Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 45 (8.6.1903)
- Date
- 1903-06-08
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Nolle spielt und überall dort, wo eine reichliche Fett- | zufuhr von Werth ist, in größeren Mengen zur Ver- I Wendung gelangt, ist von der Industrie zu Nährzwecken in reiner Form dargestellt worden. Da in den von der Natur gebotenen Fetten, in dem Milchrahm, in der Butter, im Eigelb, im Knochenmark, in den andern thierischen Fetten, wie im Hühnerfett, concentrirte, lcichtverdauliche Fettsorten zur Verfügung stehen, und da überdies die Fälle, in denen eine reichliche Zufuhr mit Fett angezeigt und gut durchführbar ist, ziemlich selten sind, so ist auch das Vedürfniß nach künstlichen Fettpräparaten nicht so scharf hervorgetreten; die Zahl der Präparate ist darum keine sehr große. In erster Linie ist da zu nennen Lipanin, ein angenehm schmeckendes Präparat, das aus 96 Theilen feinen Speiseöls, 6 Theilen Oelsäure besteht und einen Ersatz für den nicht sehr angenehm schmeckenden Leberthran bieten soll. Große Fettmengen — etwa 26 pCt. — enthält auch die sogenannte vegetabile Milch, welche, aus Nüssen hergestellt, der Minniggruppe angehört. Ferner sei hier erwähnt die Mering'sche Kraftchocolade, in welcher dem Cacaofett Oelsäuren beigemischt sind. In die Gruppe der eigentlichen Fettpräparate gehört auch der Leberthran*), eine Fettart, welche aus der Leber der Fischart Gadus durch Auslassen und Auspressen gewonnen wird und in dreierlei Gestalt, als hellgelber, als rothgelber und brauner Leberthran in den Handel kommt. Der Leberthran repräsentirt vor Allem ein vorzügliches Nahrungsmittel; das dem geschwächten Organismus Fette in leichtverdaulicher Form zuführt; daneben wohnt ihm auch eine specifische Wirkung inne, welche ihn befähigt, eine große Reihe von Krankheiten, wie schwere Vlutarmuth, Rhachitis, Skrophulose, Lungenphthisis günstig zu beeinflussen und so seiner anderen Aufgabe, zugleich als Heilmittel zu dienen, zu entsprechen. Diese Umstände sind es, welche dem Leberthran seit altersher so große Verbreitung verschafft haben. Der Leberthran kommt außerdem mit verschiedenen medicamentösen Zusätzen wie Phosphor, Eisen in den Handel. Es ist ferner versucht worden, den für manche Kranke widerlichen Geschmack des reinen Leberthrans durch verschiedene Methoden zu verbessern und zu verdecken; so entstanden Dr. Standke's aromatischer Leberthran, die Scottsche Emulsion, und als Extract des Leberthrans das Morrhuol. Da der Leberthran aus dem Fett der rituell zulässigen Fischgattung Dorsch hergestellt ist, so ist religionsgesetzlich die Verwendung seiner sämmtlichen Präparate zulässig. Während den hier genannten Fettpräparaten mehr die Rolle von Heilmitteln zukommt und dieselben darum fast nur in der Ernährung Kranker eine Rolle spielen, so bedeuten die Pflanzen¬ *) Vergleiche hierzu meinen Artikel über Leberthran in der Zeitschrift für Kinderheilkunde „Der Kinderarzt". Heft 10. V. Jahrgang. fette, ioelche in der letzten Zeit in großer Anzahl auf den Markt gebracht werden, eine Bereicherung jedes Küchenzettels und gelangen als Ersatz für Butter und Gänseschmalz allch für Gesunde in Verwendung. Durch Verdaulichkeit und, wenn wir den ökonomischen .Standpunkt berücksichtigen, durch Billigkeit ausgezeichnet, erfreuen sich die Pflanzenfette als Brat-, Back¬ oder Kochmittel an Stelle der thierischen Fette bereits großer Beliebtheit. Außer dem feinen Olivenöl*), das als Bratmittel schon lange in Gebrauch ist, sind es die Präparate Fruchtin, Laureol (M. Goldschmidt-Berlin*), Kokolin (A. Deutsch-Prag), Kunerol (David Bauer-Frankfurt a. M.), Maiamin (Simon Lipowski-Konitz). Noim (Fabrikant Wahnschasse- Cleve). Palmin (M. I. Weil-Frankfurt a. M.), Vegetaline. Diese Präparate, welche, weil mit Pflanzen hergestellt — Palmin und Kokolin aus Kokosnuß — der Gruppe der Minnignahrung angehören, werden auch unter zuverlässiger Aufsicht hergestcllt und können darum in der jüdischen Küche als Bratsett von Fleisch, Fischen oder sonstigen Nahrungsmitteln Verwendung finden. Diese Pflanzenfette bieten vor Allem einen geeigneten Ersatz für die Butter als Bratmittel von Fleisch, da sie der gebratenen Butter an Werth der Verdaulichkeit und Schmackhaftigkeit nicht nachstehend) Im Gegensatz zu diesen aus Pflanzen'hergestellten Fettarten erweist sich die Margarine, welche heutzutage ein ungeheurer Consumartikel geworden, als ein Produkt von thierischen Fetten. Da diese Fette religionsgesetzlich unzulässig sind, so ist auch die Margarine dem rituellen Genüsse entzogen. Wiewohl durch eine Reihe gesetzlicher Bestimmungen dem betrügerischen Verkauf von Margarine anstatt Butter etwas vorgebeugt ist, so kann man Verfälschungen und Hrrthümern doch nicht entgehen. Meistens ist nämlich die Magarine so geschickt hergestellt, daß sie in Aussehen und Geschmack vollständig der echten Butter gleicht und der Unterschied erst durch eine chemische Untersuchung nachgewiesen werden kann. Freilich gelingt es nicht selten, die Margarine schon äußerlich durch den von echter Butter abweichenden Geschmack und Geruch sowie durch ihre auffallende Farbe zu erkennen. Gute und reine Butter ist meist von blaßgelber Farbe, besitzt aus der Schnittfläche ein geschmeidiges, gleichmäßiges, nicht krümliches Aussehen und zeichnet sich durch einen angenehmen Geschmack aus. Die Margarine erweist sich gegenüber der Butter als ein schwer verdauliches Fett und läßt auch, was ihre Appetitlichkeit anbetrifft, gar manches zu wünschen übrig. _ (Fortsetzung folgt.) ßüucnbl?Qg Sett 001 klieren Oelsardinen ist ebenfalls feines Firma, welche das betr. Präparat in ritueller Her,tcllttng m den Handel bringt. nährung äU &ie^ec S*dlle 80 meines Handbuchs der Er»