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Der Israelit · 1903-03-26 · Heft 24 (26.3.1903) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 24 (26.3.1903)
Date
1903-03-26
Page
– (sequence 9)
Language
German
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iWWWKg, GrAe Anlage zu 24 des „ U jcttungsttachrichte« und Korrespondenzen. Deutschland. Mai«zJ>19. März. Wie uns mitgetheilt wird, hot sich eine Firma We. Kellenbenz, Stuttgarts Vniseruenstraße 27, erlaubt, in einem an ihren Kunden ,!i-richteten Briefe, mit dem sie geschäftliche Differenzen iv.itc, antisemitische Schmähungen und Redensarten vom Stapel zu lassen. Glaubensgenossen seren daher einer Berbindung mit dieser Firma gewarnt. Frankfurt a. M. 25. März. Der „Verein zur .Wwehr des Antisemitismus" versendet an seine Mit- >Gwer das folgende Rundschreiben: „In Folge des schmerzlichen Verlustes,' den der ./'örein zur Abwehr des Antisemitismus" am Schlüsse ü; vergangenen Jahres durch das Hinscheiden , seines langjährigen Vorsitzenden 'und seines langjährigen Sdatzmeister. der Herren Abg. Heinrich Rickert und t'eniv Jordan, erlitten hat, war die Vorstandssnmlg unseres Vereins leider etwas verzögert worden. Wir geben Ihnen nunmehr davon Kenntniß, daß in der am 8. Februar stattgehabten V o r st a n d s Sitzung Herr Land- und Reichstagsabgeordneter D'vodor Barth als erster Vorsitzender^ Herr Geh. Bvurath ci; D. Wilhelm Benoit ^ils Schatzmeister oo- Vereins gewählt worden sind. In dieser Versammung ist 'natürlich eingehend über oic Gestaltung der Thätigkeit des Vereins im laufenden 0-! re gesprochen^worden, das. um so mehr, als das O-Wr l'9<)-3 beianntluh ein Wahljahr ist, und vorausnäulich schon im Juni die Neuwahlen zum Reichstage, iv Herbst die Wahlen^zum. preußischen Abgeordnetenl-' fc erfolgen. * , Die Antisemiten gehen, wie schon jetzt seststeht, mit i'lg.cr gegen früher tvesentlich erweiterten Angriffsfront naen diesjährigen Wahlkampf. Sie tverden bei dieser -Dibl in weit höherem Grade die. Unterstützung des.. ..Bundes der Landwirthe" genießen, als bei den frühem 1 ru'. Wahlen. Schon jetzt haben beide Parteien in einer ^i' che von Wahlkreisen, in denen die Antisemiten bisher ' ilkisch noch nicht hervorgeireten sind, gemeinsame wnididaten aufgestelh.. Es wird also seitens der Gegder Antisemiten in diesen Wahlkreisen einer ganz e'heblich. .verstärkten Agitation bedürfen, um die An- Güfe mt.Erfolg abzuschlagen. Die'Position der Antisemiten in dem diesjährigen t ^blkampfe wird auch dadurch noch erheblich verstärkt,, ihnen jetzt vielfach die reichen Agitationsmittel des „Bundes der Landwirthe" zur Verfügung stehen, der feine Beiträge für das lausende Jahr bekanntlich verdoppelt hat. Selbstverständlich gehören zu den von uns zu bekämpfenden Kandidaten auch jene Konservativen, die seit einem Dezennium Km Antisemitismus Ausdrücklich auf ihre Fahne geschrieben haben. Wir lassen einen Rückblick auf das vergangene und einen Ausblick auf das neue Jahr folgen und sind im Uebrigen jel^rzeib bereit, über die Thätigkeit des Vereins weitere mündliche Auskunft zu ertheilen. Ties eingreifende Umwälzungen und Ueberraschungen. hat die antisemitische Bewegung im vergangenen Jahre nicht gebracht. Daß . der offene und latente »Antisemitismus, wie er im gesellschaftlichen und geschäftlichen Leben und auf anderen Gebieten sich bethätigt, wieder die seltsamsten Früchte gezeitigt, dafür sind weitere Beweise erbracht worden, und wir haben es an der erforderlichen Kennzeichnung nicht fehlen lassen. Was den politischen Antisemitismus betrifft, dessen Bekämpfung das hauptsächlichste Ziel unserer Bestrebungen ist, so stand im Vordergründe des Interesses der ' große Prozeß gegen hie ^.Staatsbürger- Zeitung" in Sachen der KonitzeLWdrdaffaire. Obwohl er das darüber lagernde DcMel leider nicht aufzuhellen vermochte, hatten der Verlauf und Ausgang des Prozesses doch das Gute, daß aller Welt ein Einblick in. die Zentralwerkstatt der antisemitischen Demagogie verschafft wurde, wie es kaum, je vorher möglich gewesen ist. Die traurigen Helden des Dramas und ihre Genossen im Lande ließen sich allerdings nicht beirren und fegten ihre gewissenlose Hetze fort, wobei Gottvertrauen und patriotische Gesinnung ihnen als mildernde Umstände von Gerichtswegen zuerkannt werden. In den Parlamenten, sowohl im Reichstag, wie in den Einzellandtagen, haben die Antisemiten an Einfluß nicht gewonnen. Bei den Wahlen zum. Hessischen Landtag gelang es ihnen, ihren Besitzstand zu behaupten, wenn auch die Wahl eines jüdischen Abgeordneten . ihnen die Freud« an dem Siege etwas vergöllt haben mag. Bei der einzigen Reichtagsersatzrvahl, an der die Antisemiten betheiligt waren, derjenigen in Schaumiburg-Lippe, zogen sie sich eine Niederlage zu, ebenso scheiterte ihr Versuch, bei den Gemeindewahlen in München mtdf> nur ein einziges Mandat zu erobern. Unseren Antisemiten schwebt als erstrebenswerthes Ziel der Triumph ihrer Gesinnungsgenossen in Oesterreich vor, die bei den jüngsten Wahlen zttm-Reichsrath und zum niederösterreichischen Landtag wieder sehr gut abgeschnittkn haben. Es waren das zumeist die An-

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