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Der Israelit · 1904-12-01 · Heft 95 (1.12.1904) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 95 (1.12.1904)
Date
1904-12-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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2040 In einem anderen Lande — da schleicht sich der jüdische Bruder in sein Haus, an dem seine Väter und er im Schweiße des Angesichts gebaut, und das in seinen Grundfesten -erzittert, das mit sammt seinen Bewohnern schwankt und bebt, weil der vaterländische Boden es nicht tragen will. In diesem Hause versammelt der Familicnrath seine Geliebten — und es beschleicht ibn die Sorge, ach, wird dies Haus morgen noch stehen und diese Geliebten — werde ich sie noch mein nennen, werde ich sie vor blutiger Verfolgung 'schützen können. — Es ist ja das Haus, die Familie eines Juden. Da tönen die Namen der Makkabäer ins Haus, in den Familienkreis, die Namen der Männer, die gekämpft und geblutet und gesorgt, weil sie Juden waren und es bleiben wollten trotz alledem, und Licht wirds im Dunkel des umdüsterten Hauses, das vielleicht vor Kurzem erst des Mordes Schreckensgestalt beschattet. und hell wirds in den Finsternissen der Seelen und die Freude wagt sich in den stillen, eingeschiichterten Kreis, und der Jubel wagt sich auf die bleichen Lippen -ns wv! Unser Chanuka-Flämmchen zuckt — es zuckt auch in unserem Herzen, denn wir denken an eine noch ganz andere Chanuka-Feier, die kein Haus, keine Hüne, kein Heim mehr hat, wo sie sich vollziehen kann. Wir denken an jene Zehntausend, die sich und die Reste ihrer Habseligkeiten und ihr Elend hinüber retten wollen übers Meer. Da ziehen sie hin, die Ausgestcßenen zu vielen Tausenden Männern und Frauen mit ihren Greisen und Kindern — kalte Lieblosigkeit jagt sie, der Eiseshauch des Winters empfängt sie auf wogender See — woher, wohin, warum, wozu — fraget nicht — darauf gibt's nur eine Antwort, und die Kulturvölker der Welt — ein einziges ausgenommen — nehmen die Antwort ruhig zur Kenntniß: sie sind Juden! Und da sammeln sich diese Juden, die Glieder zersprengter Familien in irgend einer Ecke des Schissroumes, den die Gnade des Schiffers ihnen überläßt — und sie sprechen, ja wir sind Juden, wir sind Abkömmlinge der Makkabäer, die auch Juden waren — und dies Meer tobt nicht grauser als Antiochus Sckaaren getobt, und die heilige Lampe Israels ist nicht verlöscht und sie zünden in ihrem Winkel das Ehanuka-Lichtlein an und rufen, auch hier wohnen — ach nein — hier ziehen Zugvögel der Jahrtausende — hier schiffen umher elende Juden — im Elend dennoch Juden und der Makkabäer Gott ist ihre einzige Zuflucht und Hoffnung ww ive wo! Doch m. Fr..' Sie werden sagen: Können denn solche traurige, der Jetztzeit entnommene Schilderungen zu unserer Chanuka-Erheiterung beitragen? Soll ja das frohe Fest uns freudig stimmen! Soll ja die Erinnerung an das glorreiche Einst all die Trübsal des Jetzt vergessen machen! Darauf sage ich: Nein, das soll sie nicht. Vielmehr sollen wir, bevor wir ein Geschichtsmoment aus unfern vergangenen Tagen herausheben um es wieder zu beleben, unsere Tage der Gegenwart im Geiste durchleben, so durchleben und durchleuchten, daß wir den Anknüpfungspunkt zwischen der Geschichte der Vergangenheit und der der Gegenwart finden. ' Ich sage: das Lichtlein aus der Ehanuka-Zeit kann es uns nicht ersparen, mit der Fackel der Wahrheit in unsere Zeit hineinzuleuchten. Mit der heiteren Stimmung in Israel hat es eben eine eigene Bewandtniß. Seitdem.die Tochter Zion Wittwe geworden, geht ein elegischer Zug durch ihr Fühlen und Empfinden und sieht sie allen Jubel und jede Lust der Welt durch ihren Wittwenschleier an. und wir — nun wir sind die Kinder dieser Tochter Zions. M. Fr.! Unser Weihefest will uns nicht dem wirklichen nüchternen'Leben entrücken und in ein singendes, klingendes Traumreich hinüberheben, wo wir mit Engelein und vergoldeten Nüssen spielen und uns über eine Nacht oder ein paar Nächte unserer Lebenszeit hmwcgtäuschen können. Unsere Weiheabende, unsere Chanuka-Abende wollen uns nicht zu Kindern, sondern zu Männern machen. Unser Weihefest trägt bei all der kindlichen Reinheit seiner Form in seinem Wesen den Ernst der Männlichkeit ausgeprägt. Chanuka ruft vor allem die Männer auf, die den Muth haben, das Leben, das sie in der Gegenwart leben, zu tragen, es zu prüfen, es zu verantworten und in's Licht der Ehanuka-Flamme hinzustellen. — Die Frage, die angesichts der Ehanuka an uns, Mann für Mann berantritt. lautet stets: Wie war die Zeit der Makkabäer und wie ist deine Zeit? Was waren die Makkabäer und was bist dn? M. Fr.! Beschäftigen wir uns ein wenig mit diesen Fragen und versuchen wir es, die Tendenz dieses unseres Chanuka-Festes auch aus den für dasselbe geltenden rabbinischen Anordnungen heraus klar zu stellen. M. Fr.! Die bei Anzünden der Chanuka vorgeschriebenen drei Berochoth lauten: 1) naunte i1 p'd-nd u» rnttoi ::enp *nwt. 2) ran jon Km VV2 wncifc ksj new. 3) ran svid unn «rpv trantr. Ein alter Geseheslehrer pmv n und auch eine Ausgabe des tp' ro hat für die erste Brocha die Fassung raun u p'!rr6 Wir aber richten nns nach der allgemein angenommenen Fassung des |rfrw *piy und sprechen row bv 13. Mit gutem ReHte; rwm u würde bedeuten: wir denken uns die Weihestunde erneut und erblicken Kraft unserer Phantasie im Cbanukalichte das Licht der Hasmonäerpriester im Heiligthum angezundet. So schön nun eine solche Täuschung der Phantasie auch sein mag, liegt sie doch nicht m der Absicht unserer Religion und ihrer Interpreten.'

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