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Der Israelit · 1903-06-08 · Heft 45 (8.6.1903) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 45 (8.6.1903)
Date
1903-06-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
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unmittelbar bevorstehende Gefahr zu denken; die einen bewaffnen sich, andere wieder ziehen weg und säen den Schrecken überall, wo sie im Lande hinkömmen. So erklärt es sich, daß am Tage des 23. Mai die Juden in Jaffy und Husch sich vorbereitet hatten, um den Banden Widerstand zu leisten, und wie es heißt, sind in Jassy alle Waffengeschäfte von den Juden geleert worden, welche sich für jede Eventualität bewaffnet hatten." Russland. Warschau, 4. Juni. Eine seltsame Versicherungsgesellschaft ist in Warschau in's Leben gerufen worden. Es handelt, sich 'darum, jüdischen Gymnasiasten eine Gewähr für ihre akademische Laufbahn zu schaffen. Nur ein kleiner Prozentsatz der Juden, die in Rußland Gymnasien besuchten, wird zum akademij schen Studium zugelassen, viele Abiturienten müssen jahrelang warten, bis eine Vakanz für einen Juden auf einer der russischen Universitäten frei wird, wenn sie es nicht vorziehen, in's Ausland zu gehen, oder überhaupt die Fortsetzung ihres Studiums aufzugeben. In Folge dessen sind Warschauer Juden auf den Gedanken gekommen, eine besondere Gesellschaft zur Versicherung solcher Glaubensgenossen zu gründen, die den Eintritt in höhere Lehranstalten nicht erlangen können. Jeder Schüler mosaischer Konfession soll während seines Verweilens im Gymnasium fünf.Rubel jährlich zahlen. Aus dem auf diese Art gesammelten Kapital sollen den Schülern, die auf russischen Universitäten keine Aufnahme finden, Unterstützungen zum Zwecke ihrer weiteren Ausbildung im Auslande ertheilt werden. Die Urheber des Planes haben sich mit einer Eingabe um Ertheilung.der Konzession für das eigenartige Unternehmen an die Regierung gewandt. Der traurige Entstehungsgrund, sowie der Zweck dieser Versicherung, die die Möglichkeit einer Flucht von Intelligenzen aus dem Vaterlande, das ihnen die Bildungsstätten verschließt, bietet, gehören wohl zu den kulturgeschichtlichen Merkwürdigkeiten unserer ^age. Uersonalien. ^cdcnburg, 29. Mai. Einen herben Verlust hat das orthodoxe Judenthum zu verzeichnen. Am -srn yb wurde Rabbiner Hirsch (allbekannt unter dem Namen der zweite pay» in Mattersdorf (Ungarn) zu Grabe getragen. Rabbiner Hirsch, ein würdiger Schüler des weltberühmten ".so vnn. einer von den Dm wirkte feit den sechziger Jahren als Rabbiner .in Wien XIV. Fünfhaus zum Ruhme des wahren Judenthums. Er war trotz seines hohen Alters — er erreichte das seltene Alter von 95 Jahren — beinahe bis zur letzten Stunde in seinem Rabbinatsamte thätig. Körperlich rüstig und vollkommen gesund und geistig frisch leitete er seine Gemeinde auf dem rechten Wege, ' bis er plötzlich seine reine Seele aushauchie. In Blitzesschnelle verbreitete sich die Trauerkunde in der Residenz, und von allen Stadtheilen eilten vornehme Persönlichkeiten herbei, um dem Verblichenen die letzte Ehre zu erweisen: Nicht nur Gesinnungsgenossen allein, sondern auch Vertretungen. Rabbiner und Vorstände mehrerer Gemeinden, die dem Fortschritt huldigen, sah man zahlreich vertreten. Der Vorstand und. die .wnp -an Verwaltung erklärten, dem Verewigten ein Ehrengrab erster Klasse zu widmen. Die Familienangehörigen lehnten aber düs ehrenhafte Anerbieten ab, da sie ihren thcuren Tobten nach Mattersdorf überführten, um ihn dortselbst zur ewigen Ruhe zu bestatten. Bevor der Leichenzug sich in Bewegung setzte, ergriff der greise Rabbiner Dr. A. S ch m i r d l das Wort, um einen warmen Nachruf dieser gefallenen Ceder zu widmen. Er schilderte das thatenreiche Leben und Wirken des großen Verblichenen. -- ' Eine unübersehbare Menge begleitete die Bahre, und über 200 Personen, an deren Spitze Rabbiner' Fürst von der Schiffschul, scheuten nicht die Mühe und fuhren nach Mattersdorf, um diesem Zadik die letzte Ehre zu erweisen. Am offenen Grabe sprachen rührend und ergreifend die Herren I. B. Ehrenfeld. Rabbiner in Mattersdors, Rabbinats-Assessor Jos. P r e tzb u r g e r, zwei Schwiegersöhne des Verstorbenen und ein Enkel. — Schreiber dieser Zeilen will hier bei dieser Gelegenheit das wertbe Lesepublikum, denen Vt nuon pwn fremd war, auf seine litterarische Thätigkeit aufmerksam machen. Er erschienen von ihm: na*« nww eine praktische Religionslehre. Dieselbe ist in vielen isr. orthod. Volksschulen 'eingeführt. Ferner n't nbv Trauerreden, brriL" rrnen ein vollständiger kurzgefaßter Eommentar auf die Bibel und uv» ir: (sechs Bände) enthält nahezu 600 mpvn eine Fundgrube von geistreichen halachischen Abhandlungen und gediegenen Reden, sehr geeignet für Rabbiner und Prediger. Endlich verließ die Presse erst dieser Tage - ein hübsches Werk vom sel. Autor unter dem Titel DvtMH vb*. Dasselbe enthält sehr treffende geist- und sinnreiche Gelegenheitsgedichte und verschiedene Betrachtungen. Das Buch bekundet, daß der Verfasser die hebräische Sprache mit einer besonderen Gewandheit beherrschte. Die Sprache ist bei ihrer Erhabenheit fließend und anziehend, und die überaus gediegen.*) Möge der en;e der verwaisten Gemeinde und den trauernden Zurückgebliebenen den ti nai aw beistehen lassen mns xnn thetwu' H. Horovitz, Religionslehrer?'" *) Die gediegenen Bücher sind unter Adresse: M.Hirsch. Wien Fiinfhnus xiv. Kauerhvs 7. Stiege zu billigen Preisen zu beziehen.

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