Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 95 (1.12.1904)
- Date
- 1904-12-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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45. Ichrgmtg. rlle Jeikage zu M 95 des „Zsraelik". Der Spiegel des Dauses Jakob. Ko» Dr. Jsak Links, Balaffa-Gyarmat. Einige Wochen hindurch erweckt unsere Aufmerksamkeit in hohem Maße das wechselvolle Leben unseres dritten Stammvaters, da es in den Synagogen in' diesem Monate geschildert wird. Die ergreifende Geschichte der Verfolgung und des Kampfes, der Bemühungen und der Hoffnungen dieses Mannes, schildert im Kurzen das 3000-jährige Martyrium eines Volkes, des «Hauses Jakob", denn die Geschichte des jüdischen Volkes ist eine ewige Erneuung des Lebens seines Stammvaters — Israel. Jakob war gezwungen das Vaterhaus zu verlassen. weil sein eigener Bruder ihn haßte, versolgte. nach seinem Leben trachtete, — das Erbe der Patriarchen war ebenfalls ein Zankapfel in den Augen der Völker, bis sse es endlich an sich gerissen, und die Stämme Israels in die Gefangenschaft führten. Jakob hat sich ein Vermögen durch seine unermüdliche Thätigkeit erworben, doch Laban wollte ihn all seiner Habe berauben <1. V. M. 31. 43). ja *c-r 'S* -ck hatte die Absicht, den ganzen Stamm auszurollen (1. B. M. 31. 29): seine Nachkommen behandelten die Könige im Mittelalter mit derselben Grausamkeit, und Juden zu verfolgen, ihre Häuser zu demoliren. ihres Vermögens sich zu bemächtigen, unmündige Kinder, schwache Frauen und ehrwürdige Greise nledrrzumetzeln. war nicht nur in dem Zeitalter der Inquisition an der Tagesordnung, sondern ist in dem alle Menschlichkeit unterdrückenden Rußland auch in unseren Tagen noch Gewohnheit. Der «göttliche Kämpfer" bewahrte trotz Verfolgung und Unterdrückung die Reinheit seiner Seele, den Idealismus seines Herzens; seine in der ganzen Welt zerstreuten Kinder klammern sich auch fest an die , geoffenbarte schriftliche und mündliche Lehre. Welche Gesinnungen durchdrangen Jakob, daß er nicht wankte, und nicht verzweifelte, daß er den fremden Einfluß von sich entfernend, überall, wo er sich nur! aufhielt, Segen verbreitete? j Und welche Kraft, welch: unbesiegbare Kraft rollte j in den Adern des ausenvählten Volkes, daß es — nicht j ime andere Nationen — verschwand, sondern noch heute! wirkt, die Kultur verbreitet, und in mitten seiner; Kämpfe überall in seiner neuen Heimath Segen stiftet? , Auf diese Fragen bekommen wir eine befriedigende 1 Antwort in der Erscheinung des himmlischen Vaters, j da Jakob eine, Himmel und Erde verbindende Leiter ‘ sah; diese Verse würde ich einen «Spiegel des Hanfes' Jakob" nennen, weil das Judenthum nurdiese betrachten muß, um sich selbst zu erkennen. Gelöster-, kenntniß aber — sagt schon ein altes Wort — ist die größte Weisheit. « t Der Wortlaut dieser Erscheinung ist folgender: «Ich bin Gott, der Gott deines Vaters Abraham, und der Gott Jizchaks: das Land, auf dem du schläfst, gebe ich dir und deinen! Samen. Es wird dein Samewie Staub der Erde und du breitest dich aus gen Westen und Osten, gen Norden und Süden, und es werden durch dich alle Familien der Erde gesegnet werden und durch deinen Samen. Und siehe. Ich bin mit dir, und werde dich schützen in allem, wo du gehst, und werde dich zu diesem Boden zurllckbringen; denn. Ich werde dich nickt verlassen, bis daß Ich vollbracht habe, was Ich dir verheißen" (1. B. M. 28, 13—15). (Hirsch-Bibel.) Diese Erscheinung, die einen solch' mächtigen Eindruck auf den Patriarchen machte, daß er sich an sie noch nach Jahren lebhaft erinnerte (1. B. M. 31,13; 35, 3), diese Erscheinung belehrte ihn, daß er nie die Vergangenheit vor Äugen verliere, daß er an die Erfüllung seiner Hoffnungen nie zweifle; er sei bescheiden^ und strebe überall Segen zu verbreiten. Bei dieser Thätigkeit begleite ihn die Ueberzeugung, daß der Ewige ihn bewache, denn seine Engel begleiten die Frommen; denen einst das größte Erdenglück beschieden ist. Es ist von großer Wichtigkeit, die in dieser Erscheinung enthaltenen Lehren und Hoffnungen, seinen verfolgten und verkannten Nachkommen an's Herz zu knüpfen, darum wollen wir sie näher betrachten, damit wir — wie Israel — im Kampfe des Lebens als Sieger hervorgehen, und damit der mächtige Hort Israels auch uns wie ihn segne und beschütze. L «Ich bin Gott, der Gott deines Vaters Abraham, - und der Gott Jizchaks." Eine große Lehre liegt in diesen einfachen Worten, sie rüstet uns mit einer solchen Kraft aus, daß wir alle Sturme überdauern! — Jakob, so glaubte jedermann, der ihn auf dem freien Felde schlafen sab. so meinte er selber, daß er der unglücklichste Mann auf Erden sei. Von seinem Bruder . verfolgt, ohne jegliche Mittel, seine Bedürfnisse zu decken, gezwungen, sein Vaterland zu verlassen, und bet seinem betrügerischen Onkel Knechtesdienste zu dersehen — . Wer zweifelt nicht in einer solchen Lage?! Doch siehe, der Bildner der Menschen macht ihn auf die Vergangenheit, auf die lehrreiche Geschichte - seiner Väter aufmerksam: Auch Abraham wurde der- -', folgt, auch er mußte sein Vaterhaus verlassen, und