Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 45 (8.6.1903)
- Date
- 1903-06-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Tokaj, 29. Mai. Gestern wurde hier ein v'vn oi'o s in solenner Weise gefeiert. Sämmtliche Talmudgelehrte unserer Gemeinde und mehrere aus der Umgebung versammelten sich um 7 Uhr Abends im Lehrhause, wo unser ehrw. Herr Oberrabb. A. S t r a ß e r einen längeren halachischen Vortrag hielt, kn welchem er auch dem althergebrachten Gebrauche gemäß das ibv pTi in geistvoller Weise erklärte. Nachher vereinigten sich die Mitglieder des a‘& Vereins zu einem Festmahle, an welchem auch viele geladene Gäste theilnahmen und viele nnn gesprochen wurden. Die Gesellschaft blieb in animirtester Stimmung bis nach Mitternacht zusammen, und wir verließen das Festlokal mit dem angenehmen Bewußtsein, einer wahrhaften nxo tzv» nrctp beigewohnt zu haben. S. W. S. Szombathelh (Ungarn), 18. Mai. Die hiesige Stadt, besonders die orthodoxe jüdische Gemeinde, hat einen großen Verlust zu beklagen. Am 17. d. Mts. verschied nach langem, schweren Leiden der sich hier so guten. Rufes erfreuende, in des Wortes wahrem Sinne religiöse Advokat Dr. L. S i n g e r s. A., dessen Name überall zu finden war, wo es galt, Elend zu lindern. Gutes zu thun und Edles zu fördern. Ein Mann in des Wortes vollster Bedeutung. Den Lehren seiner religiösen Vorfahren ist er bis zum Tode treu geblieben, ‘ und sein ganzes Thun und Lassen war nur seiner heil. Religion gewidmet. Heute gab man ihm sein letztes Geleite. Nach Tausenden zählte die Menge — darunter die Vornehmsten der Stadt ohne Unterschied der Konfession — die sich beim Leichenhause eingefunden haben, um dem Heimgegangenen die letzte Ehre zu erweisen. Am Grabe hielt unser ehrw. Herr Oberrabbiner eine schwungvolle Trauerrede, und er verstand es, zu den Herzen zu sprechen und entlockte den Zuhörern eine Fluth von Thronen. I. L—, Theolog. Literarisches. Der Deutsche Männergesang. Seine geschichtliche Entwicklung, den deutschen Sängern erzählt von Georg Schade. Cassel. A. Freyschmidt's V e r l a g (G. Dutegel). 1903. Vor uns liegt ein Werk, das besonders jetzt, da sich wieder Sänger aus allen Gauen Deutschlands zu den in Frankfurt a. M. unter dem Protektorate Sr. Maj.; des Deutschen Kaisers stattgefundenen friedlichen Wett- ' kämpfen zusammengefunden hatten, in allen Sangestreisen. vollen Anklang finden dürfte. Das Buch besteht aus drei Abschnitten. Der erste berichtet uns über die Ausübung des Gesanges in äl-;; Hefter Zeit, bestätigt durch die rege Theilnahme an den "'^''geistlichen Mesangett,' und die immer weitere Vervollkommnung des Kirchenliedes, welche Art des Gesanges zu höchster Vlüthe gedieh, bis gegen Ende des ^.Jahrhunderts durch die Nachwirkungen des Kriegs ein Stillstand eintrat. Der Verfasser geht dann über zur Begründung der deutschen Musikfeste durch Georg Friedr. Bischofs in Frankenhausen und bezeichnet als deren Folge die Bildung gemischter Chöre in ganz Deutschland, deren größter, nämlich die Berliner Singakademie, die erste Liedertafel in's Leben rief, die sich noch bis zur heutigen Zeit erhalten hat. Es folgten nun andre Städte in der Bildung von Liedertafeln, und um das Jahr 3 840 entstanden in allen großen und auch kleinen Städten des Reichs die Männer-Gefangvereine, die sich zum Hauptzwecke die Pflege des vierstimmigen Männerchors gestellt hatten. lieber den zweiten und dritten Theil des Werkes ausführlich zu berichten, wird uns zu weit führen. Es sei daher nur kurz bemerkt, daß solche in chronologischer Reihenfolge und interessanter Weise über Sängerfeste, den Sängerbund und last not least Gesangs-Wettsireitö eingehend berichten, so daß das Buch einem jeden Sänger und Musikfreund als willkommene Gabe erscheinen dürfte.__ Vermischtes JekaterinoSlaw. Die Arbeiter einer hiesigen großen Eifengutzstahl-Fabrik (etwa 1000» haben aus eigenem Antriebe ihren Chefs erklärt, daß sie für drei Monate zwei Prozent ihres Lohnes zu Gunsten der geschädigte» Juden in Kischinew geben wollen. Die Inhaber der Firma sind Christen. Feuilleton Jerusalem. Zssiftavifche NvILhluntz von Jsaae Breuer—Frankfurt a. M. n] Da überkam den Ritter heißes Entsetzen. Er holte zu einem gewaltigen Schlage aus. Die Schwerter fuhren zusammen und zerbrachen in Tausend Stücke. Im selben Momente aber streckte der Ritter den Inden mit mächtigem Faustschlag zu Boden, schwang sich auf sein Roß nnd jagte in wildem Galoppe von dannen. -Lang lag der Jude wie leblos. leidig strahlte der Mond auf ihn herab. Die Winde spielten mit seinem wilden Haare und fuhren heulend durch die mächtigen Zweige der Eiche. > e Endlich erwachte er mit schmerzendem Haupte aus seiner schweren Betäubung. Er erhob sich und schaute verwundert sich um. Er wußte nicht recht, wo er war. Da fiel sein Blick auf die glitzernden Schwertsplitter