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Der Israelit · 1904-12-01 · Heft 95 (1.12.1904) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 95 (1.12.1904)
Date
1904-12-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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2044 Franzose kam vor ca. drei Wochen Samstag-Abend hier an, wie er sagte, „eigentlich zu verstehen gab", da er. kein Wort deutsch gesprochen, er komme von Edenkoben bei Landau. Wir bekamen zwei Tage vorher eine Karte mit der Unterschrift des Kultusvorstandes, wir möchten um Unterstützung bei den übrigen Familienmitgliedern besorgt sein, da dieser kein deutsch kennt, außerdem sehr bedürftig sei. Er kam auch, wie schon vornherein erwähnt, Samstag-Abend an. ging aber zu Niemand. Um ihn jedoch gleich weiter zu befördern, da er sagte, er wolle nach Frankfurt zum Konsul, um nach Paris weiter befördert zu werden, gab ihm 6 Mark und ließ ihn durch unseren Lehrer an die Bahn befördern. Des andern Tages hörte ich. daß er nicht nach Frankfurt, sondern nach Mannheim fuhr. Ob derselbe sich nach hier selbst avisirte. ist mir nicht bekannt. Jedenfalls scheint derselbe ein großer Schwindler zu sein und derartige Streiche des öftern ausgesührt zu haben. Dies zur gefl. Orientirung. Hochachtend Max Mayer. vermischtes. Berlin. 22. November. In eindrucksvoller Feier ist am letzten Freilaq-Abend die Synagoge des Rabbiner-Seminars ihrer Bestimmung übergeben worden. Vor Beginn des Mincha-GottcsdiensteS wurden die Thorarolle» aus dem provisorischen Betraum überführt und nach den Hakaphot, in die heilige Lade eingestellt. Die rituellen Gesänge wurden von Herrn Rabbinats-Kandidaten Nieschkowsky mit klangvoller Stimme wirksam zum Vortrag gebracht. Die Synagoge, welche sich indem dritten S ockwerkdcs Seminar- Gebäudes befindet, macht mit ihrer schlicht-vornehmen Einrichtung einen überaus wohllhuenden Eindruck. R. L3ormS Unser Rabbiner, Herr Dr. Alexander Stein h»t heute aus Anlaß des Geburtstages des Groß- Herzogs das Ritterkreuz 1. Klasse erhalten. Budapest. Bei den jüngsten Wahlen in die Budopester Stadtreprärentanz wurde der zweite Vizrpräses der fester orth. Gemeinde, der rübmlichst bekannte Herr AdolfFrankl als Ersatzmitglicd gewählt. Durch den Tod eines R..Präsentanten ist nun Herr Frankl zum orden'lichen Mitgliede der Bubapestcr Stadtrcpräsentanz vorgerückt. Auch der erste Vizeprascs der Bester orth. Gemeinde Herr Dr. Jacob Schächter gehört schon seit Jahr n der Stadtrepräsentanz an. — Der Staats sekretär des Kultusministeriums betonte unlängst gegenüber einer jüdischen Lehrerdcputatiou, die bet ihm vorsprach, die Notwendigkeit einer einheitlichen Organisation der Judenheit Ungarns. In orthodoxen Kreisen wird man nun sorgfältig und rechtzntig darauf bedacht sein müsicn. daß düse UnifizierungSgelüste der Regierung nicht zu.Thaten werden. ' DtoSzeg (Ungarn) Im vorigen Monat verschied hier ei» braver frommer Mann Herr H. Tauber. Er hat sich um die hiesige Gemeinde große Verdienste erworben und war allseits hochgeehrt. waS bei ferner Beerdigung rm vollsten Maaße zum Ausdruck kam. ■ ■ t . David Schaffer, Lehrer. Kerrllleto». Der HmbsM lojtyfM in de« Jahre» 544515417 Jet jiWei 11685 r 1(117 kr MZeiktl-mß von Markus Braun. 12 11. Es war an Simchas Thora des Jahres 5445. Mit gedankenvollem Ernst blickte Abraham Metz in Altona vom Fenster auf die Straße. Seine Frau trat zu ihm und sagte: „Du hast ja Dein Iomtof-Gesicht gar nicht aufgesetzt, wie kann man an Simchas-Thora nur so verdrießlich dreinschauen? Du denkst doch nicht heute, an heiligen Jomtof, schon wieder an's Geschäft?" „Was Du auch nur glaubst, liebe Sara, ich denke an Wochentagen nickt einmal genug an's Geschäft, nnd sollte es an Simchas-Thora thnn? Nein, gute Frau, das macht mick nicht so nachdenklich. Der Gedanke an's Geschäft könnte mich heute nur heiter stimmen. Haben wir's doch heute Morgen erst unzählige Mal in der Schul hinausgesungen, daß die Beschäftigung mit der Thora das beste Geschäft ist. Ki tof Sackroh mikol Sechauroh." „Und was ist es denn, was Dich so ernst stimmt an Simchas-Thora?" „Das was Alle erheitert," entgegnete mit gezwungenem Lackeln der Gefragte, „das ist es, was bei mir die Freude nickt aufkommen läßt." Betroffen sah ihn die Frau an und der Gatte fuhr fort: ' „Heute freut sich Alles, weil wir die Thora zu Ende haben und sie nun wieder neu beginnen können. Ich habe sie nicht zu Ende. Meine Kenntniß der Thora ist so gering, so lückenhaft und armselig, daß ich an meine Unwissenheit in der Thora erinnert werde, welchen Theil ich auch herausgreife. Ja, wenn ich mit der Thora wirklich zu Ende wäre, dann wollte ich mich heute so ausgelassen freuen, wie sich einer nur freuen kann! Aber für Leute mit meiner geringen Kenntniß ist Siinchas-Thora ein ernster Tag." Abraham Metz war nun in Wirklichkeit ein sehr tüchtiger Kenner der Thora, des Talmud und des Midrasch. ja er besaß ein talmudisches Wissen, das selbst in jener Zeit unter Kaufleuten nicht alltäglich war. Das wußte auch seine kluge, gute Frau. Aber noch mehr wußte sie, daß seine Bescheidenheit das nicht glaubte und auch nicht aufkommen ließ. Sie mußte es daher schon anders anfangen, wenn sie ihren Mann irr Simchas-Thora-Stimmung versehen wollte.

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