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Der Israelit · 1904-12-05 · Heft 96 (5.12.1904) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 96 (5.12.1904)
Date
1904-12-05
Page
– (sequence 6)
Language
German
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2072 §r«UiIt<tott. Der HMurger Dopüelmsrd in den Jahren 54451 5447 -er WWei ».1885 i.1687 -er zev. Zeitrel-allsvon Markus Braun. 13 „Vom Geschäft verstehe ich nichts; aber nach meiner geringen Meinung liegt die Sache so: Das steht einmal ganz fest, daß man keinen Scheker (Lüge) sagen darf. Aber ebensofest steht es auch, daß ich ungefragt nicht verpflichtet bin. den Emmes zu sagen. Wenn man Dir ohne weiteres 4000 Rthlr. anvertraut, so setzt man wahrscheinlich voraus, daß Du für diese Summe jederzeit gut bist. In Wirklichkeit haben wir nie so viel gehabt, als diese Summe ausmacht. Wenn Du nun Mellerich sagst, Du wollest nicht so viel Geld im Hause haben, so muß er doch sofort auf den Gedanken kommen, so viel Geld sei auch jetzt nicht in unserem Hause. Sind wir ungefragt verpflichtet. Reb Mordechai Mellerich auf einen solchen Gedanken zu bringen und so unseren Kredit zu gefährden?" Der Gatte lächelte. „Die Weisheit der Frauen baut das Haus," hat Schlome Hamelech gesagt, „das trifft bei Dir zu. Aber unsere Weisen haben wiederum gesagt, daß die Weisheit der Frau sich auf den Kreis der Spindel beschränkt, die sie in Bewegung setzt, das trifft auch bei Dir zu. Glaubst Du, Reb Mordchai Mellerich und alle die Kaufleute, die mir Aufträge geben, kennen meinen Vermögensstand nicht ganz genau? Wenn Du das glaubst, lebst Du in einem großen Jrrthum." Sara erschrack; an diese Möglichkeit hatte sie in der That nicht gedacht. Die Welt sollte ihre reducirten VermögenZverhältnisse so genau wie die Betroffenen selber kennen? Das hielt sie für eine der Bescheidenheit und Wahrhaftigkeit ihres Mannes entsprungene Idee, an deren Nichtigkeit sie nicht glauben konnte. Aber ihre kluge Herzensgute ging sofort auf den Gedanken ihres Mannes ein. indem sie entgegnete: „Wenn das wirklich der Fall ist, und Du mußt es wohl besser wissen als ich. dann gilt das Vertrauen, dös Dir die angesehensten Häuser entgegenbringen, nicht Deinem Geld, sondern Deiner Persönlichkeit. Wenn mich etwas für unsere großen Verluste entschädigen kann, so ist es dieses Bewußtsein. Für einen Kaufmann ist ja Kredit so viel als baares Geld, was sage ich so viel, es ist mehr als das. Wenn wir über Hunderttausende verfügten ohne das Vertrauen der Geschäftswelt zu genießen, so wären wir schlimmer dran, als ohne diese Hunderttausende aber mit diesem Vertrauens Der biedere Gatte wollte eben durch einige Worte diese Anerkennung zurückweisen, als es an die Thur pochte und der Meschores (Diener) von Reb Mordchai Mellerich mit einer schweren Geldtasche in's Zimmer trat. Er legte sie dröhnend auf den Tisch, und sagte, sein Herr schicke ihn hier mit den 4000 Rthlr., die er auf seine Rechnung gewechselt habe. Herr Metz ließ Herrn Mellerich sagen, daß er für die prompte Besorgung danke, er habe selbst noch heute Abend deshalb hingehen wollen, nun sei ihm dieser Weg erspart. „Jetzt haben wir die Vescheerung," sagte Abraham Metz zu seiner Frau, als der Meschores die Thüre hinter sich geschlossen hatte. „Da sitzen wir und machen Pläne, ob ich das Geld heute holen soll, ob nicht und während wir planen und trachten fliegt's uns ohne unser Wissen und gegen unfern Willen auf den Tisch. Nun bist Du doch auch wohl einverstanden, daß wir das Geld über Nacht im Hause behalten?" „Unser Ueberlegen hat doch etwas Gutes zur Folge gehabt;" erwiderte schlagfertig die Gattin. „Ich meine die Brocho Unserer Eltern, die wir uns jetzt holen müssen. Vielleicht hätte ich mich sonst bei dem Regen und Sturm doch nicht entschlossen, noch heute Nacht zu ihnen zu gehen. Aber jetzt ist's wie ein Neder (Gelübde); jetzt müssen wir hin." Sie legten das Geld unter Verschluß und gingen zusammen zu den Eltern, bezw. Schwiegereltern, um sich den Segen zum Ausgang der Feiertage und zum Beginn des werktägigen Lebens und Strebens zu holen. IV. Vierundzwanzig Stunden später, am Abend des' Jffru Chag ging Frau Sara Metz in verzweifelter Aufregung von Haus zu Haus bei ihren Freunden und Bekannten. Alle Geschäftsleute, die tagsüber in Hamburg sich äufhielten, waren Abends, wie sonst nach Thorschluß zurückgekommen. Nur ihr Mann ließ schon zwei Stunden auf sich warten. Da sie wußte, daß ihr Mann von Reb Mordchai Mellerich die große Summe bei Reb Elia Ballin auszuzahlen hatte, so ging sie zuerst in das Geschäft des Herrn Mellerich. Auch dieser war nu. Einbruch der Nacht von Hamburg nach Altona zurückgekemmen und sagte der bestürzten Frau, er habe ihren Mann heute Früh auf dem Wege von Altona nach Hamburg gesehen, aber sonst nicht. Herr Ballin habe er an der Börse gesprochen und damals, das sei zwischen eins und zwei Mittags gewesen, sei das Geld noch nicht obgeliefert gewesen, was Herrn Ballin auffallend war. Er sah sich auf der Börse nach ihm um, aber er war nicht dort, was ihn (Mellerich) selber befremdete, so-, daß er glaubte, Herrn Metz fei nicht ganz wohl. \

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