Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 24 (26.3.1903)
- Date
- 1903-03-26
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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bor, aber er war wohlthätiger als mancher wirklich Reiche; nicht durch profane Gelehrsamkeit, Kunstsinn oder kommerzielle Stellung, aber er überragte die Meisten durch selten große Hingabe an n*myi nun.' Schon in seinen jungen Jahren zählte er zu den und blieb es auch im Alter, bis er nun, 72 Jahre alt, gleichsam "i.np'VZA, ohne Schmerzenslager, plötzlich abberufen tvard. Seine Biederkeit, Rechtlichkeit, stete Liebenswürdigkeit und sein Streben spm e&t? 2n rr aHe» machten ihn zum Mustervorbild der ganzen Gemeinde, deren Kind er war, da er einer frommen, achtbaren Moislinger Familie entstammt. Tagtäglich hatte er seinen *>w und obschon er in seiner Jugend keine Gelegenheit zum „Lernen" hatte, sondern erst als vielbeschäftigter Geschäftsmann und Familienvater vor etwa 30 Jahren zu lernen anfing, es doch noch so weit gebracht, daß unser verehrter Herr Rabbiner ihm vor einigen Jahren den Chower-Titel verleihen konnte. Die Bethätigung der .naxa nbsn msa war bek ihm einzig in ihrer Art. Da gab es kein nruw nnn» wo Herr Mannheims Sommer wie Winter, nicht der Ersten Einer in.der Synagoge war. Selbst in den letzten Jahren, wo ihm die zur Besorgung.seiner Lotterie- Loose erforderlichen Wege 'immer beschwerlicher wurden, machte er nicht nur oft in der.'Frühe, sofort nach „Schul", ohne etwas genossen zu haben,, weite Geschäftsgänge, sondern er unterließ auch, wenn er einen Kunden in entfernter Vorstadt ausgesucht hatte und' 'bic Zeit zu Mincha herangekommen war, den Besuch bei dem nebenan wohnenden Kunden, aus Angst, sich in „Schul" zu verspäten, und legte lieber nach Mincha den ganzen Weg nochmals zurück^ Man mußte sein jinj gesehen haben, das er bei der Ausübung jeder noch so kleinen Mizwa empfand, um zu begreifen, daß sein Eifer anregend wirkte. Dab'ei war er noch n'ren byz Vw Nv'2 gehörte der Gemeinde-Verwaltung und vielen wohlthätigen Vereinen an, und wo es und unserer Heiligen Sache galt. War Herr Mannheim der erste und letzte ganze Mann am Platze! Welch' Wunder, daß die m1? Zeugniß ablegte von der Beehrung und Liebe, die ihm allseitig gezollt ward. Im Trauerhause hatte unser allverehrter Herr Rabbiner Dr. - Carlebach in. herzergreifenden Worten dem Schmerze über den Verlust, den wir erlitten, Ausdruck gegeben. Unter Zugrundelegung des pias — 'ui - mp schilderte der Redner in allen Einzelheiten des Verstorbenen Tugenden und Eigenschaften. .Kein Auge blieb thränenleer, als Nach seinem meisterhaften und eindrucksvollen Hesped unser Rav Abschied nahm von .seinem Freunde, die Angehörigen tröstete und Ms .ermahnte, darnach zu streben, diesem Manns rs-'gkW zu'thun..? ' *“ ' Unter strömendem Regen setzte sich der Träuerzüg in Bewegung und machte in der Stad! einen Umweg, um an „Schul" vorbeizügehen. Vesser und symbolischer konnte die Gemeinde den Entschlafenen nicht ehren, als j ihn auf seinem letzten Gang noch einmal dort vorüber zu geleiten, wohin er so oft und so gerne gegangen. Noch' eine Stunde später, und trauernd verließen wir das n'2, wohin wir einen unserer besten Männer ge- , tragen. S. C. Bad Orb, 22. März. Unser Kultusvorstand, Herr Max Lichtenstädter, wurde zum Schieds-' richter des ersten Bezirks hiesiger Stadt gewählt. . Es. ist dies ein neuer Beweis, welches friedliche Einverneh- .. men unter den ' verschiedenen Konfessionen unseres Ortes besteht, und welcher allgemeinen Beliebheit sich unser Vorstand erfreut, der bereits seit Jahren auch das Amt eines Stadtverordneten begleitet. S. G.. '' F in i 11 e t o tt Von Noöevt Känkein. i2* Unser Pärchen hatte noch kaum Zeit, sich umzu- . drehen, als Teitelbaum schon neben ihm stäno und dem Baron das Portefeuille hinreichte. „Wahrhaftig." sagte Kathinka von Korff auf französisch, „das ist die Brieftasche, die ich Dir als Braut gestickt habe. Du hast doch gewiß unsere ganze Reife- . baarschaft darin? Wirklich ein ehrlicher Jude." „Vesten Dank, mein Herr," erwiderte freundlich .; Baron von Korff. „Sie haben mir einen großen Dienst durch Zurückgabe dieses Portefeuilles erwiesen, und : haben Anspruch auf den Finderlohn." Inzwischen sammelte sich eine Menge Passanten um die kleine Gruppe, und der Baron benützte diesen Umstand für seine Zwecke. . » „Ich bedauere, daß ich Ihnen hier auf offener Straße nicht meine Erkenntlichkeit ausdrücken. kann," . bemerkte er. „Sie haben vielleicht die Güte, mir Ihren ' Namen und Ihre Wohnung zu nennen, ich werde Sie . dann aufsuchen. Mein Name ist Baron von Korff; ich wohne im Hotel de Russie, für den Fall, daß Sie es vorziehen, mich dort aufzusuchen." „Mein Name ist Teitelbaum," erwiderte der Ange- , redete; „der Herr Baron brauchen sich wegen einer fob : chen Kleinigkeit nicht in meine Wohnung zu bemühen. Wenn Sie mir dagegen eine Stunde bestimmen: wollen; . spreche ich gerne im Hotel vor,".' / „Gut denn, ich erwarte Sie also heute Nachmittag um drei Uhr. Lassen Sie sich nur auf Zlmmer Nr. 10. - führen; ich werde übrigens im Hotel schon die nöthigem Ordres geben." _ ‘ - I -!i