Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 1 (1927-1928)
- Issue
- Heft 4 (Mai 1928)
- Date
- 1928-05-01
- Page
- Seite 121 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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halt und um die Erhaltung ihrer Art kämpfen." (S. 121). Dieser Prozeß, der bedingt ist, „durch die Arbeitsweise der Menschen, durch die Arbeitsmittel, deren sie sich bedienen, durch die Produktivkräfte, die sie beherrschen, wirkt als gemeinsames Schicksal auf die Angehörigen derselben Nation." Die Nation beruht ferner auf Schicksalsgemeinschaft und nicht auf Gleichartigkeit des Schicksals: Alle Angehörigen einer Nation trifft dasselbe Schicksal, zwar von verschiedenem Standpunkt her, als Besitzende oder als Besitzlose. So ergreifen Krieg oder Revolution, eine Wirtschaftskrise die ganze Nation, sind Schicksal aller Angehörigen der Nation, wenn das Schicksal den Einzelnen oder die einzelne Klasse auch mit verschiedener Gewalt und Wucht ergreift. Das Proletariat der verschiedenen Länder stellt auch eine Charaktergemeinschaft dar, aber keine Schicksalsgemeinschaft. Die Charaktergemeinschaft der Nation unterscheidet sich von allen anderen Charaktergemeinschaften dadurch, daß „sie in der steten Wechselwirkung der Schicksalsgenossen" entsteht. „Nur das in durchgängiger Wechselwirkung untereinander, in steter Beziehung aufeinander erlebte Schicksal bringt die Nation hervor." (S. 112) „Die Nation ist nie etwas anderes als Schicksalsgemeinschaft. Aber die Schicksalsgemeinschaft wird wirksam einerseits durch die natürliche Vererbung der durch das gemeinsame Schicksal der Nation angezüchteter Eigenschaften, andererseits durch die Ueberlieferung der durch das Schicksal der Nation in ihrer Eigenschaft bestimmten Kulturgüter." (S. 25) Das wichtigste Mittel zur Herstellung der Kulturgemeinschaft ist die Sprache. Der Gemeinsamkeit des Bodens kommt nur insoweit Bedeutung als Daseinsbedingung der Nation zu, als sie Bedingung der Gemeinschaft der Kultur ist. (S. 133) Die Nation ist daher auch ohne Gemeinsamkeit des Bodens denkbar, wenn die Gemeinschaft der Kultur besteht. Die Naturgemeinschaft der Abstammung und die Kulturgemeinschaft sind Elemente des Nationalen, sie sind Wurzeln der Nation, deren Wesen sich aber erst präzis erfassen läßt durch den Begriff der auf Schicksalsgemeinschaft beruhenden Charaktergemeinschaft. Gerade diese Definition erscheint als Anwendung der ökonomischen Geschichtsauffassung auf das Problem der Nation, denn hier wird versucht, die Entstehung der nationalen Verschiedenheit zu erklären aus dem Nationalcharakter eben aus der Art und Weise, wie die Menschen produziert haben, aus den Produktionsverhältnissen. Stützt man das Wesen der Nation etwa nur auf die Gemeinsamkeit der Kultur, so ist über die Entstehung der nationalen Kategorien nichts ausgesagt, erst der Begriff der Schicksalsgemeinschaft sagt aus, woher diese nationale Differenzierung kommt, nämlich aus der Art und Weise, wie die Gesellschaft ihren Lebensunterhalt erkämpft, wie die Natur sich zu ihr und sie sich zur Natur gestellt hat. Die nationale Charaktergemeinschaft entsteht aus einer Kulturgemeinschaft. Andererseits stellt sich die Ktiltur als Erzeugnis der Nation dar. Die gemeinsame Kultur wird die Klammer, die die Menschen gemeinsamer Abstammung immer wieder zur Nation macht. Aber die Teilnahme 121