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Der Israelit · 1904-12-05 · Heft 96 (5.12.1904) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 96 (5.12.1904)
Date
1904-12-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
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2068 die Gesetze, zeiget, welch* hohen sittlichen und versittlichenden Werth die Thora hat. zeiget welch* erhebende Wirkung den einzelnen Vorschriften innewohnt, denn wisset stw csnrsi csrcm jra daß die C>esehe als „eure" Weisheit und „eure" Vernunft bei den Völkern gelten werden; man wird in euch die Gesetzgeber sehen.!th ^nn |ttn cn 2p pi rar damit sie sagen können, „n n r" weise und vernünftig ist dieses große Volk, nur weise, aber nicht edel, nur vernünftig aber nicht auch das hehre Vorbild der Sittlichkeit. — Von solchen Motiven sind die nichtjiidischen Gelehrten in ihren Forschungen geleitet und es ist traurig und beschämend, daß nch auch Juden gefunden haben, die sich -u solchen Ansichten bekennen, nrn iran *6 — Jeder aber, der die Thora nicht oberflächlich liest, sondern sie zum Gegenstände eingehender Studien macht, der sie im Lichte von Talmud und Midrasch kennen lernt. Jeder, der da weiß, wie seder einzelne Buchstabe derselben von unendlicher Wichtigkeit N"d Bedeutung ist. wie jede scheinbare Schwierigkeit bereits vor Jahrtausenden untersucht und gehoben worden, n?ie jede Mannigfaltigkeit des Ausdrucks, jede überflüssig erscheinende Wiederholung dem nach Erkenniniß und Verständnis. Strebenden eine unendliche Fülle von Belehrung bietet. Jeder, der sich daran ge wöhnt hat. in die Tiefen unserer Lehre einzndringen, der wird nur ein mitleidiges Lächeln haben, für jene sich gelehrt dünkenden Menschen, die da unsere Thora, den Inbegriff alles Wissens und Erkennen?, für zusammengewürfelte Sagen oder für das Geistesprodukt von Menschen ausgeben wollen. Jeder, der wirklich gelernt Hai, wird wissen, wie kostbar, wie unendlich wertbvoll jedes einzelne Wort, jeder einzelne Ruchstabe unserer Tbora ist, wie eine scheinbar unbedeutende Redewendung die höchste Fülle der Belehrung in sich schließt. Allen daher, die diesen Ansichten huldigen, können wir nur sagen: ttoj iVn „gehet hin und studirt .die Gotteslehrc, erkennet wie sie von Talmud und Midrasch und von den hervorragendsten Geistern aller Zeiten beleuchtet sind, gehet aber mit Sorgfalt an*s Werk, seid ehrlich in eurem Denken und ihr werdet die Wahrheit erkennen." Diese beiden Ansichten bedürfen keiner Widerlegung. Wenden wir uns nun der dritten zu. die den Gesetzen nur lokale und temporäre Bedeutung zuerkennt. Woher schöpfen diese Herren ihre Weisheit? Woher wissen sie. daß die einmal stattgehabte Offenbarung nur für jene Zeit Bedeutung und Berpflichtungskraft hatte? Ward ihnen eine andere Offenbarung, die die erste aufhob? Das Argument, das sie Vorbringen, ist so fadenscheinig, daß es eigenilich gar nicht der Mühe lohnt, es zu widerlegen. Die Vorschriften der Thora, so sagen sie. sind veraltet, sie hatten wohl Sinn und Bedeutung für die Menschen jener Epoche, die auf' einer ganz niedrigen Kulturstufe standen, passen aber nicht mehr in den Rahmen unserer Zeit hinein, sie verletzen zuweilen das Empfinden eines modernen Menschen, der die Stufen moderner Kultur erstiegen. Wir wollen nun nicht sagen swim d’d 717X2 D'sa ki aber das können wir doch ruhig behaupten, daß die Gegenwart nicht besser als die Vergangenheit ist. Sind die Menschen unserer Zeit edler als die Menschen der Vergangenheit? Hört man heute kein Kriegsgeschrei mehr? Hat der Raub im Kleinen und Großen schon aufgehört? Hört man nichts mehr von klnstttlichkeit. von widernatürlicher Unzucht, von schamlosen Frevelthaten? Der Genius der Menschheit verhüllt schweigend sein Haupt und jeder bessere Mensch schämt sich bis in die tiefste Seele, wenn er nur flüchtig das Bild der heutigen Menschheit an seinem Auge vor- Lberziehen läßt. Wenn die Thora nicht mehr zeitgemäß ist. so liegt die Schuld an der Zeit u.nd nicht an der Thora. Die Thora ist für alle Zeiten berechnet und wenn jemals eine Zeit käme, die wirklich für die Thora ungeignet wäre, so hätte die Menschheit die tiefste Stufe erreicht, sie wäre dann so unendlich tief gesunken, daß vielleicht gar keine Hoffnung für ihr Aufkommen gebegt werden dürfte. — Und wir Juden, sind wir etwa besser und weiser als unsere Eltern? Hat unfern Brüdern, die nicht unsere Brüder sein wollen, ihr Abfall etwas genützt? Sind sie glücklicher als ihre Eltern cS waren? Haben sie. die keinen in rcw kennen, mehr von ihrem Leben als die verhöhnten Alten, die noch so abergläubisch waren, all die Eeremonialgesetze auf das Genaueste zu beobachten? Sie mögen sich nur einmal zurückerinnern an ihre Kindheit, an die jüdischen Festtage. die sie im Kreise ihrer Eltern und Großeltern verlebt, sie mögen im Geiste noch einmal die Gefühle durchleben, die damals ihre jungen Herzen ganz erfüllt und sie werden finden, daß nur diese Gefühle st: noch heute anfrechterhalten TfnVo 'irasv jccn pon 'jwpn ‘b mvp 2N. daß. wenn sie noch heute etwas Sinn für Ideale haben, es nur daher kommt, daß die leuchtenden Gesichter ihrer Eltern sie noch nicht verlassen. daß in einem verborgenen Winkel des Herzens jene Töne der verschwundenen Jugend aufbewahrt sind und vielleicht ihnen unbewußt noch sorttönen zu ihrem Heile. Was geben sie ihren Kindern aber für's Leben mit? Glauben sie wirklich, daß sich diese Kindheitserinnerungen durch irgend etwas ersetzen lassen? Sie vlaaen und mühen sich für ihre Kinder, aber sie werden sie nicht glücklich machen, nrnpn 2'» 'ren toü H-rr' mrx. Von verschiedenen Seiten wird gegen unser kostbarste? Gut. gegen unsere Thora Sturm gelaufen und wenn wir nicht wüßten, daß bk Thora tatsächlich die schützende Mauer um unser Leben ist. die Anstrengimgen der Feinde, gerade die Thora zu untergraben, könnten es uns lehren. Die Augen des Haffes sehen scharf und unsere Feinde wissen, daß die Thora die

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