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Der Israelit · 1903-03-23 · Heft 23 (23.3.1903) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 23 (23.3.1903)
Date
1903-03-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Begeisterung Thora. Aboda und Gemiluth-Chassodim als die Schaffensgebiete des Kranken- und Wohlthätigkeitsvereins. I. L. AuS Mittelfrankcn. Ms 5duriosum öffentlich bekannt zu werden verdient die Thatfache, daß in einer frommen Gemeinde, die Megilah sogar schon bei Hellem Tage am uick iwrn geleint wurde. Man ging dort, wie mir bestimmt versichert wurde. Nachm. 6 Uhr in die Synagoge, hat anyoi rw» geort, Megillah geleint und nach Uusgang von der Synagoge, da es noch nicht Nacht war, ruhig weiter gefastet. Ob alle Gemeindemitglieder die Megilah bei Nacht, nach Purim Eingang, nochmals geleint haben, konnte ich leider nicht in Erfahrung bringen. Hechingen (Hohenzollern). 19. März. (Ein Anhänger von Delitzsch.) Der „Schwab. Merkur" vom 16. d. Mts. bringt von hier folgende Mittheilung: Der Lehrer und Rabbinatsverweser der hiesigen israelitischen Gemeinde sprach gestern Abend im Kaufmännischen Verein über das Thema „Babel und Bibel" im Sinne des Delitzsch'schen Standpunktes, und erntete mit seinen wissenschaftlichen Ausführungen reichen Beifall. — In der hiesigen israelitischen Gemeinde wirkten noch vor 60 Jahren sin Rabbiner (Dr. Sam. Mayer, Verfasser der „Gesetze der Römer. Griechen und Israeliten"), der zugleich auch Rechtsanwalt war, ferner zwei Lehrer (Eppstein und Roth), ein Vorsänger (Lichtenstein); auch bestand noch ein von der Familie Kaulla gegründetes Beth Hamidrasch, an dem Rabb. Nathan Reichenberger als Lehrer und K. Jakob Nexinger als Vorbeter wirkten. Heute sind alle Funktionen in der Person des Lehrers (Felix Wolf) vereinigt, das Beth Hamidrasch ist eine Fabrik und die Schule zählt die wenigsten Schüler in Hohenzollern. Nordhausen, im März. Die Herren Hermann und Moritz F r e n k e l in Berlin haben anläßlich des vor einigen Wochen erfolgten Todes ihrer Mutter dem Magistrat unserer Stadt den Betrag von 100,000 Mk, zur Errichtung einer den Namen ihrer Eltern tragenden Stiftung überwiesen, aus deren Zinsen verschämte Arme ohne Unterschied der Konfession unterstützt werden sollen. Oesterreich. Prag, 18. März. Am 22. Februar d. I. fand die ordentliche Generalversammlung des „Vereins für geregelten Gottesdienst der Israeliten in Prag" statt. Der Vorsitzende des Verwaltungsausschusses, Herr Dr. Ludwig B e n d i n e r. gedachte der in den letzten drei Jahren verstorbenen Mitglieder des Vereins, insbesondere des .gewesenen ersten Vorstehers, Herrn M. H. Neustadl, in wärmsten Worten. Sodann trug Herr Dr.- Ludwig P i ck, Sekretär des Vereins, den Geschäftsbericht vor, aus welchem zu entnehmen ist. daß die Vermögensverhältniffe des Vereins die denkbar geordnetesten sind. Algesehen von dem schuldenfreien Tempelgebäude, ferner dem Administraionsgebäude für die Wohnungen der Funktionäre, chließt das Vereinsvermögen pro Ende 1902 mit einem Zetrage von 125,091.84 Kr., worin allerdings der Werth der angekauften Nachbarhäuser enthalten ist, die, owie das Administrationsgebäude, der Affcmirung um Opfer fallen werden. Budweis, 20. März. (Schwindel mit dem Blutmärchen.) In welchem Matze die Bevölkerung antisemitisch verhetzt ist, zeigt folgender Vorall: In dem bei dem Orte Cemelitz gelegenen Dorfe Smetanova-Lhota (Bezirk Pisek, vermißte dieser Tage ein Bauer seine 18jährige Tochter. Es fanden sich Leute, welche gesehen haben wollten, daß das Mädchen in Vas Haus des Kaufmannes Wilhelm Fantl in Cemeitz geschleppt worden sei, kurz damuf hätten sich viele Juden aus der Umgebung dort eingefunden, und Fantl. ]jaf>e sich auf den Bahnhof begeben, wahrscheinlich um mit dem Blut des Mädchens nach Wien zu fahren. Dieses Gerede verursachte in der Gegend große Aufregung. Am folgenden Albende versammelte sich vor dem Hause eine große Menschenmenge, welche drohende Rufe gegen die Juden ausstieß und die Herausgabe der „Leiche" des abgeschlachteten Mädchens verlangte. Im Hause war nur die Frau Wilhelm Fantl's mit ihren Kindern anwesend, und weigerte sich begreiflicherweise, das Thor zu öffnen. Dem einzigen im Orte anwesenden Gendarmen gelang es, die Menge zu zerstreuen, doch stellte dieselbe Wachposten auf, welche die Nacht über das Haus beobachteten, damit die Leiche nicht beseitigt werden könne. Am darauffolgenden Morgen wurde die Menge in das Haus eingelassen und durchsuchte es, ohne etwas Verdächtiges zu finden. Kurz darauf erschien das Mädchen wieder im Dorfe. Es gab an, daß es eine Wallfahrt nach dem heiligen Berg gemacht habe. Hdrr Fantl hat den Advokaten Dr. Ludwig Bullaty in Budweis damit betraut, gegen die Urheber der gegen ihn veranstalteten Hetze die gerichtlichen Schritte einzuleiten. - Ungarn. Budapest. 19. März. (Baron Banffy über das Judenthum.) Der Umstand, daß der ungarische Oberhofmeister, Baron Desider Banffy, die Präsidentenstielle des Leopoldstädter Kasinos übernahm. veranlaßte einen der Redakteure der neuen Zeitschrift „Jövendö" zu einem Interview, in dessen Verlaufe Baron Banffy eine Reihe interessanter Aeußernngen machte. „Ich wollte damit," so sagte er unter anderem, „dem einheitlichen Ungarthum dienen.... Ich bin kein Philosemit, weil ich keinerlei „p h i l o" noch „a n t i" liebe; ich liebe und achte jede Konfession und jede Rasse im Lande, wenn sie nach der Einigung des Ungarthums strebt öder wenigstens nicht gegen dieselbe aspirirt. Was speziell die Juden anbelangt, so mache ich bezüglich derselben keine Ausnahme; allein gerade sie sind geeignet, eine große Arbeit in Be-

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