Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 45 (8.6.1903)
- Date
- 1903-06-08
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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am Boden und mit einem Male fand er das Bewußtsein, seiner Lage. ' Ein Schrei entrang sich feinen Lippen und er sank am Stamme der Eiche nieder. Das schmerzende Haupt sagte ihm: „Du bist besiegt! Du bist verhöhnt! Mt einem Ritter wolltest Du kämpfen! Aber wie kommst Du zu ihm? Wie kanntest Du es wagen, mit ihm Dich zu messen? Er ist ein gesunder, blühender, starker Christ, gewohnt, hoch zu Roß zu streiten und zu siegen. Was aber bist Du? Ein armer, schwacher, kranker Jude, dem man sein Weib getödtet hat und der sich nun darüber so aufregt, daß er wahnsinnig wird und mit einem Ritter kämpfen will. Hahaha! Bist kein Ritter, auch wenn Du ein Schwert um die Seite Dir bindest. Bleibst doch der arme, schwache, kranke Jude, der wahnsinnig ist dazu. Hahaha! Ritter David. Ritter David! Das paßt nun einmal nicht für alle Zeiten. Ritter David!' Ritter David! Bleibst ein Jude im Schild und Panzer, bleibst ein Jude hoch zu Roß. Kannst's nicht verleugnen für alle Zeiten. Dein eigenes Antlitz zeugt wider Dich. Denn tief in's Fleisch hinein ge- 'chnitten ist Dir der Jude. Bist ein Jude mit Fleisch nd Blut. Ritter David! Ritter David!" Und die Winde erhoben ihre Stimme und fuhren heulend durch die Eiche. Der am Boden glaubte ihr Spottlied zu vernehmen und tief stöhnte er auf. Er preßte die Hand gegen das schmerzende Haupt und leise begann er zu murmeln: „Esaw, Esaw, wie stark ist Deine Faust und wie so stark Deine Rechte. Wie reitest Du so stolz durch die ganze Welt und Dir allein ist die Herrschaft. Und Jalob liegt am Boden und weint und weint mit schmerzendem Haupte. Denn nur das klagende Flehen allengehört Jakob, dem Verfolgten. Aber die Hand, die mächtige Hand, die hat nur Esaw, nur Esaw. Und kein Simson ersteht mehr den Juden/ der da prangt in üppiger Kraft. Sie sind gebrochen durch's Elend, gebrochen durch's grausame Goluß. Gebrochen durch ihre Ergebung, mit der sie es stets getragen. Und ich wollte dem erdrückenden Banne entfliehen, durch bloßen Willen mich ändern. O, das geht nicht so rasch. Noch kann ich nur tapfer sterben. Und Gott hilft mir nicht. Er will nicht. Wie aber soll ich den brennenden Schmerz löschen, der mir die Brust durchglüht und nimmer will vergehen?" Er verfiel in tiefes Sinnen. Tausend Pläne durchkreuzten sein Hirn in tollem Durcheinander, aber keiner mochte ihm gefallen. Endlich umspielte ein triumphirendes Lächeln seine zuckenden Lippen: „Wie hat Jakob den Esaw besiegt? Durch Klug- Der Ritter Robert de Gourdon hatte längst sein unheimlich nächtliches Abenteuer vergessen. Es war ia nicht das erste Mal, daß ein erzürnter Eheherr ihn angefallen. Aber sein tapferer Arm hatte ihn stets be- : schützt. Umso zuversichtlicher wurde er nur. -! In jener wilden Zeit konnte ein gefürchteter Ritter sich gar viel ungestraft verstatten. Aber nachgerade be- -. gann doch ein Ungewitter sich über dem Ritter zufammenzuziehen. - - . - König Richard betrachtete den Üeberfall der Juden am Tage seiner Krönung als eine Verletzung seiner ' Würde. Sie hätten doch noch etwas warten können. .Er drohte, die Sache untersuchen und den Ritter als Anstifter vor Gericht laden zu lassen. Dann wäre wohl seine Verurtheilung sicher gewesen. Nicht zu Tode, denn das hieße doch wohl das Leben einiger Ju- ... den zu theuer erkaufen, wenn ein Christ deßhalb er-, bleichen müßte. Aber seine Güter hätte man ihm wohh. . entzogen und seiner Würde ihn entsetzt. , ... , So ward es allmählich dem Ritter ein wenig un--; heimlich zu Mut he. Er ergriff deßhalb sein gewöhntes Mittel sich aufzuheiiern, wenn die Sorge ihn über- - .*.* kommen wollte. Er zechte und fröhnte seinen Leidenschäften in erhöhtem Maße. So war der.. Waffenfaal seiner Burg nur selten von Gästen leer. - Auch heute hatte er wieder .einige benachbarte Ritter zu sich geladen. Sie waren seinem Rufe gefolgt/ denn Ritter Robert galt als ein guter Wirth. Sie . hatten ihre schweren Panzer und Helme abgelegt und - saßen in bequemen Röcken im Kreise. Das eigentlich Mahl war schon vorbei. Nun begann die Hauptsache, das Gelage. Schwere Humpen wurden auf den Tisch gestellt, die auf Verlangen immer / wieder von bereit stehenden Knappen gefüllt werden . mußten. Der feurige Wein stieg den Rittern in die Köpfe, und sie aerieihen in die lebhafteste Stimmung. Sie erzählten sich gegenseitig ihre Heldenthaten, die sie . verübt, und je frecher eine war, desto größeren Beifall fand sie. Besonders Ritter Roberts Schilderung seines . Zweikampfes mit einem Juden erregte schallende , Heiterkeit. . „Diese Juden werden doch immer dreister," rief inan in der Runde, „es ist Zeit, daß man ihnen wieder die Köpfe scheert."— . : . ' Allmählich aber verflechten ihre Berichte. .Die, :: Zunge wurde ihnen zum Reden zu schwer. Aber ihr - Durst war noch lange nicht gelöschte 5 " In damaliger Zeit schied man nicht auseinander^ ' wenn man nichts mehr zu sprechen hatte. Man hatte? Mittel, sich zu unterhalten, ohne sich selbst anstrengen - zu müssen. Zu jedem Gelage wurde eine Anzahl.: fahrender Spielleuie herbeigezögen,^ diemit,d?r.Wge^. um die Schulter überall umherwanderten, um für ihri--^ Spiel sich das Brod zu verdienen./ Nach /diesen langte es nun die Ritter. ,/Einet/nach deig asiderM trat jvq in den Saal und erntetereichen Beifall-für den Holden. Gesang." Der^ohn^ Humpen voll funkelnden Weines.' .