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Der Israelit · 1903-06-04 · Heft 43-44 (4.6.1903) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 43-44 (4.6.1903)
Date
1903-06-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
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948 -willigte. Die Zahl der Schüler und Schülerinnen ist momentan 26, die sich aus verschiedenen Altersklassen Graden im profanen Schulunterricht zusammenfetzen. Umsomehr sind die hervorragenden Leistungen '- dieser Schule und die fortgesetzten Bemühungen ihres i Dirigenten, des Herrn Rabbiner Bamberger, immer höheren Zielen zuzustreben, anzuerkennen. Ihm zur Seite steht der wackere Schulvorsteher Herr Sally Hirsch jr. Aus dem Bericht mögen folgende Stellen hervorgehoben werden: „Allmählich denn, wie nicht anders zu erwarten, greift doch wieder das Bewußtsein durchdaß zur Erhaltung bezw. zur nothwendig erforderlichen Verfechtung des Judenthums, jedem Glaubensgenossen ein gewisser Grad jüdischen Wissens innewohnen muß." :... . Allerdings seht dieses auch ferner ein gemeinsames Zusammenwirken von Schule üpd.Haus voraus, damit nicht die mit Mühe den Schülern, beigebrachten Kenntnisse und die Begeisterung für jüdisches Leben und Wirken nutzlos sind. - H. B. Altona. Herr Ober-Rabbiner Dr. M. Lerner hat sich mit einem Rundschreiben an die Mitglie- . der der hochdeutschen Jsraeliten-Gemeinde gewendet uni! an üe die Aufforderung gerichtet, für die durch die antisemitischen Schandthaten in's Elend gerathenen Israeliten in Kischinew Gelder zu spenden. Dieser Aufforderung ist in so bedeutendem Maße Folge geleistet worden,-daß auch aus Altona eine beträchtliche Geldsumme.hat nach Kischinew gesandt werden können. Ehdtkuhner,, 31. Mai. Für die unglücklichen Opfer des Blutbades in Kischinew sind von der hiesigen jüdischen Gemeinde 300 Mk. gesammelt worden. Drei Mitglieder derselben haben ferner 200 Mk. zum selben Zwecke 'an den „Hilfsverein deutscher Juden" nach Berlin gesandt. Die nahen russischen Synagogen- Gemeinden Kibarty, Wilkovischken, Wirballen und Maryanpol haben auch jede über 200 Rubel für Kischinew gespendet. Eduard S eg all. Mnnche».' Die bevorstehenden Reichstagswahlen gaben den hiesigen Antisemiten Veranlassung, am Donnerstag. 28. Mai, eine „christlich-soziale" Versammlung zu inszenieren. Der Verlauf der Versammlung, zu der man gegen Erlegung von 20 Pfg. Eintrittsgeld gelangen konnte, gab ein recht drastisches, anschauliches Bild von der Zartfühligkeit, Menschlichkeit. und Ge.müthstiefe unserer Antisemiten. Zuerst betrat Glasermeister Wagner die Rednerbühne und las die. gedruckte vorliegenden Grundsätze des Parteiprogramms vor. gipfelnd in dem Prinzipe, mit Energie das „beschnittene und unbeschnittene Judenthum" bekämpfen zu wollen. Es ertönten ermunternde Zurufe, wie „Kischinew" etc. Ein vereinzelter ironisch „Bravo" rufender Teilnehmer mußte die Versammlung verlassen, weil seine Zurufe den „Redner" nervös . machten. Redakteur W e n g g kritisirte die deutsche Politik, die natürlich ganz im Dienste des Judenthums stehe. Seine Urtheile und Kritiken über Persönlichkeit und Handeln der Allerhöchsten Person des Kaisers mögen hier lieber nicht angeführt werden. Wengg's Rede wurde vielfach durch „Hundegebell" gestört. Als letzter Redner trat der ehemalige Gymnastalprofeffor, Benefiziat Schnepper auf. Er gab allerlei abgedroschene Phrasen und bombastische Redensarten über die ,^3erjudung" zum besten. Den Herren schwebt „Wien" mit seinem „Lueger" als Ideal, vor. Alles in allem hat die ganze Versammlung ein Resultat gezeigt, wie der ganze Antisemitismus in Deutschland im Niedergange sich befindet. Leute, die bei den heutigen Zeitläuften von Verjudung der Reichspolitik sprechen, die derartige Urtheile über höchste Persönlichkeiten fällen, die vielleicht gar nach einem deutschen „Kischinew" sich sehnen, können unmöglich verlangen, ernst genommen zu werden. A. Bamberg. Wie schon in Nr. 28/29 dieser Blätter berichtet wurde, geht die hiesige Kultusgemeinde mit dem Plane eines Synagogenneubaues um, und hatte zu diesem Zwecke ein Gesuch an die Stadtbauverwaliung um unengeltliche oder billigste Abgabe eines Bauplatzes gerichtet. Leider hat dieses Gesuch nicht das erwartete Entgegenkommen gefunden, wie aus nachfolgendem Berichte der „Bamberger Neuesten Nachrichten" über die Magistratssitzung vom 26. Mai ersichtlich ist: ..Nach Mittbeilung der israelit. Kultusgemeinde verzichtet dieselbe auf den von der Stadt verlangten Bauplatz an der Herzog-Maxstraße, da er in feiner Größe erstens nicht den Ansprüchen genügt, zweitens bei dem Preis von 350 Mk. pro Dezimale der Bauplatz auf 42.350 Mk. und mit den Straßenherstellungskosten auf über 50,600 Mk. zu stehen komme. Die Kultusgemeinde hatte aus mehr Entgegenkommen gehofft, wie dies in andern Städten auch der Fall ist, und wo die Städte sogar die Bauplätze schenkten. Nunmehr hat sie aber an einem städtischen Bauplatz mit so . hohen Forderungen überhaupt kein Interesse mehr und kann es möglich sein, daß das Projekt überhaupt fallen gelassen wird. Im Kollegium bedauert man. daß keine Einigung erzielt wurde, doch soll der Kultusgemeinde bereits weitest entgegengekommen worden sein,' da das Dezimale 550 Mk. Werth sei. wie dies der Verkauf der letzten Bauplätze gezeigt habe. ES wurde auch die Absicht bekannt, daß die Gemeinde nun ihre Synagoge in den Hof des Treumann'schen Anwesens, also als Hintergebäude aufzuführen gedenke, was natürlich sehr bedauert wird. Rechtsrath Wehr! will die Sache nochmal in die Hand nehmen, vielleicht läßt sich noch eine Einigung erzielen und wurde deßhalb die ganze Sache zur zweiten Lesung verwiesen." . Hoffentlich ist also in dieser Sache noch nicht das letzte Wort gesprochen.

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