenn man die Krise im Lande als erledigt bezeichnen würde; aber wir sehen doch die Vorboten eines über kurz oder lang herannahenden Umschwunges. Ganz anders ist die Lage der zionistischen Bewegung in der Galuth. Was einsichtsvolle Kritiker schon seit langem behaupteten, zeigt sich gerade jetzt mit erschreckender Deutlichkeit: In der Galuth existiert eine schwere organisatorische und geistige Krise der Bewegung. Es ist einmal das Problem des amerikanischen Zionismus, welches auf der gesamten Bewegung lastet und besonders in der letzten Zeit in ein kritisches Stadium eingetreten ist. Ganz abgesehen aber von dieser entscheidenden Frage ist auch die Lage des Zionismus bei uns voller Schwierigkeiten. Man kann diese vielleicht auf eine Grundtatsache zurückführen: Der westeuropäische und deutsche Zionismus versucht, eine spezifisch bürgerliche Gesellschaft in ihrem innersten Wesen anzugreifen und zu wandeln. Solange sich dieses Bürgertum in dem Zustand einer gewissen inneren Gelöstheit befand, bzw. solange es infolge einer akuten Bedrohung von außen nicht zur völligen Ruhe gelangte, hatte der deutsche Zionismus mit diesem Versuche einen relativ großen Erfolg. Man fragte nicht nach den letzten Zielsetzungen und den inhaltlichen Einzelheiten des zionistischen Strebens, sah vielmehr im zionistischen Werke die Möglichkeit, zu neuer Lebensfreude und innerer Geschlossenheit zu gelangen. Auch die zionistische Jugendbewegung jener Jahre trug einen dementsprechenden Charakter. 124

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