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Der Israelit · 1903-06-04 · Heft 43-44 (4.6.1903) · page 27

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 43-44 (4.6.1903)
Date
1903-06-04
Page
– (sequence 27)
Language
German
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48 Referate erstattet, i. I. 1900 in',19 Konferenzen 61, endlich 1901 in 22 Jahresversammlungen' 67, zusammen innerhalb der drei Jahre 176 Referate. Ich bemerke wiederholt, daß hier jene des Verbandstages, \vk jene kleinerer, mehr lokaler Konferenzen nicht inbegriffen sind. Die Zahl der Referate ist in den drei Jahren in steigender Richtung zu beobachten, ein Beweis, dast mit der Quantität auch die Qualität Hand in Hand geht, dast durch die steigende Zahl der Vorträge deren Gediegenheit und innerer Gehalt nicht beeinträchtigt ward, beweist .das jeweilige Ergebnist der Diskussion, die dem Referate in der Regel gefolgt. Und lvenn die Diskussion sich oft recht lebhaft gestaltete, ia mitunter den Charakter der Erregung annahm, so zeugt dies nur löblich von der Thatsache, dast man mit Leib und Seele bei der Sache war und nicht unbesehen und kritiklos alles hinnehmen, möchte. Lesen wir in der „Uebersicht" die „Konferenzbeschliisse" -durch, so ist er sichtlich, dast man. mitunter zum angehörten Referate eine Resolution nicht, gefastt oder gar in gegentheiligen? beschlost. freilich war das selten der Fall, meistens nur dann, lvenn Referent und Korreferent in ihren Ausführungen auseinandergingen. Oft unterblieb die Diskussion der vorgerückten Zeit halber. Meistens ^aber fand die fleistige Arbeit der Referenten verdiente Anerkennung und Zustimmung. Welches war nun der Inhalt der Referate? Wenn wir den behandelten Gegenstand in's Auge fasten,-.so lasten sich die Themata in drei Gruppen zerlegen:;i) solche rein pädagogischen Inhalts, b) solche aus dem (Gebiete der allgemeinen (jüd.) Litteratur, r) andere, ivelche Vereins-, Berufs- und Standesfragen betreffen. Dast wohl -die erstgenannte Gruppe vorwiegt, dürfte ahne weiteres klar sein. So waren von den 48 Referaten des Jahres 1899 deren 32 pädagogisch-methodiüben Inhalts, 10 betrafen Berufs- und Vereinsfragen, fi gehörten der allgemeinen Litteratur an, * 1900 verteilten sich nach dieser Ordnung die 61 Referate in 36,!9 und 7, im Jahre 1901 die 67 Referate in 46, 20 .und 2. —- Es ist ganz naturgemäß, dast Pädagogik und Methodik in erster Reihe stehen, wie es auch einleuchtet, aast die Vereins- und Standesangelegenheiten hierauf zunächst folgen. Beide stehen annähernd im Verhältnis; von 2 : 1 zu einander. Die jüdischen Schulen, d. fr. Insbesondere die Religionsschulen, sind eben in methonscher Hinsicht noch ziemlich ein Brachfeld, das anzu- ’vnien der Lehrer Streben und Aufgabe bildet, und die ■refäre soziale Lage des Lebrerstandes führt unwill- ''Irlich hin zur Erörterung der Organisationsfrage, der Vereins- und Standesinteressen. Wie die Zahl der Referate beider Art darthut, sind die jüdischen -Ihrer allenthalben rührig an der Arbeit, eingedenk des Sprichwortes: Stillstand -- ist Rückschritt.; Das V e r b a n d s t h e m a pro 1899 lautete: ''welche Anforderungen sind an die jüdischen Lehrer und Lehrerbildungsanstalten zu stellen und müssen von beiden erfüllt merben? Es wurde in 12 Vereinen behandelt, elfmal/1899 und nachträglich 1900 noch in einem Vereine-^-.J'u Jahre 1900 wurde fron? Verbände zur allgemeinen Behandlung empfohlen: Soll die systematische Religionslehre in der*» Volks- und Religicnsschule als besonderer Unterrichtsgegenstand behandelt werden? Das Thema wurde 13 mal behandelt, i. Jahre 1900 zehnmal und 1901 noch dreimal. Für 1901 lautete die Aufgabe: Die Thätigkeii des Lehrers für kulturelle Bestrebungen innerhalb der Ju-' denheit, insbesondere für Erweckung des Interesses für Handwerk und Bodenkultur. Auch dieses Thema ward eitrig bearbeitet, im ganzen zwölfmal. Bedenkt man die vielseitige Behandlung des gleichen Stoffes, dazu meist durch Referent und Korreferent, so nst eine verschiedene Auffassung der Sache leicht erklärlich. Nicht selten, dast Referent und Korreferent sich tüchtig in den Haaren lagen. ' Das macht eben die Sache interessant, aus dem Widerstreit der Meinungen soll sich die W a h r fr e i t ringen. Vüo Gährung, da s Klärung. Wie die .Konferenzbeschlüsse zeigen,..nahmen die Vereine in solchen Fällen oft eine vermittelnde Stellung ein. Sämmtliche Verbandsthemata.sind wohl als glücklich gewählt zw bezeichnen, sie waren zeitg e m ä st und von allgemeinem, theils akutem In* tereste. Die Konferenzen erstreckten sich der Zeit nach über alle Monate des Jahres; doch ist besonders Frühling und Sommer bevorzugt, namentlich, die christlichen Pfingstfeiertage. .'Im Jahre 1899 fanden an diesen "Tagen allein uch0 Konferenzen ftaft, 1901 sechs Versammlungen, 1900 direkt nach Pfingsten sechs. Bon den 19 Versammlungen 1899 hatten sieben zwei aufeinanderfolaende Konferenztage, ,1900 tagten in gleicher Weise fünf Vereine, 1901 ebenso vier. Sonst erledigte man überall die Vereinsgeschäfte am ersten Tage. Run ist es zwar unbestreitbar, daß ein z w e i tägiger Aufenthglt in der Fremde Opfer an Zeit und Geld barstellt, jedenfalls kostet er mehr als ein e i ntägiger Aufenthalt. Indes bleibt es auch wahr, fräst man an zwei .Tagen mehr leisten ckann, als an einem einzigen. Wenn wir nun die Tagesordnungen mustern, so können wir uns des Gefühls nicht erwehren, dast gar manche überladen erscheint. Außer Begrüßung und Geschäftsbericht, außer, der notwendigen Mittagspause noch 4 oder gar 5 Referate — das ist zu viel. Es must auf Kosten der Gründlichkeit geschehen. Es verdient das ideale Streben, nach einer Jahrespause in kurzer.Zeit möglichst' viel zu bieten, ja alle Anerkennung! Allein auch ein ausgehungerter Magen darf des Guten nicht zu viel bekommen; Mer kann es nicht bewältigen, nicht verdauen. So mußten nicht selten Lehrproben ausfallen, Referate auf nächste Konferenzen verschoben, von Diskussion abgesehen wer-

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