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Der junge Jude · 1928-05-01 · Heft 4 (Mai 1928) · p. Seite 107

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Journal
Der junge Jude
Volume
1 (1927-1928)
Issue
Heft 4 (Mai 1928)
Date
1928-05-01
Page
Seite 107 (sequence 7)
Language
German
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Haltung verlieh, das Problem des jüdischen Volkes als ein internationales aufstellte, nationale politische Gleichberechtigung, einen Volksstaat, ein Volk gleich allen Völkern proklamierte. Alle diese Bewegungen, die sich gegen die arme, traurige Wirkichkeit des jüdischen Lebens auflehnten, stießen auf den ungeheuren Widerstand der Trägheit und Tradition. Es gab aber keine tiefere Aufstandsbewegung wie diejenige, die die jüdische Arbeit in Erez entfachte. Er lehnte sich nicht nur gegen die Galuth auf, sondern auch gegen den Zionismus und den Sozialismus, die die jüdische Gasse beherrschten. Er forderte die Umwertung aller Werte auf dem Wege der Verwirklichung. Dieser Arbeiter, die sich gegen das ganze jüdische Dasein, selbst gegen jene vorausgehenden Aufstandsbewegungen so sehr zu empören wagte, mußte notgedrungen vereinsamt bleiben, vereinsamt auch innerhalb der zionistischen und der Arbeiterbewegung. Es gab wenig Menschen, die das wagten, was wir gewagt haben. Und unser Schicksal der Vereinsamung ist das Schicksal einer großen Aufstandsbewegung. Diese Vereinsamung ist manchmal ein Zeichen der Schwäche und des Mißerfolges — denn das kleine Lager ist ohnmächtig im Vergleich zu seinen großen Aufgaben — aber manchmal ist sie auch Bürgschaft für den Sieg. Denn wenn wir jetzt von allen Seiten im Lande umzingelt sind, im Innern sind wir ein Bollwerk. Nicht das letzte, sondern das erste Bollwerk. Wir sind das erste Bollwerk der großen jüdischen Revolution, die alle großen heimlichen Kräfte des jüdischen Volkes in sich birgt; jene Kräfte, die sich dem Auge entziehen und trotzdem unterirdisch vorhanden und wirksam sind. Denn nicht aus dem Nichts sind wir gekommen; aus Nichts entsteht nichts. Nicht aus luftleerem Räume ist diese Gemeinschaft von 30 000 Arbeitern entstanden, die Trägerin der kühnen Verwirklichung des größten Umsturzes, die die jüdische Geschichte kennt. Nein, wir selbst sind die Frucht jener ungeheuren, im Innern der jüdischen Geschichte treibenden Kräfte. Nicht zufällig ist jeder von uns hierhergekommen. Jedem Einzelnen von uns mag es vielleicht als Zufall erscheinen, aber kein Zufall kann es sein, wenn 30 000 Menschen an allen Enden des Erdballs in ihrem Leben die tiefste Umwertung aller Werte vollzogen, die jemals bis auf den heutigen Tag eine menschliche Gemeinschaft in sich vollzogen hat. Es genügt, wenn jeder Einzelne von uns sich daran erinert, was er war, wie er lebte, welches seine Sprache war, wie er sich fühlte, welches seine Beziehung zu den Dingen war vor 10, vor 15 oder vor 5 Jahren, vor seiner Ankunft im Lande, und was er jetzt ist, wie er jetzt lebt, arbeitet und sich fühlt. Welche mächtige Revolution hat jeder von uns durchgemacht. Und das soll ein Zufall gewesen sein, eine nur persönliche Angelegenheit? Hinter dieser Revolution sollen keine machtvollen Kräfte stehen, dem Auge unsichtbar wie jener Sturm, der die Wogen des Meeres aufpeitscht? Jene in unserem Volke wirksamen historischen Kräfte drängten mit starker Macht alle diejenigen, die die Empfindsamsten, Aktivsten sind, alle mit zartester Empfindung und tiefstem Pflichtgefühl Begabten, die ersten zu sein, das zu sein, was man mit dem bereits zur Banalität gewordenen Namen „Chaluz" bezeichnet. Wir sind die Avantgarde der jüdischen Revolution. Wir sind notwendigerweise Vereinsamte, Unverstandene, denn 107

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