Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 45 (8.6.1903)
- Date
- 1903-06-08
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Endlich kam der Letzte herein. Es war ein Maure, so schien es seiner Kleidung nach, und gar fremd klangen auch diese Weisen, die er zu seiner Geige spielte. Für ein maurisches Lied hielten es die Ritter. Wir wissen es besser. Es war hebräisch. Er spielte: Es flimmern die Lichter im prächtigen Saal, Drin sitzen die Ritter und halten ihr Mahl. Wohl Becher auf Becher umkreiset die Rund', Sie schütten den schäumenden Trank in den Schlund. Und heiß in den Adern aufwallet ihr Blut, Entflammt wird der Leidenschaft düstere Gluth. Nach Weibern und Liedern erwacht ihr Begier, Da winket der Herr und man öffnet die Thür', Man öffnet die Thür' und ein Mann tritt herein, O weh, und der Mann blickt so jämmerlich drein. O weh, und da jauchzet die Rotte so wild: „Spiel', Judenhund, spiel'. Du verfl.... Gebild!" Da neiget voll Demuth der Jude sich hin. Berührt fast den Boden mit bärtigem Kinn. Er küsset den Saum von der Herren Gewand Und nimmt von der Schulter die Geige zur Hand. Er lehnet die Geige wohl an seine Brust Und spielet, daß es tönet voll glühender Lust. Er spielt von der Freud' und dem Glück dieser Welt Und spielt, daß die Ritter es nimmermehr hält. Auffahren die Ritter vom festlichen Mahl Und tanzen wie toll um den Juden im Saal. Und der Jude, der spielt, daß es tönet voll Lust Und trägt doch den grinsenden Tod in der Brust. Er spielt und seufzet: „O weh der Nation, Gefoltert von Spott und verfolget von Hohn. O weh der Nation, die zerstreut in. die Fern', Geknechtet muß dienen dem tückischen Herrn." Und mitten im Spiel ruft er laut, daß man's hört: „Jerusalem, ach, warum warst du zerstört?!" Wirft fort seine Geige, daß schrill sie zerbricht, Sinkt selber zu Boden und rühret sich nicht. Mit einer grellen Dissonanz endete der Spielmann. ' Einen Augenblick herrschte Todtenstille im Saale der Ritter. Aber nur einen Augenblick. Hei, wie fuhren sie dann auf gegen den frechen Spielmann, der. ihre Lust gestört. Der aber war verschwunden. Die Ritter tobten und lärmten im Saale und fuhren fort zu zechen, bis sie den Spielmann sammt seinem Gesang vergaßen. David ben Sebulon aber rannte in großen Sätzen von dannen. Erst am Fuße des Burghügels machte er Halt. Still schaute er zur Burg hinauf, die stolz vor ihm in die Höhe ragte. Er schaute und schaute und schaute und mochte den Blick nicht abwenden. „Dort also bist Du gewesen und hast sterben müssen," murmelte er und schaute unverwandt zur Höhe. Allmählich schien sich die Burg in eine graue Wolke zu hüllen. Immer finsterer wurde ihr Umkreis. Jetzt drang Rauch aus ihr hervor. Die helle Lohe schlug heraus. Die Burg stand in Flammen. Da legte.sich einen Moment entsetzliche Befriedigung auf das Gesicht des Juden. „Rache ist süß," sprach er vor sich hin und schaute hinauf. Immer größer wurde die Flamme. Plötzlich überlief ihn leises Schaudern. -(Fortsetzung folgt.) Wschm-Rslenöev. Freitag, 12. Juni, 17. Siwan. Sabbat-Anfang in Mainz u. Frankfurt.a. M. 3 Uhr 00 Min Samstag, 13. Juni. 18. Siwan. "1 ‘2 pis .TjnSl'm Sabbat-Ausgang in Mainz und in Frankfurt a. M. 9 Uhr 30 Min. — Berlin 9 Uhr 30 Min. - München 0 Uhr 04 Min. — Hannover 9 Uhr 30 Min. — Stuttgart 9 Uhr 2V Min. - Drag 9 U8r 10 Min. — Straßburg 9 Uhr 20 Min. — Posen 9 Uhr 18 Min. — Stettin 9 ULr 36 Min. Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend hoher. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an _ Vw Buchhandel verkehrt durch V. ]?. Slrinacker, Lriprig, Rastplatz jb. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Nonpareillezeile oder deren Raum. Preis der Zelle im Reclametheil 75 Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen österr., für's Ausland 16 Mark an die Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3932. Telephon 1915. ' Stellesuchende und sonstige Interessenten können auf Wunsch die jeden Dienstag und Freitag erscheinende „Kleine AuSaabe deS JSraelit" vier Wochen lang gratis und stanco erhallen. Wünscht man den Empfang der „Kleinen Ausgabe" längere Zeit, so kann man sich für 25 Pfennige das Vierteljahr, indeß ausschließlich bei der Post auf dieselbe unter Nr. 3933 abonniren. Auf Wunsch stuudeu wir die Zahlung deS JnsertionSbetragS an außer Stelle Befindliche bis nach Erlangung einer solchen. Inhalt der ersten DeUage: jiunMicve Nabryrayarate und ihre rituelle Zulässigkeit. (Fortsetzung) — Zettünasnackrickten Corcesyoudenzen: Deutschland: Berlin. Denan. Nürnberg. Ungarn: Budapest. — Vermischtes ö Ze tungsnachrrchten uno Belletristische Beilage: Der ^ude. «Fortsetzung.) Extra-Beilage: llebersetzitug und Kommentierung des Buches Job von Mendel Hirsch s A (Schluß.) Verantwortliche Redaction: OSear Lehmann in Mainz. — Expedition des ^JSraelit". Schottstrabe Nr. 2. Main». Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hasbuchdruckerei Actien-lSefellschaft in Mainz. Hierzu drei Beilagen.