Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 95 (1.12.1904)
- Date
- 1904-12-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2449986-2450072--61914-3521750- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
2048 „erst als er alt geworden, hatte Gott Abraham in allem gesegnet.- (1. B. M. 24, 1.) Auch das Loos deines Vaters Jizchak war nicht gleich beneidenswerth. Seine Zeitgenossen kränkten, Abimelech vertrieb ihn aus seinem Lande, — doch mußte er es später selber bekennen: „Wir haben eingese^n, daß Gott mit dir war" (L L. M. 26, 28), wie es sein Vater schon Abraham zurief: „Gott ist mit dir in allem, was du thust." <21. 22.) — „Ich der barmherzige Gott — war der gerechte Richter deiner Vorfahren", darum verzage nicht mein Diener Jakob, wenn dich auch jetzt Finsterniß umgibt, die Sonne deines Glückes geht einst wieder auf! Kurzsichtig sind die Adamsföhne! Wenn sie in Gefahr sind, drückt die Furcht, daß sie untergeben müssen, sie zu Boden, — wenn sie an das gleiche Geschick ihrer bedrängten Vorfahren nicht denken. — Die Lage Israels ist in vielen Ländern eine verzweiflungsvolle' Viele verkünden, das Judenthum ist dem Untergange nahe! Wir haben dies nicht zu befürchten; derselbe Gott, der Jakob aufmunterte und ermuthigte: „Ich, der barmherzige Vater, war der Beschützer deiner Eltern", derselbe ruft auch uns aus allen Blättern der jüdischen Geschichte zu: n penn Gott rettet Israel von der Bedränger Hand; seine Feinde sind dahin; von ihrer einstigen Größe berichtet nur die Weltgeschichte. — Israel dbtt steht noch heute lebenslustig und seinen Retter preisend an r.cs? bv am Ufer des blutgetränkten Zeitcnstromes., II. Wenn die Geschichte unserer Vorfahren uns auch mit Selbstvertrauen umgürtet, kann diese uns dennoch nicht über die Wechselfälle der Gegenwart erheben, verscheucht auch nicht die Traurigkeit unseres Herzens. Mit der Kenntniß der Vergangenheit muß ein Israel sich verbinden, das unsere Augen himmelwärts hebt. Ohne Ideale erhebt sich nicht der Jüngling, bemüht sich nicht der Mann, kann eine Nation nicht bestehen. Nennet die Ideale — Träume, Fantasie. Utopien, — sie sind dennoch die stärksten Motive unserer Handlungen. Der Jüngling, der die Freuden des Lebens liebt, malt sich in ernsten Stunden einen Beruf aus, besiegt seine Sinnlichkeit, und studirt bei Tag und bei Nacht. Der Familienvater stellt sich die glückliche Zukunft seiner Kinder vor. bemüht sich für sie. und bringt die größten Opfer. Die Jungfrau glaubt an eine freudenvolle Zukunft an der Seite eines fremden Mannes, den sie liebgewonnen, und verläßt ihre Eltern, Geschwister, ihr Vaterland.... Als Gott sich unserem Stammvater offenbarte, und ihn an die Vergangenheit erinnerte, fügte Er hinzu: „Das Land, auf dem du schläfst, gebe ich dir und deinem Samen." Du bist jetzt verlassen, stehst allein in der Welt, es kommt eine glückliche Stunde aber, und du wirst in diesem Lande wohnen; es kommt ein Jahrhundert, und deine Nachkommen werden einen Staat hier gründen, den gütigen Lenker der Geschicke der Menschen und Völker anbeten, und auf dem Berge Morija ein Heiligthum erbauen. Dese göttliche Verheißung hat. das in egyptischer Knechtschaft Jahrhunderte hindurch schmachtende jüdische Volk vor Untergang bewahrt. Der Traum der Sklaven verwirklichte sich; an den Gesinden des rauschenden Jordans lebte in dem Zeitalter Davids eine glückliche Nation. Die Sünden späterer Könige haben sie zu Falle gebracht, und Israel durchmißt — wie einst der Patriarch — mit seinem Wanderstabe aller Herren Länder. Wieder lesen wir mit Ahnungen die LLorte: „Das Land, auf dem du schläfst, gebe Ich dir und deinem Samen"; und an Fasttagen, da wir Besserung geloben, flehen wir wie einst Moses: Gedenke Abrahams. Ji.zchaks und Jisroels, Deiner Diener, denen Du bei Dir geschworen hast: ich werde eure Nachkommen wie die Sterne des Himmels vermehren, und dieses ganze Land, von dem Ich gesagt, daß Ich es euren Nachkommen gebe werde, das sollen sie für immer als Eigenthum behalten." (2. B. M. 32, 13, Hirsch Vibelkommentar). III. Als dv Allmächtige, der Herr der Seelen, den Blick des betrübten Wanderers in die lehrreiche Vergangenheit und die hoffnungsreiche Zukunft öffnete, verbarg Er vor ihm auch jene traurige Zukunst nicht, die jener glorreichen vorangeht; er zielte auch auf das . „Es wird dein Same wie Staub der Erde sein." Wenn auch diese Worte auf die große Zahl dieses Stammes Hinweisen. — da sie aber hier nicht, wie so oft mit den Sternen verglichen werden — machte der Richter der Welt seinen „erstgeborenen Sohn" darauf gefaßt, daß man seine Nachfolger gleich dem Staube der Erde treten wird. — Und wahrlich, ist die Geschichte der „zerstreuten Heerde" nicht eine traurige Zeichnung der Leiden und Verfolgungen?! Es ist ein Wunder, das größte Wunder der Geschichte, daß sich dieser Volksstamm bis heute erhalten konnte! Dieses Wunder bewirkte — das Studium der Thora. Diese vergleicht der Prophet dem Wasser. Das Wasser hält die einzelnen Staubkörner zusammen! Darum verkündet der Hüter Israels: nrnm t-iru, ism -pnt rrrt Selbst wenn dein Same wie der Staub der Erde getreten wird, breitest du dich gen Westen und Osten, gen Norden und Süden. Diese Wanderschaft hat eine weltgeschichtliche Bedeutung! Die Juden, die auf der ganzen Erdoberfläche zerstreut sind und täglich beten: „Gib mir Seelenruhe und Fassung, daß ich schweige vor meinen Lästerern, und mich beuge in den Staub vor meinen Drängern", die bescheidenen und stammen Juden — sage ich— sind in allen Staaten die Verbreiter des religiösen Geistes und der Liebe, der Mäßigkeit und des Friedens. Von ihnen lernten die heidnischen Völker — ben „Gott