Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 23 (23.3.1903)
- Date
- 1903-03-23
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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rönnen, welches den Arm. ihres Mannes so heftig erzittern ließ, daß auch der ihrige davon in Mitleidenschaft gezogen wurde. . Unmittelbar vor ihnen, auf dem Trottoir, ging ein Mann» dessen Gesicht beide nicht gesehen hatten, der aber.doch dem Baron wie ein alter Bekannter erschien. Wer war doch das? Ein jüdischer Mann, der Fische, Obst, frisches Brod in einem mächtigen Korb schleppte. Es war Freitag Morgens zehn Uhr; das war also für Schabbos. Darüber war Abraham nicht im Zweifel, aber wer war der Mann mit dem graumelirten Hinterkopf und dem ihm bekannten, eigenthllmlichen Gang? Er drängte sich mit der jungen Frau vor, um jenem Manne in's Gesicht schauen zu können. Aber kaum hatte er von der Seite einen Blick auf dieses Gesicht geworfen. so hätte er laut aufjubeln mögen, das war ja sein alter Lehrer Teitelbaum! Ihre Blicke begegneten sich; aber Teitelbaum kennte keine Ahnung haben, was der feingekleidete Cavalier für ein Interesse an ihm und seinem großen Marktkorbe haben könne. Am liebsten wäre Abraham auf offener Straße seinem Lehrer um den Hals gefallen; war er doch der Erste, den er seit dreizehn Jahren aus seiner jüdischen Jugendzeit wiedersah. Jetzt aber war guter Rath theuer! Hier mitten in der Menschenmenge konnte sich Abraham von Korff nicht zu erkennen geben. Wie hätte er auch seiner Frau erklären sollen, was ihn mit diesem Juden verbinde. Ihm in seine Wohnung nachzugehen und ihn später allein aufzusuchen, war auch nicht thunlich. Teitelbaum wohnte gewiß nicht auf den Lemberger Boulevards, sondern in einem der engen, winkligen Seiten'gäßchen; unter welchem Vorwand hätte Abraham von Korff die Frau Baronin dorthin führen können? Einen Augenblick dachte Abraham daran, seiner Frau Alles zu sagen, was ihn an Teitelbaum, als Lehrer seiner frühesten Jugend, interessirte, aber die Hochzeitsreise und die Menschenmenge, unter welchen sie sich befanden, waren gewiß, nicht die rechte Zeit und der rechte Ort für solche Enthüllungen, die er am liebsten recht lange hinausgeschoben hatte. Seine junge Frau war glücklich im Besitze ihres vermeintlichen Vetters, der durch solche Enthüllungen doch nur in ihrem Augen verlieren konnte. Ihre schwärmerische Liebe für ihren Gatten war so blind, daß sie in jedem Gesichtszug die Aehnlichkeit zwischen ihm und ihrem verstorbenen Onkel zu finden glaubte, und das mit einem Eifer vertrat, der ihren eigenen Eltern oft ein Lächeln abnöthigje. Warum sollte er dieses heitere Lebensglück ohne rede Nothwendigkeit auch nur für einen Augenblick trüb«r? Aber Teitelbaum wollte er sich doch nicht entgehen lassen, schon deßhalb nicht, weil er sicher hoffte, durch ihn vielleicht etwas über den Aufenthat der Pflegeeltern erfahren zu können. Sein rascher, praktischer Verstand ließ ihn auf folgendes Mittel verfallen. Er drängte .sich, ohne daß die Frau Baronin oder Teitelbaum die Absicht merkten, hart an den.großen Korb, griff in die Seitentasche seines Rockes und ließ seine Brieftasche herausfallen, daß sie gerade in den Korb Teitelbaums fiel, und ging ruhig weiter. Kaum war er aber zwei Schritte weiter gegangen, als es hinter ihm rief: „Mein Herr, halt. Sie haben da etwas verloren!" (Fortsetzung folgt.) Wschen-Rslmöer. Donnerstag. 26. Marz. 27. Adar. 2"» Freitag, 27. März. 28. Adar. Sabbat-Anfang in Mainz und Frankfurt a. M.6 Uhr 30 Min. Samstag, 28. März 29. Adar. cnnn 'S .n"nao?-npb Sabbat-Ausgang in Mainz und in Frankfurt a. M. 7 Uhr 40 Min. — Berlin 7 Uhr 12 Min. — München 7 Uhr 18 Mn. — Hannover 7 Uhr 29 Min. — Stuttgart? Uhr 26 Min.—Prag 7 Uhr 05 Min. — Straßburg 7 Uhr 35 Min. — Posen 7 Uhr 00 Min. — Stettin 7 Uhr 11 Min. Sonntag. 29. März. 1. Nissan, tnn »kt. Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montngg nml Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjährlich. halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Buchhandel verkehrt durch V. Zf. Slrinacker, Lriuxrg, Nohplntz Jß. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Nonpareillezeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclametheil 75 Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mar! oder 16 Kronen österr., für's Ausland lk Mark, an die Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3932. Telephon 1015. 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