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Der Israelit · 1903-03-23 · Heft 23 (23.3.1903) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 23 (23.3.1903)
Date
1903-03-23
Page
– (sequence 11)
Language
German
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. 511 der Midraschim. Der. Redner spricht dann über das VerhLltniß zwischen Sprachen und Vorstellung in Beziehung auf die babylonische Forschung und führt eine Reihe sehr interessanter Beispiele an' Redner geht alsdann im Speziellen auf die von Dr. Hugo Winckler herausgegebene Gesetzessammlung Hammurabis ein, die er als überaus lesenswerth empfiehlt. Gerade aus dieser Sammlung gehe hervor, daß die Gesetze Hammurabis ihrem ethischen Gehalte nach in keiner Weise mit Moses verglichen werden können. Redner liest einzelne Theile vor, insbesondere die lehrreichen Worte zur Einleitung und am Schlüsse der Gesetze. An dieser Stelle sei nur Folgendes erwähnt. § 229 lautet: „Wenn ein Baumeister für Jemand ein Haus baut und es nicht fest ausführt, und das Haus stürzt ein und schlägt den Eigenthümer todt, so soll jener Baumeister getödtet werden; und 8 230: wenn es den Sohn des Eigenthümers todtschlägt, so soll der Sohn jenes Baumeisters getödtet werden. Wo ist.'da die ausgleichende Gerechtigkeit, wo ist da. der biblische, mosaische Standpunkt? Hammurabi hat seine. Weisheit von Marduk. Sie ist auch danach. Diesen Marduk lernen wir kennen'in Delitzsch-„Babel und Bibel" (S. 32 und 33, 2. Ausl., erster Vortrag). Aus anderen Stellen ist erwiesen, daß die Mythen Babylons eine weit höhere Kulturstufe vertreten, als die Gesetze des Landes, nicht einmal Hammurabi ist im Einklänge mit der Ethik der Mythen; daraus geht auch für solche, die nicht bibelkundig sind, hervor, daß die Mythen eben eine Verarbeitung der ersten, ältesten, auch in der Bibel erwähnten Traditionen sind. Die Fassungder Bibel ist das Ursprüngliche, das Babylonische sekundär. Im Uebrigen verweist der Redner auf seine Schrift „Reflexionen über Babel und Bibel." Redner-ist nicht erstaunt über die Anklänge an das Judenthum, die sich finden, sondern im Gegentheil, daß so wenig gefunden wird. Der Sabbat im besonderen war ursprünglich ein Weltensabbat der Schöpfung. Widersprüche betreffs des Sintflutberichtes, wie Delitzsch dieses S. 31. seines ersten Vortrages (2. Auflage) konstatiren will, sind durch die rabbinische Litteratur glänzend widerlegt, wie dies in dem obigen Buche erwähnt ist. Was die äußeren Uebereinstimmungen betr. Fassung der Gesetze anbelangt, was das Münz-, Maß- und Gewichtssystem angeht, so hat das absolut keiüe Bedeutung. Eine neue Sprache ward Israel am Sinai nicht gegeben, davon, sowie daß neue Gewichte eingefllhrt werden . sollen, steht ebenfalls nichts in der Bibel. Im Uebrigen seien wir den Assyriologen von. Herzen dankbar für die vielen Bestätigungen, welche die Bibel durch „Babel und Bibel" gefunden, wie Delitzsch selbst das Volten Begeisterung verkünde. Delitzsch sei Boeder Antisemit, noch ein Bibelfeind. Eine große ‘ Zahl von Oertlichkeiten und Personen, die von solchen Krittlern, welche nicht auf dem Standpunkt der Offen- V \ . .. , : 1— ' . - : barung stehen, für mystisch gehalten wurden, stehen jetzt wieder auf und erhalten „Farbe und Leben", wie De- : litzsch schreibt. In einem Jahrhundert, da man es vielfach nicht mehr als der Mühe werth erachtete, gegen die Bibel anzukämpfen, müsse man sich ihr jetzt als einem ehrwürdigen Geschichtsbuch'e nahen, einem Buche voll seltener, aber wahrer Berichte, wie Delitzsch selbst dies zugibt." - Vor überaus zahlreichem Publikum hielt gestern Abend Herr Prof. Dr. Barth- Berlin den bereits in voriger Nummer angekündigten Vortrag über Mono- - . theismus und die Ausgrabungen. Redner wies in glänzender Weise die Unhaltbarkeit der Delitzsch'schen Behauptungen nach und kritisirte auch scharf die neue * Dekitzsch'sche Vorrede. Wir kommen auf ddn Inhalt der bedeutsamen Rede noch zurück. - Die Ausführungen des Redners fanden in der „Jüd.-Litterarischen Gesellschaft zu Frankfurt a. M." lebhaften Beifall. Zsrtungsnachrrchtett und Eorresporrveirzeir. Deutschland. Berlin, 20. März. (Deutscher Reichst a g.) Aus' der Rede des Abgeordneten Bernstein bei Anlaß der Etatsberathung (Auswärtiges) sei hiermit Folgendes angeführt: .. „Noch ein anderer Volksstamm leidet unsäglich entgegen den Beschlüssen des Berliner Vertrags, das sind die rumänischen Juden. Es ist ihnen freie Bewegung im Gewerbe gewährleistet, worden.. Die rumänische Regierung hat noch weniger ihre Versprechungen gehalten, als die Türken; sie hat auch .nicht'einmal die Entschuldigung, welche die Türkei für sich in' Anspruch nehmen kann. In Rumänien ist es nicht Unfähigkeit, sondern böser Wille, daß der jüdischen Bevölkerung die Lebensrechte nicht eingeräumt werden, die Europa für sie erlangt hat. Es hat ein schmählicher Wortbruch stattgefunden. Die rumänischen Juden sind zum Theil Handwerker und Arbeiter, Proletarier; im schlimmsten Sinne. Diese ganze Nation wird ausgehungert. In die Schule werden nur so viel jüdische Kinder ausgenommen, als sie zu der ganzen rumänischen Bevölkerung im Verhältniß stehen. Das ist teuflisch. Die.rumänischen Staatsmänner haben sich mit jener Schlauheit, die dem Orient eigen ist (Abg. Oertel: Sehr richtig!), um die Erfüllung des Vertrages herumgedrückt, indem sie die >,Juden" als Fremde behandeln, und zwar auf allen.Gebieten. Die Universitäten sisid ihnen zum großen Theite verschlossen, ebenso, eine, ganze Reihe von Gewerben... Allen diesen Ungerechtigkeiten sieht Europa ruhig zu, anstatt sich zusammenzuthün und auf dir Erfüllung des Versprechens zu dringen.

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