Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 1 (1927-1928)
- Issue
- Heft 4 (Mai 1928)
- Date
- 1928-05-01
- Page
- Seite 108 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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wir erobern den neuen Weg in der jüdischen Geschichte. Wir revoltierten gegen das ganze jüdische Dasein, gegen das ganze jüdische Leben, gegen jede jüdische Konzeption, nicht nur gegen die baale-batische, sondern auch gegen die sozialistische des Galuth und eroberten uns einen neuen Weg. Die Kraft, die sich in unserer Bewegung kristallisierte, ist nicht die Kraft von 25 oder 30 000 Arbeitern, sondern die Kristallisation großer historischer Kräfte, das Zusammenfallen jener Funken, die in der jüdischen Geschichte in allen Generationen und Epochen aufleuchteten, der Funken der messianischen Sehnsucht, der Erlösungssehnsucht, die im Laufe der Zeiten verschiedene Formen angenommen hatte und innerhalb der Arbeiter in Erez jetzt zu neuem Durchbruch kam. Diese Kraft ist jetzt zu einer schweren Aufgabe berufen: das jüdische Volk für diesen neuen Weg zu erobern. Während 25 Jahre war unsere Arbeit konzentriert um die Aufrichtung und Befestigung unseres Werkes im Lande. Wir gingen in die Galuth und entzogen ihr die besten Kräfte der Bewegung, um sie im Lande zu konzentrieren. Die Galuth wurde von der besten Jugend, von allen aktiven, chaluzischen Kräften entblößt. Wir lenkten unsere Aufmerksamkeit von dem für die Verwirklichung unseres Werkes wichtigsten Faktor ab, wir waren gezwungen, sie von ihm abzulenken — vom Volke, das in der Galuth blieb. Dieses Volk blieb dem Baal-Bait, dem jüdischen Galuth- Sozialismus ausgeliefert, und seine Erziehung blieb in unzuverlässigen Händen zurück. Dieser Mangel an Erziehung, an Vorbereitung der jüdischen Massen wurde in seiner ganzen Tragik in jenem Augenblick sichtbar, da es zu einer großen Alijah kam. Die erste volkstümliche Alijah war für die Aufgabe des Aufbaus und die Revolution in Erez Israel nicht gerüstet, und wenn wir sie in Zukunft nicht rüsten, so wird sie niemand rüsten. Wir haben den jüdischen Arbeiter, wir haben den einfachen Mann des Volkes preisgegeben. Laßt uns nicht aus falschem Marxismus uns dazu verführen, zu glauben, daß alle diejenigen, die keine Arbeiter sind — und das ist die große Mehrheit des jüdischen Volkes — gegen uns seien, daß sie Angehörige einer uns feindlichen Klasse seien, die naturnotwendig unsere Gegner sein müssen. Das Gegenteil ist richtig: die große Mehrheit des jüdischen Volkes ist kapitallos und hat keine Hoffnung, jemals in den Besitz von Kapital zu kommen, und keinerlei Aussicht, in Zukunft ihr Leben auf Grund des Kapitals und der Ausbeutung aufzubauen. Die große Majorität des jüdischen Volkes hat eine Existenzmöglichkeit nur auf der Grundlage eigener Arbeit. Und es ist unnatürlich, daß der jüdische Baale-Bait, der Kapitalist mit seinen uns widersprechenden Klasseninteressen zum Beherrscher, Vertreter, Erzieher und Wegweiser dieser Massen wird. Sie dem Einfluß des bürgerlichen Klal-Tuers und Publizisten zu entziehen und sie um die Idee der Verwirklichung des Zionismus im Lande zu konzentrieren, ist jetzt unsere Pflicht und Aufgabe. Wir stehen jetzt am Vorabend einer neuen Periode in der ökonomischen Entwicklung des Landes, am Vorabend neuer wirtschaftlicher Unternehmungen: Pflanzungen, Elektrifizierung, Hafenbau, Ausbeutung des Salzmeers. 108