Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 23 (23.3.1903)
- Date
- 1903-03-23
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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44* Jahrgang. km ZMiui) MMch nßn Srtanj. Delitzs ch—U » n a—S chwal b—P lato— Ä i n ck l e r—B a r t h. Mainz, 23. März. Von dem zweiten Vortrag des Professors Delitzsch ist soeben (Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart) eine neue Auflage (26. bis 30. Tausend) erschienen, welcher der Verfasser ein Vorwort „Zur Klärung" be'igegtben hat. Prof. Delitzsch wendet sich in diesem direkt gegen den im alten Testament vorherrschenden Geist und beruft sich u. A. auf das Schlachtlied aus Jes. 68,1—3, in dem man bisher die höchste Stufe ethischer und religiöser Erkenntniß innerhalb des alten Testaments hat finden wollen. Anknüpfend an den Schluß der erwähnten Stelle, in der Gott mit den Worten redend einge-. führt wird: „Es half mir mein Arm, und mein Grimm war meine Stütze, Und ich trat die Völker in meinem Zorn und machte sie trunken mit meinem Grimm, Und ließ zur Erde fließen ihren Lebenssaft," führt er aus: „Diese aus bestimmten Zeitverhältnissen hrrausgeborenen Ergüsse politischer Eifersucht und, vom menschlichen Standpunkte aus, vielleicht begreif-, lichen leidenschaftlichen Hasses längst untergegangener' Generationen sollen auch uns Kindern des zwanzigsten Jahrhundert, sollen auch den abendländischen und christlichen Völkern noch mals Religionsbuch dienen zur Sittigung und zur Erbauung! Statt uns „mit Dank bewundernd" zu versenken in das Walten Gottes in unserem eignen Volke von der germanischen Urzeit her bis auf diesen Tag, fahren wir aus Unkenntniß, Gleichgiltigkeit oder Verblendung fort, jenen altisraelitischen Orakeln einen „Offenbarungscharakter" zuzuerkennen, der weder im Lichte der Wissenschaft, noch in dem der Religion oder Ethik standhält. Je tiefer ich mich ver-. senke in den Geist des alttestamentlichen Schriftthums, desto banger wird mir bei dem Gotte Israels, der die Völker mit seinem unersättlichen Zornesschwert hinschlachtet, der nur Ein Lieblingskind hat, dagegen alle anderen Nationen der Nacht, der Schande, dem Untergänge preisgibt, der schon zu Abraham sprach (1. Mos., 12, 3): „Ich will segnen, die Dich segnen, und. die Dichverwünschen, verfluchen." r Als f ei n Glaub'ensbekenntniß verkündigt. Profl . Delitzsch: „Ich nehme meine Zuflucht zu.hem, der im ' .-Leben und im Sterben gelehrt hat: ' Segnet, '.die euch! fürchen, und berge mich voll Vertrauens unh Freudigkeit und ernsten Strebens nach sittlicher Vorvollkömmnung in den Gott, zu welchem uns der Stifter der christlichen Religion zu beten gelehrt hat, den Gott,, der ein gerechter und liebender Vater ist über alle Menschen auf Erden." . f!. . .; .■ Hierzu bemerkt die „Frankfurter Zeitung": Wie aus diesen Begleitworten hervorgeht) hat der Forscher sich durch die ungerechten und zum Theil. maßlosen Angriffe, denen er ausgesetzt gewesen. ist,^äuf ein ganz falsches Gebiet der Rechtfertigung drängen lassen. Das, was es zu verthekdigen gilt, ist einzig und allein das Recht der wissenschaftlichen Kritik auch den Schriften gegenüber, die wir unter dem Gefammtnamen der „Bibel" zusammenzufassen pflegen, denn diese Schriften sind, mag man ihnen einen Offenbarungs-Charakter beilegen oder nicht, geschichtliche Dokumente )pie jede andere. Ihre sittliche oder nichtsitiliche Tendenz' bleibt für die Historiker außer aller und jeder Frage,, sie geht nur den Sittenlehrer an. Daß dabei zwischen -den Schriften des alten und denen des neuen Testaments kein Unterschied zu machen ist, versteht sich von selbst. Ob Professor Delitzsch kirchengläubig ist oder nicht, und ob er durch seine Schriften den Kirchenglauben zerstört oder fördert, danach hat, solange er als Historiker guftritt, keiner von denen zu fragen, an die er sich als solcher wendet; hier kommt nur das Eine in Betracht: Wahrt er das Recht der Wissenschaft oder, treibt , er Mißbrauch Mit ihm? . ' .v /:/.; V-> Herr Rabbiner Dr. Jsak Unna sandte hieraus an die „Frankfurter Zeitung" folgende Zuschrift.:)"/' „Die „Franks. Zeit." hat mit Recht hervorgehoben, daß Prof. Delitzsch durch seine neueste Veröffentlichung den Weg der wissenschaftlichen Forschung verlassen hat und zum Tendenzschriftsteller geworden ist. Diese Tendenz tritt allerdings auch schon in seinem Vortrag zu Tage; denn seine Angriffe richten sich lediglich gegen den Offenbarungscharakter des Alten Testaments, während er doch konsequenter Weise den Glauben an die Göttlichkeit des Neuen Testaments ebenso bekämpfen müßte. Aber noch mehr. Delitzsch ignorirt fast gänzlich diejenigen Stellen der Bibel, welche geeignet sind, die reine Ethik derselben zu erweisen und seine. Behauptungen vcn dem national-partikularistischen.Geistesbegriff derselben' zu widerlegen. Er ziiirt den mit der. Farbenpracht orientalischer Poesie aüsgeschmückteü „beduinischen Schlacht? und Triumphqesang" aus Jes. 63, um daraus den leidenschaftlichen Haß gegen die müderen Völker-zu eyveisen: ..aber erverfchweighdah derselbe Prophet 'auch Stellen /enthält, - wie: .Mendei hüih.izu mir, und es' wird euch geholfen werden. alleEndem der Erde, denn ich bin Gott und.keiner mehr" 45, .22). Und ferner wenige ' Abschnitte vor jenem „haßerfüllten"