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Der Israelit · 1903-06-08 · Heft 45 (8.6.1903) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 45 (8.6.1903)
Date
1903-06-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
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von unseren Prospekten Kenntniß nehmen zu wollen, und hossen, daß sie daraus Veranlassung nehmen werden, unseren Bestrebungen näher zu treten. „Viel hängt davon ab, daß die neue Gesellschaft möglichst bald in Aktion tritt." Jüdische Orient-Kolonisations-Gesellschaft. (Eing. Gen. m. b. H. zu Berlin.) (gez.) Dr. Franz Oppenheimer (Vorsitzender des Aufsichtsrathes; für den Vorstand: Louis Arisch, Davis T^-i«tsch. Frankfurt a. M., 3. Juni. Das jüngst hier gelegentlich des Schuljubiläums unter großem Beifall aufgeführte Scherzspiel „Babel und Bibel" ist nunmehr bei I. Kauffmann, Buchhandlung, hier. ' im Druck erschienen. Das Exemplar kostet 60 Pfennig. Delitzsch, Anna Rothe, der alte Vorjude Hammurabi, die Tiara des Saitaphernes und noch einige „rühmlichst bekannte" Persönlichkeiten tanzen in diesem Merkchen einen tollen, für Manchen vielleicht viel zu hohen Sprungtanz, und wem der Arzt Bewegung des Zwerchfells verordnet, der kaufe sich schnell das Büchlein, er wird durch dessen Lectüre Heilung finden. Der ewig junge Jude, der zuletzt aus dem ewigen alten Juden sich entpuppt, verwandelt den tollen Tanz in einen holden Reigen, und mit den Worten des Dichters legen wir das Heftchen aus der Hand: „Verbibelt und verkabelt, das ist des Sängers Ruhm." Das Büchlein ist nur in wenigen Exemplaren gedrückt. Eydt kühnen, 7. Juni. Anfangs voriger Woche weilte der General-Gouverneur von Warschau, von Tschertkosf. beim Gouverneur in Suwalki. Außer den Landräthen und Bürgermeistern ward die russische, katholische, evangelische und auch die jüdische Geistlichkeit vom General-Gouverneur in Audienz empfangen. Mit Bezug auf die Ausschreitungen gegen die Juden (welche auch in Kowno, Suwalki und Wilkowischken befürchtet wurden), meinte der General- Gouverneur: „Die russische Regierung werde alle Gewaltmaßregeln zur Unterdrückung derselben ergreifen", und — zu den ersten drei Geistlichen gewendet: „Die Geistlichkeit Rußlands werde für alle event. Krawalle gegen die Juden zur Verantwortung gezogen werden." Zu den beiden anwesenden Rabbinern, den Herren Katzenellenbogen und Seligm ann (Suwalki) sagte er: „Beruhigen Sie Ihr Volk, es soll ihm kein Leid geschehen!" Herr von Tschertkosf scheint ein sehr edel denkender Mann zu sein. Wenn alle russischen Gouverneure von solch humanen, Philanthropen Grundsätzen beseelt wären, dann würden die Judenmassacres grausigen Andenkens im Keime erstickt werden! Eduard S eg all. München, 2. Juni. In der „Orientalischen Gesellschaft" sprach dieser Tage Herr Oberrabbiner Dr. ..Werner über „Mohammed und das Judenthum". Auchdieser Abend .war durch die Anwesenheit des; Prinzen Ludwig ausgezeichnet. Der außergewöhnlich starken Zuhörerschaft gehörten u. a. Staatsminister Graf Crailsheim, sowie Rektor Magnificus Dr.' von Winckel an. Es sei ein ernstes Streben, führte der Vortragende aus, den geheimnißvollen Kräften nachzuspüren, die der großen Religion des Islam, zu der sich heute mehr als 176 Millionen bekennen, ihre Nahrung gespendet haben. Vor allem sei es das Judenthum, dem Mohammed eine Fülle von Ideen entnommen habe. Das Fundament des Islam sei in Arabien, selbst zu suchen, an den Stätten einer uralten Kultur. Der Koran sei vom Schicksal des Lebens seines Verfassers, der zugleich ein religiöser und sozialer Reformer gewesen, stark beeinflußt. Auch das Christenthum, das von Egypten durch Abyssinien nach Arabien gedrungen war, habe auf seine Gestalt veredelnd eingewirkk Mo-' hammed habe das neue Testament selbst nicht gekannt, aber einzelne Lehren seien wie ein Echo seinem Ohr erklungen. Die Bibel und die Schriften des späteren rabbinischen Judenthums hätten seine inbrünstige Sehnsucht nach Wahrheit gestillt. Die Spuren hiervon seien im Koran deutlich sichtbar. Von allem aus der Hagada, jener nie verwelkenden Blüthe hebräischer Poesie, sei manch liebliche Pflanze in den Koran hinübergegangen. Raum und Zeit hätten für seine glühende Phantasie ihre Bedeutung verloren. An tief sittlichem Gehalt könne sich der Koran nicht mit der Bibel vergleichen. Mohammed habe oft den Dichter mit dem Denker verwoben. Freilich sei eine Religion ohne Poesie wie ein Meeresspiegel ohne Sonnenglanz. Seine Dogmatik sei nur zum Theil ein selbstständiges Werk: Auch auf dem Gebiet der Pflichtenlehre habe er viel Edles der Bibel entlehnt. Nur das Jenseits, das der Koran vor Augen führe, sei von echt arabischem Geiste erfüllt. Mit Recht habe Lessing in seinem Nathan auch den Islam als Träger des Ringes bezeichnet, der sich segnend um die Menschheit schlinge. Wohl weise er Schlacken auf, aber er enthalte doch viel wunderbares Gold. Der Halbmond werde sich hoffentlich noch in einen Vollmond verwandeln und der große Allah mehr und mehr Licht verbreiten! — . Der schöne Vortrag, der stellenweise geradezu poetisch anmuthete, fand begeisterten Beifall. In einer kurzen Diskussion wurden die Anschauungen des Redners, besonders die Entlehnungsfrage., durch die Herren Graf Landsberg und Geheimrath Dr. Pruh stark bestritten. Der Vortragende wußte allen Einwendungen geschickt und humorvollzu begegnen. Würzbnrg, 4. Juni. (Antisemitische W a h l t a k t i k.) In Würzburg - ringen drei Parteien um das Reichstagsmandat: Centrum, Sozialdemokratie und die. vereinigten liberalen Parteien. Die Antisemiten sympathisieren natürlich mit ^dew '. Centrum, da dasselbe seine antisemitische Gesinnung im bayrischen Landtag durch den Antrag Heim gekenn-

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