Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 1 (1927-1928)
- Issue
- Heft 4 (Mai 1928)
- Date
- 1928-05-01
- Page
- Seite 114 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3497353-3497354-3497358--129-3521808- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
schauer Zensor zurück. Hörst Du? Man kann sich auf niemand verlassen, [ch habe mir die Haare ausgerauft. Was soll man tun? Drum höre; ich bin meines Lebens überdrüssig. Wenn es nicht möglich sein wird, Sendungen direkt in eine Stadt zu machen, in der es einen Zensor gibt, und wenn es niemand gibt, der die Pakete aus seiner Hand erhält, so sende ich nichts mehr. Nach Potscheff8) sende ich keinesfalls mehr etwas, das sollst Du wissen. Das 4. Heft ist gesetzt und halb gedruckt, aber ich habe keinen Pfennig mehr und weiß nicht, woher mir Hilfe kommen soll Der „Hameorer" liegt in der Agonie. In den letzten Zügen. Uri Nissan antwortet nicht auf all meine Briefe. Kategorisch--- Nun leb wohl, bleib gesund und vergiß mich und den „Hameorer". Denn unter einem Sternbild, dessen Namen ich nicht kenne, sind wir beide geboren. An denselben. London, 3. Mai 1906. Gestern sandte ich Dir einen deprimierenden Brief. Die Situation hat sich gebessert. Man sandte mir etwas Geld aus Amerika. Das vierte Heft kommt sicher heraus. Es wird quantitativ und qualitativ wachsen. Und nun, laß den Mut nicht sinken. Bleib stark und bring all Deine Abrechnungen mit mir in Ordnung. Ich will wissen, wieviel Abonenten ich in Rußland schließlich und endlich habe. Schick mir ein bißchen Geld, wenn Du welches hast. Und die Hauptsache: Kümmere Dich um die Zensurangelegenheit.--— Begreif, daß es nicht angeht, daß jedes Heft viermal geschickt wird, von hier nach Petersburg, von Petersburg nach Potscheff, von Potscheff nach Kiew und von Kiew an die Abonnenten. An H. Zeitlin. London, 9. Mai 1906. Bruder, ich erhielt heute morgen Eueren Brief und drückte mein Gesicht ins Kissen, denn ich erkannte, daß wir verloren sind. Nicht nur deshalb, weil Ihr wahnsinnig geworden seid — doch ich verfalle jeden Tag in Wahnsinn — sondern weil . . . Kurz gesagt, ich bin müde von meiner Arbeit und kann nicht schreiben. Was wollte ich sagen? Ja, Ihr bekommt scheinbar meine Briefe nicht, und ich nicht die Eueren. Wann hast Du mir, Gresson, geschrieben, daß Du ... — — — Gott weiß, ob ich die Kraft finde, das Leben meiner Hefte fortzuführen. Ich bin zwar ein sonderbarer Kauz, der imstande ist, über seine Kraft hinaus zu arbeiten, aber schließlich hat das eine Grenze und die Arbeit von dreien kann nicht durch einen getan werden.---Ich bin müde und krank. Der einzige Trost, den ich hatte, daß Ihr ein anständiges, hebräisches Sammelbuch herausgeben werdet, ist durch Euern Brief von heute vernichtet. Möge der Gott des Wilnaer Jargons mit Euch sein! — — 8) Damaliger Aufenthaltsort Bichowskys. 114