Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 24 (26.3.1903)
- Date
- 1903-03-26
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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der Sie bei Feiwel Schick Hauslehrer waren? Erinnern Sie sich des Findlings nicht mehr, für den Sie einmal den weiten Weg an die ruffische Grenze machten und unverrichteter Sache wieder zuriicktehren mußten?" Teitelbaum stand wie vom Blitz getroffen da; es dauerte eine geraume Zeit, bis er die Sprache wieder finden tonnte. Baron von Storff fürchtete, daß die Frau Baronin ihr Mittagsschläfchen beendet haben tönne, bevor er mit Teitelbaum zu Ende war, und ging daher, nachdem die ersten Aeußerungen des Erstaunens vorüber, direkt auf sein Ziel los. „Wo sind meine Pslegeeltern? Wo ist Joseph? Wo sind meine anderen Geschwister?" fragte in heftiger Erregung der Baron. „Ich weiß es nicht," entgegneic der Gefragte. „Bor etwa vier Jahren war die ganze Familie bei mir. exislenzlos, beunathlos, in bitterer Armuth; sie schrieben mir auch von Zeit zu Zeit, aber feit längerer Zeit habe ich keine Nachricht mehr von ihnen erhalten." Abraham von Korsf seufzte tief auf; er nahm aus seinem Portefeuille noch vier Hundertguldenscheine und legte sie in das für Teitelbaum bestimmte Kouvert. „Herr Teitelbaum, Sie können mir einen großen Gefallen thun, für den ich lebenslänglich dankbar sein werde. Gehen Sie sofort nach Schabbos auf die Reist und suchen Sie meine Pflegeeltern auf. Ich gebe Ihnen statt 600 Gulden jetzt 1000 für Ihre Ausgaben und die Versorgung Ihrer Familie für die Dauer Ihrer Abtvesenheit. Dieselbe Summe zahle ich Ihnen, wenn ich meine Lieben durch Ihre Vermittlung wieder gefunden habe. Hier haben Sie außerdem meine Visitenkarte mit meiner Adresse; schreiben oder telegraphiren Sie mir. sobald Sie eine Spur gefunden haben. Wollen Sie mir diesen Gefallen thun?" „S-e machen mich zum glücklichsten Menschen." eutgegnetc Teitelbaum, „aber so viel Gelb; ich gebrauche gewiß nicht die Hälfte." „Wir werden das später verrechnen, wenn ich Ihnen das zweite Taufend zahle," entgegnete herzlich der Baron, „sehen Sie nur zu, daß ich es Ihnen recht bald schuldig werde." „Aber Herr Baron," bemerkte zögernd Teitelburnn, „ich kann ja nicht lesen und nicht schreiben, wie sollte ich mich mit Ihnen in Verbindung fetzen können?" „Das hat gar nichts zu sagen," beschwichtigte der Baron, „Sie schreiben mir mit jüdischen Schriftzeichen, unv Adressen schreibe ich Ihnen einige vorrathig. Es wird sich für Geld und gute Werte schon eine mitleidige Seele finden, die Ihnen eine Deprsche aufsetzt. falls es nöthig ist. Warten Sie nur einen Augenblick, ich schreibe Ihnen die Adressen und, wem» Sie jetzt gehen, können Sie mir auch noch einen Brief in den Kasten werfen." Der Baron schrieb an Pater Firmian. daß er Teitelbaum mit der Auffuchrmg der Pflegeeltern beauftragt habe und daß etwa darüber eintreffende Berichte Teitelbailms ihm auf die Reife nachgeschickt werden sollen. Er übergab dann den Brief Teitelbaum zur Besorgung. „Es geht stark auf Schabbos; ich will Sie daher nicht länger, als nothwendig, aufhalten. Ich wünsche Ihnen gut Schabbos und glückliche Reise, und hoffe, recht bald etwas von Ihnen zu hören." Herr Teitelbaum verabschiedete sich mit allen möglichen und unmöglichen Kratzfüßen. Er meinte, es sei alles ein Traum, ein Märchen. Aber der Brief, den er zur Besorgung in der Hand und die tausend Gulden, die er in der linken Rocktasche auf dem Herzen ruhen hatte, überzeugten ihn. daß alles greifbare, tatsächliche Mrklichkeit war. (Fortsetzung folgt.) Der „Israelis" erscheint wöchentlich zweimal, Montags nud Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 8 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjährlich. halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Dev Buchhandel verkehrt durch V. j$, Slrinacker. Leimig, Notzplah j6. — Inserate 25 Pfennig die viergefpalrene Ronpareillezelle oder deren Raum. Preis der Zelle im Reclametheil 75 Pfennig. — Direkte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder >« Kronen österr.. fur's Ausland l« Mark, an die Expedition franco elnsenden. Postzeitungsliste 3832 Telephon 1015. Stellcsuchende und sonstige Interessenten können auf Wunsch die jeden Dienstag und Freitag erscheinende „Kleine Ausgabe des Israelit" vier Wochen lang gratis und franco erhalten. Wünscht man den Empfang der ..kleinen Ausgabe" längere Zeit, so kann man sich für 25 Pfennige daS Vierteljahr, indeß ausschließlich bei der Post auf dieselbe unter Nr. $98$ abomüren. Ans Wunsch stunden wir die Zahlung deS JufertionSbetragS an nutzer Stelle Befindliche -iS nach - - _Erlangung einer solchen. _ Inhalt (Hauytbla<1): Haunnurabigeletz Tbora und Talmud. — Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Berlin. * "7. Hannover. Lübeck. Bad Orb. — Feuilleton: Der Findling (Fortseim,cg.) Mainz. Frankfurt a. M. Hamburg. Aus Frankfurt a. M. --— _— ... Anhalt d«r «rsten Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Bayern. Frankreich: Paris. Anhalt der «wette» Beilaae. Litterarischcr Bericht.— Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Oesterreich: Wien. Ungarn: Pest. Amerika: Washington. velletristische Beilage: Datz Monopol (Schluß.) Verantwortliche Redaction: OScar Leh mann in Mainz — Expedition de» ^Israelit". Schottstraße Nr. L Mainz. Druck und Verlag der Aoh. WirLd'tÄe Holvuchvrvckeret Actien-Gelellschalt in Mainz. Hte-Uz drei R-Usgev.