Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 95 (1.12.1904)
- Date
- 1904-12-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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2049 des Himmels und der Erde" zu verehren, von ihnen übernahmen sie — das Prinzip der Menschenliebe; das Beflreben der gerechten Gesetzgebung wird von der Bibel begeistert; die Verkünder des .Weltfriedens erbauen sich an den Reden der Propheten Israels! Wenn wir auch daher viel zu leiden haben, — erhebt uns der Gedanke imai ntron r.rEPö ba •p naiaai »es werden durch dich alle Familien der Erde gesegnet und durch deinen Samen." Es sei auch das Motto des Volkes des Gottes Abraham: naia wm »Werde du ein Segen"; wie es auch Jeremia seinen Glaubensbrüdern an's Herz legte: »Beförderet das Wohl der Stadt,.... denn in ihrem Wohle wird euch wohl sein." (29. 7.) IV. Das Studium der Vergangenheit hebt unser Selbstbewußtsein, der Glaube an eine schöne Zukunft erfüllt uns mit Hoffnungen, die Ausübung unserer patriotischen Pflichten stärkt unsere Menschenliebe. Dieser Reichthum unserer Seele trägt bei. daß wir die Sorgen des täglichen Lebens ertragen können. Ohne diese. Ideale erdrücken uns die Lasten und unser Herz entbehrt der Lebensfreude. Ohne diese Freude — ist das unglücklichste Geschöpf der Erde — der Menschensohn! Darum verliert ein frommer Jude nie jene Schätze seines Herzens, wenn Leiden und Schmerzen, Verfolgungen und Entbehrungen seine Gegenwart noch so traurig gestalten! Ihn tröstet und ermuthigt das Leben des Ahnherrn. Lebte noch je — so denkt er nach — lebte noch je ein Mann auf Erden in einer traurigeren Lage, als der Enkel „des göttlichen Fürsten?!" Jakob, der in den Lehrhäusern sich heimisch fühlte, der nur nach Wissenschaft durstete, und vierzehn Jahre bei Eber sich verbarg (Siehe Raschi zu 1. B. M. 98,-9), arbeitete unermüdlich zwanzig Jahre hindurch im Hause des betrügerischen Laban. Sein Leben war eine Kette der Leiden und Kämpfe, und doch überwand er alle Widerwärtigkeiten! Die Geschichte seines Lebens ist der beste Beweis für die Macht des Glaubens, den ihm der himmlische Vater in jenem Traumgesichte beibrachte: "Di iw nm Siehe. Ich bin mit dir, und werde dich schützen in Allem, wo du gehst — wenn Ehrlichkeit und Gerechtigkeit dein Wahlspruch ist; rimn 'pnann Ich werde dich einst zu diesem Boden zurückbringen, wo du, Israel, deine glückliche Jugend verbrachtest, an welch' heiliges Land dich so viele Erinnerungen knüpfen! Aber — auch bis dahin, bis du das Erbe deiner Väter antretest, habe ein festes Gottvertrauen, lau« »a Denn Ich werde dich nicht verlassen, auch bis zu jener Zeit, bis Ich vollbringen werde, was Ich in deinem Interesse verheißen habe, an welche Verheißung festzuhalten eine Säule des Judenthums ist! Und so wendet sich denn dieser göttliche Ausspruch nicht nur an Jakob, sondern auch an uns, seine spatesten Nachkommen, denn na t6 v» app unser Vater Jakob ist nicht gestorben, sein Leben wiederholt sich im Leben seiner Kinder. Das Verlassen des Elternhauses. der Kampf in der Fremde, die Sorgen der. Familiengründung, die der Erziehung der Kinder, Verfolgung und Verkennung, — und dabei das Studium der Thora, und die gewissenhafte Ausübung der Gottesgesetze, — das ist jene Axe, um die sich noch jetzt das Leben des jüdischen Menschen dreht, das Leben — voller Entbehrungen und Seelenkämpfe. O, die frommen Juden in den einfachen jüdischen Häusern — das sind die Helden dieser Welt! Die Weltgeschichte erwähnt zwar nicht ihre Namen, denn sie kann von ihnen nicht verzeichnen, wie viele Menschen unter ihrer Leitung das Leben verloren, wie viele Familien obdachlos geworden, wie viele Waisen ihre Väter, wie viele Frauen ihre Erhalter nie mehr gesehen, — aber o’anaj ivva ■pwa bx dort vor Gott werden ihre Wohlthaten und Opfer in das ewige Gedenkbuch eingetragen! O, daß der himmlische Vater in jenes Buch von uns nur Gutes verzeichnen könnte, wie die Bibel von unseren Patriarchen nur einige Fehler und viele Heldenthaten verkündet! O, daß wir doch dieses Traumgesicht stets uns zu Gemüthe führen, um stets an die trostreiche Vergangenheit und an die hoffnungsreiche 3ufunft zu denken, in der Gegenwart aber alle unsere religiösen und 'patriotischen Pflichten zu erfüllen, auf daß uns unsere Feinde zurufen: nn» 'a uw» dp orb» üv Du hast Jahrtausende hindurch mit falschen Lehren und ränkevollen Menschen gekämpft, baun und Du hast vollständig erreicht, was Du gewollt. — ' Jokai und daS Judenthuw. . Unter dem Titel „Jokai £§ a zsidosag" veröffentlicht der Losonczer Rabbiner Dr. Vela Vajda eine schon geschriebene, von pietätvoller Dankbarkeit für den Jokai'schen Genius inspirirte Studie, welche die Beziehungen des großen Romanciers zum Judenthum interessant beleuchtet. Er hebt hervor, daß die ungarische Judenheit keinen aufrichtigeren Freund hatte, als Moriz Jokai. Diese Freundschaft begann schon im zarten Alter anläßlich des bekannten Rekontres mit dem jüdischen Schulkollegen Koritschoner, das einen so versöhnenden Abschluß fand. In Kecskemst, wo Jokai seinen juridischen Studien oblag, Hatte er Juden zu Freunden. »Ich konnte — schreibt er. — mein Ansehen überall nach der Richtung hin geltend machen, daß wir die gebildeten Jünglinge der kaufmännischen Klaffe der Kecskern6ter Judenschast in unseren geselligen Kreisen heimisch machten. Sie waren unsere besten Freunde; mit ihnen konnten wip am meisten über litterarische Dinge sprechen, von ihnen liehen wir uns Bücher zum Lesen aus; selbst Petöfi wurde am