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Der Israelit · 1903-03-26 · Heft 24 (26.3.1903) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 24 (26.3.1903)
Date
1903-03-26
Page
– (sequence 10)
Language
German
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530 Hanger Luegers, wahrend Ne Alldeutschen in's Hintertreffen'geriethen, hauptsächlich wegen des Krachs in dm eigenen Reihen, hervorgerufen durch die Affaire Wolf/ Ist dieser „nationale" Heros auch nicht ganz zerschmettert worden, so hat die Angelegenheit doch eine vortreffliche Illustration zu der antisemitischen Parole: „Durch Reinheit zur Einheit" geliefert. Es soll nicht-verschwiegen werden, daß hier und da eine gewisse Depression, eine gewisse Mutlosigkeit Platz greift. In Zuschriften an uns wird darauf hingewiesen, daß Man sich — so lange die jüdischen Mitbürger von dem Genuß der ihnen verfassungsmäßig garantirten Rechte ihatsächlich ausgeschlossen werden, und ihnen eine ganze Reihe von Aemtern und Würden unzugänglich bleiben — von einer noch so kräftigen Aktion gegen den Radauantisemit ismus keinen Erfolg versprechen könne. Während in England zum fünften Male ein Jude zum Oberhaupt der ersten Stadt des Reiches erkoren worden sei, Frankreich'trotz der Dreyfus'affaire Hunderte von aktiven jüdischen Offizieren aufweise, Italien gar einen jüdischen Kriegsminister erhalten habe, gebe es bei uns überhaupt keinen jüdischen Offizier, und selbst als Schöffen und Geschworene seien Juden nicht gut genug. So sehe es mit der angeblichen „Verjudung" in Deutschland aus. Da sei es am gescheitesten, zu Hause zu bleiben und das Weitere in Geduld abzuwarten. : So begründet diese Klagen auch find, so verkehrt ist der hier vertretene Standpunkt der Resignation. Jede — auch die geringfügigste — Eindämmung der antisemitischen Propaganda dient dazu, den antisemitischen Strömungen in den leitenden Kreisen das Wasser abzugraben. Nichts eignet sich aber für diesen Zweck mehr, als die Fernhaliung der Antisemiten von äen parlamentarischen Körperschaften. Darum frisch' an die Arbeit! Mögen unsere Freunde nach dem Vorbilde der uns durch den Tod entrissenen Führer ihre Schuldigkeit thun. Mögen sie ihr Scherflein beitragen zur Deckung der Kriegskosten und für antisemiienfeindliche, Kandidaten ihre Kräfte zur Verfügung stellen, damit das neue Jahr ein für die gute Sache erfreuliches Wahljahrwerde! - Frankfurt a. M., 24. März. Wir kommen heute auf den in vor. Nummer kurz erwähnten Vortrag des Herrn Prof. Barth- Berlin über „Monotheismus und die Ausgrabungen", gehalten in der hiesigen „Jü- Msch-Litterarischen Gesellschaft", zurück. Herr Prof. Barth hob hervor, daß die von Prof. Delitzsch in seinem Vorträge mit so großer Emphase ausgeführten Darlegungen der alttestamentlichen Exegese durch die.Assyriologie für den Fachmann nichts Neues brächten, daß z. B. der Raum als Wildochse den -Forschern längst bekannt gewesen sei, daß insbesondere e uch die in dem. friiheren Vortrag erwähnten, mit „El" zusammengesetzten Personennamen der nordsemitischen Beduinen, deren Veröffentlichung nach Delitzsch „geradezu bestürzend" gewirkt habe, den Kennern nichts weniger als Bestürzung verursacht hätten. Denn dieselben Zusammensetzungen kommen auch bei anderen Völkern, wie Phöniziern und Arabern vor, die unbestrittene Polytheisten gewesen sind. Die Folgerungen, die Delitzsch bezüglich des Prioritätsrechts der Babylonier an dem Monotheismus daran knüpfte, seien also gänzlich unhaltbar. Für die Frage des Monotheismus komme es aber überhaupt in erster Linie nicht auf den Gleichklang der Namen an, sondern auf den Begriff, den man damit verband, und in dieser Beziehung stehe der sittliche Monotheismus Israels trotz aller Angriffe einzig da. Der Redner stellte dann den ethischen Vorschriften der Bibel, wie „Den Fremdling sollst Du nicht kränken und nicht bedrücken," „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst" u. s. w., die Gesetze Hammurabis entgegen, in welchen von solcher Ethik keine Spur zu finden sei. Während in diesen Gesetzen demjenigen, ver seinen Vater schlägt, die Hand abgehauen werden soll (von der -Mutter ist überhaupt nicht die Rede), heißt es im A. T.: „Wer Vater und Mutter schlägt, soll sterben." Damit ist auch die einseitige Art gekennzeichnet, wie Delitzsch die Stellung der. Frau in der Bibel gegenüber den babylonischen Anschauungen hierüber beurtheilt. Wie falsch Delitzsch dieselbe darsteüt,' wenn er sagt, die Frau würde im A. T. nur als „werthvolle Arbeitskraft" behandelt, erhellt schon daraus, daß die Propheten das Verhältniß Gottes zu Israel mit Vorliebe unter dem Bilde der Ehe darstellen. Daß'im A. T. kaum ein Mädchenname zu finden sei, der, wie dies bei Knaben häufig der Fall ist. den Dank gegen Gott für die Ekburt des Kindes ausdrücke, widerlegte der Redner durch zahlreiche Beispiele. Auch die Fabel von dem partikularistischen Nationalgeist Israels wies er zurück, indem er insbesondere auf das Gebet Salomos bei der Einweihung des Tempels hinwies, wo dieser bittet, daß auch das Gebet des Fremden, der nicht zu Israel gehört, dort Erhörung finden möge, und auf die Weissagung des Proph. Jesaias: „Und ich werde sie bringen nach meinem heiligen Berge und sie erfreuen in meinem Bethause, ihre Ganzopfer und ihre Mahlopfer werden zum Wohlgefallen sein auf meinem Altäre, denn mein Haus wird ein Bethaus genannt werden für alle Völker." — Es ist unmöglich, in einem kurzen Referat auch nur andeutungsweise den reichen Inhalt des meisterhaften Vortrags zu schildern, der auf das äußerst zahlreiche Publikum einen tiefen Eindruck machte.. Hamburg, 22. März. Die von Herrn L. A. in M. (Nr. 12) angeschnittene ary Angelegenheit hielt ich mit meiner kurzen Berichtigung (Nr. 17) und dessen Duplik (Nr. 19) insoweit für erledigt, als ich keine Veranlassung fand, nochmals darauf zu erwidern;'indem ich ja nur die Absicht gehabt, die hier seit Jahren

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