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Der Israelit · 1903-03-23 · Heft 23 (23.3.1903) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 23 (23.3.1903)
Date
1903-03-23
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Schlachtlied: „Und ich werde sie (die Fremden) bringen, nach meinem heiligen Berge und sie erfreuen in meinem Bethause, ihre Ganzopfer und ihre Wahlopfer werden zum Wohlgefallen sün auf meinem Altäre, denn mein Haus wird ein Bethaus genannt werden für alle Völler." (56, 7.) Wenn man ein Werthurtheil über die Ethik eines Werkes abgeben will, muß man den Gesammtcharakter desselben in Betracht ziehen. Wenn man aber eine Stelle aus dem Zusammenhang reißt und daran Folgerungen knüpft, so entsteht leicht der Verdacht, daß es einem nicht um die Wissenschaft, sondern um die Verfechtung einer Tendenz zu thun ist." Auch der bekannte Pastor Schwalb, früher in Bre-■ men, sandte an die „Franks. Ztg." ein Schreiben, in welchem er sich scharf gegen Delitzsch wendet. Er weist eine Reihe von Stellen aus dem Reuen Testament nach, die Herren Delitzsch's Behauptungen, der Geist des alten Testaments sei Unduldsamer und blutiger, wie der des Reuen, ad absurdum führen. Zu den bedeutenderen Bibel-Babel-Vorträgen der Woche gehört der des Herrn Rabbiner Dr. I. P l a t o -. Hamburg. Er führte ungefähr Folgendes aus: „Wer zum ersten Male von der Zinne eines Thurmes, von dem Gipfel eines Berges herabblicke, gewiß, dem entfahre aus tiefster Seele kommend ein „Ah" der Bewunderung. Die. An-, wesenden aber stünden seit langem auf der Höhe und seien des weiten Gesichtskre!ises gewohnt! Von Kind-i heit an sind wir Vertraute der Bibel, 'ihres hohen Ur-' sprungs. ihrer hohen Bestimmung bewußt. Ohne Schwärmerei und ohne Fanatismus betrachten wir die Mission des Bibelgeistes, wie er thatsächlich auch die' Grundlagen der deutschen Kultur bilde, als etwas Selbstverständliches, als unser garstiges und sittliches. Eigenthum, als unseren Reichthum, den wir für nichts. Besonderes erachten, weil wir in ihm geboren sind, an den wir Niemand erinnern und mit dem wir auch nicht glänzen und keinen Neid erregen wollen, der nur'dann reklamirt und betont werde, wenn man ihn uns absprechen oder entreißen will. Redner gibt alsdann einen Ueberblick über das Wesen der Keilschriftforschung, und will aus den Differenzen, die innerhalb der Fachwissenschaft auftauchen, kein Kapital zu Gunsten der Bibel schlagen, sondern alles so als feststehend betrachten, wie es von Delitzsch und anderen übernommen bezw. festgestellt wurde. In einer demnächst erscheinenden Abhandlung*) werde Redner' des Weiteren, was er jetzt nur andeutungsweise - . erkläre, erörtern. Es könne überhaupt . keine Keilschrift.aufgefunden werden, die für den mit :den Quellen der jüdischen Gesetzgebung, ganz Vertrauten die Basis der Bibel- und. überhaupt nur.ein Jota .*) Äst bereits'ersLienen und vom Versager-gegen Er? stattunz der Druckkosten zu beziehen. Red. derselben erschüttern könne. Mit schwerwiegendere ketlinschriftliche Enthüllungen, als die bisher von Delitzsch herangezogenen, stellt Redner in sichere Aussicht. Das vorliegende Material sei nur ein Vor- und Kinderspiel, nur den mit der talmudischen und ältesten Responsenlitteratür nicht Vertrauten vermochten dieselben einen Augenblick stutzig zu machen. Je tiefer man aber in den Geist der Bibel und ihrer'klassischen Kommentatoren bezw. Ergänzungen, welches die historischen und sprachlichen Voraussetzungen für die ganze Bibelforschung enthalte, je tiefer man also dieselben erfasse, um so weniger könnten ketlinschriftliche Enthüllungen irgendwie destruktiv einwirken. Wenn Jemand glaubt, daß die babylonischen Keilinschristen wegen, der SprachenverwaNdtschast zur Erklärung der Bibel in erster Linie herangezogen werden müssen, und daß ohne gründliche Erfassung der keilinschriftlichen Funde eine Erklärung ter Bibel unmöglich sei, so darf wohl weitergegangen und behauptet werden, daß es alsdann kaum einen Erklärer der Bibel gibt. Wo haben wir Biöclerklärer aufzuweisen, die den ganzen Geist der erst noch zu erforschenden babylonischen Kultur - in sich ausgenommen haben? Unter 2000 Rabbinern und auch unter den zehntausend Heimgegangenen seit dem Exile, war wohl keiner ein keilinschriftlicher Kollege des Herrn Professors Dr. Delitzsch. Das aber darf man behaupten, alle die sprachvetwerthenden Momente zur Erklärung der Bibeh die aus den angeblichen und von uns als richtig vorausgesetzten Entzifferungen der keilinschtiftlichen Funde bisher von Assyriologen herangezogen wurden, und somit, das sei gerne zugegeben, für solche Experten, welche Talmird, Midrasch und die Responsenlitteratür des Judenthums nicht kennen, eine zur Erklärung der Bibel überraschende Quelle fei, alles dies enthält bereits in staunenswerther Weife die rabbinische Litteratur aus erster, vorkeilinschriftlicher Zeit als sprachlich^ Voraussetzung, als etwas Selbstverständliches oder als anderwärts Tradirtes. Mnn wir Einzelne talmudifche Gesetze vergleichen, so finden wir, die richtige Uebersetzung der Keilinschriften vorausgesetzt, manchen merkwürdigen sprachlichen Analogieschluß des Talmuds und anderes, keilinschriftlich bestätigt. Ein Beweis für die Zulässigkeit der.rabbinischen Tradition. Als Ergebniß der Auseinandersetzung über die Forderung, daß man die Sprache der Keilinschriften zur Vibelkritik verwerthen müsse, weist Redner noch auf einen historischen Fehler hin und sagt: „Erst müßte auch nachgewiesen sein, daß die Bibel die Tochter der Keilinschristen ist! Der Geist des Prophetenthums. der Geist der Bibel kann wahrlich gerade detzhalb, weil Delitzsch so viel Werth auf denselben legt, nur durch, ihre unmittelbare Ergänzung und Fortsetzung, durch Talmud und Midrasch erfaßt, erklärt und verwerthet werden. Die Sprache der . Bibel ist geistig Lbergegangen in die Sprache des Talmuds und

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