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Der Israelit · 1903-06-08 · Heft 45 (8.6.1903) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 45 (8.6.1903)
Date
1903-06-08
Page
– (sequence 4)
Language
German
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züchnet - hat. Sie bekämpfen daher in öffentlicher Versammlung den liberalen Kandidaten, Volksschullehrer Vey.hl, und wollen um jeden Preis dessen Wahl verhindern. Nachdem das öffentliche Auftreten Leinen 'Anklang fand, verfielen die Antisemiten auf die Taktik, in versteckter Weise Beyhl als den ihrigen zu reklämiren/ um durch Jrrführung der öffentlichen Meinung dem Kandidaten Beyhl die Stimmen der wirklich Liberalen, und insbesondere der isr. Wähler, zu entziehen, da er alsdann für die Stichwahl nicht mehr in Betracht kommen kann. Diese Zeilen sollen dazu dienen; diese antisemitische Taktik aufzudecken, nachdem wir auf Grund öffentlicher und privater, schriftlicher i und mündlicher Miiiheilungen auf das Bestimmteste versichern können, daß Lehrer Beyhl von jeher gegen'- jede Rassen- und Konfessionsverhetzung gewesen undentschieden gegen den Antisemitismus aufgetreten ist. Die Verleumdung, „Antisemit" zu sein, hat Beyhl in verschiedenen Zeitungen öffentlich zurückgewiesen. Mainstocktzeim. Zu Ihrem Berichte über das Hinscheiden des Herrn Benjamin Sonder sei zu dessen Ehre noch Folgendes bemerkt: Es wurde von'der Familie Sonder der zuständige Herr Distrikts-Rabbiner Bamberger aus Würzburg berufen, um eine Grabrede zu halten, welchem Wunsche auch dahier, bevor die Leiche nach dem Friedhofe Rödelsee abging, entsprochen wurde. Der Herr Rabbiner leitete seine Rede mit der Vibelstelle (es war 1.12 '*:&) bx v'x cnnßn w.rit ein und schilderte das edle, tugendhafte Leben des Dahingeschiedenen als tt pö*ja unter Anwendung verschiedener geeigneter Talmudstellen in ausführlichster Weise. Es hatte sich ein zahlreiches Publikum, auch von Andersgläubigen, nicht blos aus unserer Gemeinde, sondern aus der ganzen Umgegend, aus Kitzingen, Dettelbach etc. eingefunden. Oesterreich. Wien. Im österreichischen Parlament wird von allen Seiten gegen die Juden losgezogen. Zwar hat das Judengesetz des sattsam bekannten alldeutschen Antisemiten Herzog kein Mensch Ernst genommen. Auch sein Antrag, zur Vorberathung desselben einen Ausschuß einzusetzen, wurde mit großer Majorität abgelehnt. Das hat der Herr „bei der judenfreundlichen Mehrheit des Hauses" auch vorher gewußt, wie er sagte, und er bat nur noch um Zuweisung seines Antrages an den Verfassungsausschuß, d. h. um ein Begräbniß erster Klasse. Dieses ist ihm auch in der Sitzung vom 12. Mai zu Theil geworden. Sehr treffend hat dabei der Abgeordnete Daszynski die Ansicht ausgesprochen, daß der Antrag eigentlich für den — Sanitätsausschuß passe. - Viel schlimmer und gefährlicher war das Vorgehen des jungczechischen Abgeordneten Brzeznovsky, der unter Mißbrauch der Immunität und mit Zuhilfenahme des Mittels der Interpellation eine Proskription von 400 angeblich deutschen Geschäftsleuten Prags inszenirt hat, die sich als eine ganz gewöhnliche Judenhetze erwies, mit dem ausschließlichen Zweck, den jüdischen Handelsstand Prags zu boykottiren. Unter dem Schutze der Immunität wird diese Liste mit Namen und genauer Adresse nunmehr in vielen Tausenden von Exemplaren zu dem Zwecke verbreitet, — um auch bei künftigen Plünderungen gute Dienste zu leisten. Es ändert wenig, daß die Interpellation selbst im Jungczechenklub den Gegenstand der heftigsten Angriffe bildete. Einzelne Abgeordnete erklärten, man solle zwar gegen die Juden in der entschiedensten Weise Vorgehen, aber schlau, nicht öffentlich, weil angeblich die Juden gegenwärtig die Jungczechen bei Wahlen etc. unterstützen. An den Klub gelangte auch eine Reihe von Beschwerden aus jüdischen Kreisen. Die Philosemiten im Klub vertraten den Standpunkt, daß durch mannhaftes Auftreten gegen die Juden die Partei verläßliche Wähler abstoße, und beantragten, es mögen Versuche unternommen werden, die in der Interpellation genannten jüdischen Kaufleute zu versöhnen. Zu einem bestimmten Beschlüsse kam es aber natürlich nicht. England. London, 7. Juni. Die hier erscheinende deutsche Zeitung „Ueber Land und Meer" schreibt: Die Urheber des gegen die Juden aufhetzenden Plakats, das in Kischinew an den Mauern angeschlagen und zu Tausenden von der Polizei ausgetheilt worden war, sind nun in den Mönchen des griechisch-orthodoxen Klosters in Moskau ermittelt worden. Der Hetzaufruf wurde in der Druckerei der Heiligen Synode der griechisch-orthodoxen Kirche in St. Petersburg (d. h. der Staatskirche) hergestellt und von der Zensur paffirt und die Verbreitung bewilligt!. Rumänien. Bukarest, 4. Juni. Der „Adeverul" schreibt: „Aus dem Ministerium erhielten wir die Nachricht, daß im Lande antisemitische Agitationen gemacht werden, und daß die Negierung energische Maßregeln ergriffen habe; die Präfekten werden verständigt und persönlich für jede Ruhestörung verantwortlich gemacht. Bis hierher ist alles gut. Weiß aber der Herr Minister des Innern, wie die Präfekten und die Behörden im allgemeinen Vorgehen? In vielen Distrikten ruft der Präfekt die jüdischen Notablen und sagt ihnen sehr beunruhigt. sie sollten am Abend das Haus nicht verlassen. nicht im öffentlichen Garten spazieren gehen, da von einem Augenblick zum andern ein Gemetzel ausbrechen könne. Wenn diese angenehmen Nachrichten Leuten mitgetheilt werden, welche schon durch die Vorgänge in Kischinew in Schrecken gesetzt sind, so beginnen sie auf allerhand Gedanken zu kommen und an eine

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