Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 22 (19.3.1903)
- Date
- 1903-03-19
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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44* Jahrgang. Zeitungsnachrichten und Correspsndenen. Deutschland. Königsberg i. Pr., 17. März. Der „Verein jüdischer Lehrer und Lehrerinnen zu Königsberg i. Pr." hielt am 3. März seine Generalversammlung ab. Der Vorsitzende, Herr Rabbiner Dr. Vogelstein, erstattete den Jahresbericht. Im Verein wurden im vergangenen Jahre folgende Vorträge gehalten: Herr Waisenhaus-Jnspekt. Peritz: „Der Hamburger Lehrer- Verbandsiag." — Herr Rabb. Dr. Perles: „Harnacks Auffassung vom Judenthum." — Herr Lehrer Samuel: Einige Fragen aus der Methode des biblischen Geschichtsunterrichts." — Herr Rabb. Dr. Vogelstein: „Der Verbandstag der ostpr. Synagogen-Gemeinden zu Guttstadt und der Delegirtentag des „D.-J. G.-B." — Herr Ober-Kantor Birnbaum: „Judenschul — Christenschul als musikalisches Motiv." — Herr Waisenhaus-Inspektor Peritz: „Die geschichtliche Entwicklung der leitenden Ideen in der Jugendliteratur." — Herr Lehrer Guttmann: „Die methodischen Maßnahmen zur Befestigung des Memorierstoffes im jüd. Religionsunterricht." — Herr Kantor Wolfs: „Das biblische Wunder im Religionsunterricht." — Herr Lehrer Sandler: „Der hebräische Leseunterricht auf der Unterstufe." — Herr Waisenhaus-Inspektor Peritz: Ernst Lindes Aufsatz „Wie führt man die Jugend vom stofflichen zum künstlerischen Genießen?" — Herr Oberkantor Birnbaum: „Die Verdienste der Gaonen um die jüdische Liturgie und den Synagogengesang." — Herr Lehrer Guttmann: „Der Unterricht in der nachbiblischen Geschichte." Eine besondere Kommission hatte außerdem die Bearbeitung eines Lehrplanes für den biblischen Geschichtsunterricht übernommen. — An Besprechungen von Jugendschriften für jüdische Kinder wurden 17 Arbeiten eingeliefert. Eine Journalmappe mit ausgewählten, interessanten, jüdisch-wissenschaftlichen und pädagogischen Aufsätzen lursirte in regelmäßigen Zwischenräumen bei den Mitgliedern. Der Verein hat aus seiner Kasse an zwei in Roth gerathene, erkrankte Kultusbeamten der Provinz 11,: terstützung verabfolgt. Am 3. Februar c. feierte er sein erstes Stiftungsfest durch ein gemeinsames Abendessen. Den Festvortrag hielt Herr Rabb. Dr. Vogelstein über „Beiträge zur Geschichte des jüdischen Religionsunterrichts in Königsberg." Die übrigen Mitglieder boten musikalische und deklamatorische Genüsse. Der Vorsitzende konnte am Ende seines Jahresberichtes konstatiren, daß im Verein mit Eifer und Interesse gearbeitet und den Mitgliedern viel werthvolle Anregung für die gemeinsame Berufsarbeit geboten worden ist. Von den übrigen Gegenständen der Verhandlungen sei noch vermerkt, daß der bisherige Vorstand: Herr Rabbiner Dr. Vogelstein, Herr Waisenhaus-Inspektor Peritz und Herr Kantor Cohn wiedergewähtt wurden. Für die Ordnung der Journalmappe wurde wieder Herr Lehrer Samuel bestimmt. Nach Erledigung der Gegenstände der Generalversammlung erstatteten die Herren Rabbiner Dr. Vogelstein und Sekretär und Lehrer Rosenthal das Referat über die neue Ausgabe der Auerbach'schen Biblischen Geschichte. Die Besprechung ergab, daß sich das Buch in vieler Hinsicht vor anderen Biblischen Geschichten empfiehlt. Es ist praktisch angelegt und geschickt methodisch bearbeitet. Die Sprache jedoch ist vielfach schwerfällig und undeutsch; auch fehlt ihr der warme Erziehungston. Als besonderer Mangel muß noch bezeichnet werden, daß rednerische Stellen in der Wiedergabe des Buches oft wesentlich vom Urtext abweichen. In der schwierigen Frage der rechten Auswahl wird eine bald zu erhoffende zweite Auflage gewiß noch manches zu berücksichtigen haben. Im allgemeinen war jedoch die Versammlung einig, daß die neue Ausgabe der Auerbach'schen Biblischen Geschichte schon heute zu den besten Büchern dieser Art zu rechnen ist. Die Einführung derselben in den Königsberger Gememde- Religionsschülen darf als sicher angenommen werden. Die nächste Vereinssitzung ist für Dienstag, den 24. d. M. in Aussicht genommen. Gegenstand derselben ist eine „Vorlesung des Herrn Rabbiner Dr. Perles aus seinem neuesten Werke: „Vousset's Religion des Judenthums im neutestamentlichen Zeitalter kritisch untersucht." ■ P. Berlin, im März. Der „Israelitischen Rundschau" wird geschrieben: Im Siidwesten Berlins sind einige Männer, zu denen auch meine Wenigkeit gehört, zusammengetreten mit der Absicht, das Projekt einer auf streng-orthodoxem Standpunkte stehenden, neu zu begründenden Tempelgemeinde zu fördern und in der Gegend zwischen Spittelmarkt und Halle'sches resp. Potsdamer Thor, einen Saal zur Abhaltung eines ständigen, würdigen Gottesdienstes zu miethen und mit diesem auch eine Religionsschule und möglichst auch eine jüdische Lesehalle zu verbinden. Wir haben bereits Zusagen, sich uns anzuschließen, erhalten von etlichen, in genannter Gegend wohnenden, wohlhabenden Mitgliedern der jüdischen Gemeinde,