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Der Israelit · 1903-06-04 · Heft 43-44 (4.6.1903) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 43-44 (4.6.1903)
Date
1903-06-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Charakter der Ausschreitungen und kehre mit Absicht die antisemitische Seite derselben hervor. In Wahrheit aber verfolgt die russische Regierung, ganz wie . jener Artikel der „Nationalzeitung", die entgegengesetzte Politik. Was der Artikel dieses Berliner Blattes „Die Wahrheit über Kischinew" nennt, war nichts Neues. Ganz dasselbe hat und auch unter demselben Titel der Organisator der Judenhetze in Kischinew, Herr Kruschewan, in seiner Petersburger Zeitung „Snamja" mit Erlaubniß der Zensur schon gedruckt. Dieser Kruschewan wird von der Zentralbehörde nicht nur nioralisch, sondern auch materiell unterstützt: er hat aus dem Geheimfonds 25,000 Rubel erhalten und neuerdings ist ihm auch noch ein Spezialkredit in der Staatsbank eröffnet worden. Dagegen sind anständige und wahrheitsliebende Blätter, die Zeitungen „Prawo", „Nowosti", „Woschod", „Wolyn" und die „Gerichtliche Rundschau" alle gemaßregelt worden, weil sie wahrheitsgetreue Berichte über die Vorgänge in Kischinew gebracht haben. Selbst Fürst Uchtomski hat einen persönlichen Verweis vom Minister Plehwe bekommen und wahrscheinlich wird ihm die Zeitung „Petersburgskija Wjedomosti" bald entzogen werden. Diese Blätter sind daher sehr zurückhaltend geworden in Besprechung der Vorgänge in Kischinew, während die antisemitischen Blätter ungestört weiterhetzen dürfen. Sie suchen jetzt im Bunde mit Plehwe die Massacres, die sie geschürt haben, als Ausbrüche einer allgemeinen revolutionären Bewegung hinzustellen: zu ihrer und der Regierung Entlastung und zur Rechtfertigung der Unterdrückung jeder freiheitlichen Bewegung. — Mittlerweile hat sich Herr von Plehwe dazu bequemt, auch der- „Snamja" eine kleine Verwarnung zu ertheilen. Der Minister empfing, wie der „Times" gemeldet wird, am 24. Mai die Deputation der Juden aus Kischinew, die der Regierung ihre Klagen vortragen wollten. Die Delegierten sollen von der großen Freundlichkeit des Ministers und von der Aufmerksamkeit, mit der dieser ihre Klagen und Bitten anhörte, außerordentlich angenehm berührt worden sein. Der Hauptinhalt des Verhandelten wird geheim gehalten, aber man erfährt doch, daß die Deputation dem Minister erklärte, es sei nothwendig, daß dieser in nicht mißzuverstehender Weise die Vorkommnisse und die antisemitische Agitation mißbillige. Die Devutaiion protesiirte ferner gegen die Veröffentlichung im „Regierungsboten", da durch dieselbe im Widerspruch mit den Thatsachen versucht werde, die Juden für die Vorkommnisse verantwortlich zu machen. Herr von Plehwe erklärte, daß er sich nicht in einer neuen Veröffentlichung widersvrechen könne, daß er aber versuchen werde, es durchaus klar zu machen, in wie hohem Maße die Regierung mit den Duldern von Kischinew slstnpathisire. Er erinnerte die Deputation daran, daß er den Gouverneur von Beffarabien und den Polizeichef bereits abgesetzt habe. Mehr könne man kaum vrrlangen. Die Delegierten wiesen ihrerseits darauf hist, daß unter den städtischen Beamten Männer seien, bet*&V. Verschulden noch größer wäre, als das des Gouverneurs, und sie sprachen die Hoffnung aus, daß der Minister den ganzen Beamtenstand in Kischinew einer eingehenden Veränderung unterziehen werde. Sie erklärten es auch für durchaus erforderlich, daß der antisemitischen Agitation der Presse entgegengetreten werde und erwähnten die Zeitungen „Snamja" und ..Bessa» rabetz" als die Hauptsönder in dieser Beziehung. Der Minister zeigte sich durchaus bereit, in diesem Punkte auf die Wünsche der Deputation einzugehen, und daß er bereits Maßnahmen in dieser Richtung getroffen hat, ist daraus ersichtlich, daß in dem offiziellen Böten vom 25. Mai die antisemitische Zeitung „Snamja" mit Ausnahme der für die festen Subskribenten bestimmten Exemplare, verboten wurde. Frankfurt a. M., 3. Juni.- Der Frankfurter Stadtbibliothek ist, wie uns der Direktor derselben, Herr Professor E b r a r d, mittheilt, .die Erwerbung der hervorragenden Abraham Merzbacher'schen hebräischen Bibliothek in München gelungen. Die erforderlichen bedeutenden Mittel wurden ausschließlich von Gönnern der Stadtbibliothek zur Verfügung gestellt. Die Bibliothek enthält etwa 160 Handschriften, darunter an zwanzig Pergamenthandschriften, zum Theil aus dem 13. und 14. Jahrhundert, von welchen mehrere künstlerisch ausgeführt und mit Malereien versehen sind; ferner 42 sog. Inkunabeln oder Wiegendrucke Xin der Zeit vor 1500 gedruckt) und eine fast vollständige Sammlung aller Talmud-Ausgaben und Responsenwerke; im Ganzen umfaßt sie etwa 6000 Bände. In? dem diese werthvolle Sammlung den früher gleichfalls meist durch Schenkung erworbenen Bibliotheken Fuld, Brüll, Berliner und von Rothschild hinzutritt, nimmt die Hebraica- und Judaica-Bibliothek unserer Stadtbibliothek jetzt überhaupt den ersten Rang auf dem Kontinent ein. Hamburg, 3. Juni. Herr Rabbiner S. B a m - b e r g e r zu Wandsbeck hat unlängst seinen ersten Bericht über die von ihm geleitete Religionsschule, mit Hinweis auf die im April ac. daselbst stattgefundene öffentliche Prüfung erscheinen lassen. Dieser Bericht würdigt zunächst die Verdienste seines Amtsvorgängers, des sel. Herrn Dr. Hanover, erwähnt des Provisoriums während dessen Krankheit und des In-- terregnums. Die Gemeinde unterhielt früher eine Elementarvolksschule, die sich aus dem Bedürfniß nach höherer Bildung nicht zu halten vermochte. Hingegen entwickelte sich die Religionsschule unter dem Schutze. der Königl. Regierung resp. des vom Kultusminister genehmigten Regulativs zu einet der vornehmsten Gemeindeinstitute. zu welchem auch die Stadtgemeinde eine zehnjährige Subvention von Mk. 300 p. ä. be- "

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