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Der Israelit · 1903-06-08 · Heft 45 (8.6.1903) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 45 (8.6.1903)
Date
1903-06-08
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Zettrmgsrrachrkchtett und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 3. Juni. Für die „Heinrich Rickertstiftung" zur Begründung von Volksbibliotheken in wenig bemittelten Gemeinden sind dem Vorstande der Gesellschaft fiir Verbreitung von Volksbildung bis Mitte Mai rund 25,000 Mk. zugegangen. Der Vorstand der Gesellschaft hat beschlossen, aus der Stiftung zunächst BücherunterstüHungen im Werthe von je 20 Mk. an Bibliotheken in unbemittelten kleinen Landgemeinden zu gewähren. Da nur die Zinsen der Stiftung zur Verwendung kommen sollen, wird es nur möglich sein, etwa 80 Bibliotheken in der gedachten Weise zu unterstützen. Sobald die Mittel der Stiftung es gestatten, wird auch die Neubegründung von Bibliotheken in ärmeren Genreinden in Angriff genommen werden. .Berlin, im Mai. (Antisemitismus i st ein mildernder Um st and.) Die antisemitische „Deutsche Zeitung" in Berlin hatte den Schriftsteller Jon Lehmann dadurch beleidigt, daß sie ohne jeden Anhaltspunkt den Verdacht aussprach, Jon Lehmann sei der pseudonyme Verfasser des Buches „Willis Werdegang" und habe selbst darüber eine günstige Kritik geschrieben. Hierfür wurde der verantwortliche Redakteur Dr. Lange zu 50 Mk. Geldstrafe etc. verurtheilt. In der Urtheilsbegründung, die jetzt vorliegt, heißt es: „Bei Abmessung der Strafe kommt in Betracht einerseits die Schwere der Beleidigung, andererseits, daß der Angeklagte mehr die Sache treffen wollte, als die Person des Privatklägers, der ihm ganz unbekannt ist, daß er und seine Zeitung eine besondere Stellung zum Judenthum einnehmen, und daß seine Beleidigungen nicht der Gehässigkeit und ehrloser Gesinnung entsprungen sind etc." Der Antisemitismus der „Deutschen Zeitung" wird also hier als mildernder Umstand für diese einem Juden zugefügke grundlose Beleidigung aufgefaßt. Dessau, 3. Juni. Mit dem Testament der verstorbenen Baronin v. C o h n hatte sich der hiesige Gemeinderath wiederholt in nichtöffentlicher Sitzung zu beschäftigen. Aus den Protokollen darüber werden die Punkte, welche sich auf Berliner Persönlichkeiten beziehen. in den Tagesblättern hervorgehoben: In dem gültigen Testament sind dem Neffen der Baronin, dem Dr. med. Arthur Meyer in Berlin, 500,000 Mark ausgesetzt unter der Bedingung, daß beim Ableben der Erblasserin entweder dessen Ehe durch Tod oder sonstwie gelöst, oder wenn die christliche Ehefrau Jüdin geworden ist. In dem formell nicht gültigen Testament ist dieses Legat auf eine Million Mark unter Weglassung der Bedingung erhöht worden. Es erscheine als eine sittliche Pflicht, dem Dr. Meyer ein gleiches Legat zu gewähren, wie ein solches seinen anderen Geschwistern in Höhe von einer Million Mark rechtsgültig ausgesetzt worden ist, zumal er Lei der letzten Krankheit der Frau Baronin, trotzdem ihm die Bestimmung des ersten Testaments ausdrücklich bekannt gegeben war, den Vollzug des zweiten Testaments als Arzt, um eine Aufregung zu vermeiden, nicht zuließ.. Die israelitische Kultusgemeinde hat die Hälfte mit 500,000 Mk. bereits bewilligt. Der Gemeinderath bevollmächtigte mit zwanzig gegen zehn Stimmen den .Magistrat, nach Prüfung der Verhältnisse die Erklärung abzugeben, daß die Stadtgemeinde die Hälfte mit 500,000 Mark bewilligt. Das Statut für das der jüdischen Gemeinde hinterlassene Legat unterliegt bereits der Prüfung der Hinterlassenschaftsverwaltung. Die Stiftung wird über 150,000 Mark jährlich verfügen können. 15,000 Mark sollen zur Förderung der jüdischen Wissenschaft dienen. Ein ähnlicher Betrag wird einem Stipendienfonds für arme und würdige jüdische Studirende gewidmet, 10,000 Mark der Unterstützung der anhaltischen Gemeinden. Ferner sind noch andere Werke und Stiftungen im Interesse des Judenthums in Aussicht genommen. Nürnberg, 3. Juni. Anläßlich des Todes des Freiherrn von Jmhoff ist es in einer hiesigen Gesellschaft von Mitkämpfern des Freiherrn v. Jmhoff zu einer Auseinandersetzung gekommen, weil behauptet wurde, ein Unteroffizier des 14. Regiments mit einigen Mann sei der Erste 1870 bei Erstürmung der Bayernschanze gewesen. Das Kommando des 14. Infanterie-Regiments Hartmann hat nun einen Auszug aus der Regimentsgeschichte, die gegenwärtig durch Herrn Oberleutnant Beckh für Unteroffiziere' und Mannschaften des Regiments bearbeitet wird, hiesigen Blättern überlassen. Der Auszug stellt die Erstürmung der Bayernschanze auf Grund der vorhandenen amtlichen Quellen und persönlichen Aufzeichnungen von Mitkämpfern dar und lag auch vor einigen Monaten dem verstorbenen Major Freiherrn von Jmhoff zur Begutachtung vor. Die Schilderung wurde von demselben in einigen Punkten richtig gestellt und dürfte nunmehr dem Vorgang vollkommen entsprechen. Unsere Leser werden mit umso größerem Interesse die Schilderung einer der wackersten Thaten bayrischer Soldaten aus der großen Zeit von 1870/71 in ihr Gedächtniß zurückrufen lassen, als bei diesem Anlasse die um ihres tapferen Verhaltens besonders hervorgehobenen Soldaten der Infanterist Moses Kleemann von der 5. Kompagnie und May von der 8. Kompagnie, beide Juden sind. Von Kleemann wird-gesagt, daß er es sich nicht nehmen ließ, „stets in allervorderster Linie zu sein, um so die andern mit sich fortzureißen"; von May, daß er sich „durch sein unerschütterliches Aushalten" verdient gemacht habe. Beide wurden mit dem Militärverdienstkreuz dekorirt. Ersterer ist in-

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