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Der Israelit · 1903-03-19 · Heft 22 (19.3.1903) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 22 (19.3.1903)
Date
1903-03-19
Page
– (sequence 10)
Language
German
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welche vorläufig noch den Tempel in der Lindenstraße auffuchen, aber einen Gottesdienst nach altem Ritus vorziehen. . Demnächst sollen Zirkulare an die in Betracht kommenden Personen versandt werden, um diese zur Besprechung über die Beschaffung der Mittel, sowie zur konstituirenden Versammlung ««zuladen. Sobald diese Angelegenheit erledigt ist, soll versucht werden, auch in anderen Theilen der Stadt, z. B. Kantstraße, Bülowstraße. und Hansaplatz, möglichst für die Gründung neuer orthodoxer Tempelgemeinden zu agitiren. E. Friedmann. Fürth i. B. Am zzvz an dem Tage, an welchem die Natur zu neuem Leben zu erwachen beginnt, zog eine reine Seele ein zu einem neuen, ewigen Leben, in das Reich der ewigen Wahrheit. So wie er gelebt in Reinheit und Heiligkeit, so ging er von dannen, Gabriel Wiener, der bescheidene, ruhige Mann. An heiliger Stätte, im J'sro gerade als er im Begriffe war, sich zum Gebet zu rüsten, hauchte er' seine reine Seele aus. Er, der so reich an Mffen war, ohne damit zu prunken, sah es als eine seiner heiligsten Ausgaben an, dieses Wissen besonders in p'rsn durch regen Fleiß zu vermehren. Sein regelmäßiger Besuch des Gotteshauses würde nur unterbrochen, wenn sein Gesundheitszustand es nicht gestattete. Und was war er den Armen, den Unterdrückten!? Wie suchte er ihnen zu rathen und zu helfen!? Wie manche Thräne hat er da getrocknet! Das geschah aber alles so geheim und still, damit ja das *pbx üs r\zb erfüllt werde. Ja, das war sein innerstes Wesen: Bescheidenheit und Demuth, die das eigene Ich zurücktreten ließen gegenüber allen anderen Menschen, und ihn veranlaßte, nicht nur 22100 Recht, sondern 12N rionrr hingebungsvolle Liebe zu üben gegen alle, die das Glück hatten, ihm zu nahen. Möge sein anspruchsloses, makelloses Leben uns allen ein Beispiel sein, das nachzuahmen wir uns zur Ehre gereichen lassen. So lebe sein Name in uns zum Segen fort, nra? pnx ~ai. Oesterre ich. Brünn. (Eröffnung des Ros ent Hälschen Stiftungshäuses.) Am 1. März fand Hierselbst die Weihe und Eröffnung des Max und Johanna Nosenthal'schen Stiftungshauses statt. Dieses wurde auf Grund des Testaments der im Jahre 1898 verstorbenen Frau Johanna Rosenthal, der Wittwe des im Jahre 1893 von maskirten Räubern in Brünn in seinem eigenen Comptoir ermordeten Schuhwaaren- Fabrikanten Max Rosenthal, in's Leben gerufen, welche letztwillig einen Betrag von 300,600 Kr. zur Errichtung eines jüdischen Armenhauses nach dem Muster der Lämelffchen Stiftung in Prag bestimmte. Der Eröffnungsfeier wohnten bei: Die Herren Statthaltereirath Dr. Gras Pötting-Persing in Vertretung des Statthalters, ferner Vicc-Bürgermeister Rohrer, Gemeinderath kaiserlicher Rath Urban, und Gemeindeausschußmitglied Dr. Ellinger, die Regierungsräthe Landes-Sanitäts-Jnspektor Dr. Spitzer und Polizei- Direktor Sojka, Finanzrath Löwy, Stadtrath Feldmann, Statthalterei-Sekretär Leischner, die Vorstehung der israelitischen Kultusgemeinde, Vertreter der israelitischen Wohlrhätigkeitsvereine, und die Hinterbliebenen Verwandten der edlen Stifterin. Der Obmann des Kuratoriumsder neuen Humanitäts- Anstalt, welche ein stattliches, zweistöckiges Gebäude, Nr. 104 der Neugasse, sammt Garten und Bauplatz umfaßt, Herr Dr. Hieronymus Fialla, Präsident der israelitischen Kultusgemeinde-Vorstehung, eröffnete die Feier mit einer schwungvollen Ansprache, worin er das Andenken der edlen Wohlthäterin pries und in seinen weiteren Ausführungen dem Gedanken der allumfassenden Menschenliebe begeisternde Worte widmete. Dann erfolgte durch den k. k. Religions-Professor Dr. Grünfeld die Weihe des Hauses, welches vorläufig zehn Stiftlinge beherbergt. Äolomca. Der dem Reichsrathe vorliegende Gesetzentwurf. betreffend die Verschärfung bezw. Ausdehnung der Sonntagsruhe auf Gewerbe- und Handclstreibende der im Reichsrathe vertretenen Länder, verfehlte nicht, mit Recht auf die galizische und Bukowinaer Judenheit einen niederschmetternden Eindruck hervorzurufen. Die gesetzestreuen, religiös lebenden Juden der erwähnten beiden Länder sehen sich durch die verschärfte Maßregel der Sonntagsheiligüng vollends in ihrer Existenz bedroht. Bekanntlich befaßt sich der weitaus größte Theil dieser jüdischen Bevölkerung mit Handel und Gewerbe, der ihnen, nebenbei bemerkt, durch allerhand Schikanen, wie Boykottirung, Beschränkungen u. s. w. verleidet wird. Es ist ferner genugsam bekannt, daß unsere jüdische Bevölkerung, dank ihrer traditionellen Erziehung, noch an dem ererbten Glauben ihrer Väter hangend, jede ArbÄt bezw. Thätigkeit während 25—26 Stunden wöchentlich, nämlich von Freitag Abend bis Samstag Nacht, ruhen läßt. Ein Zwang von außenher, auch den Sonntag mit 24- oder 36stündiger Ruhe einhalten zu müssen, würde den völligen Ruin ihres Standes bedeuten. Denn einerseits würden sie dadurch gegenüber dem christlichen, ohnehin allgemein bevorzugten und unterstützten Gewerbetreibenden konkurrenzunfähig gemacht werden, andererseits verlören sie in der Provinz und auf dem flachen Lande jeden Verkehr mit dem bäuerlichen Landwirthe. Diese weittragende, ernste Bedeutung der geplanten gesetzlichen Maßnahmen einsehend, that sich in Kolomea ein Komitee jüdischer Kaufleute zusammen, das eine Petition an die beiden Häuser des Reichsrathes gerichtet hat. Die Tendenz der Petition steht aus dem gesetzlichen Standpunkte, daß die Juden. die nachwÄslich am Sabbat, also einmal wöchentlich, 25^—26 Stunden vollständig ruhen, zu einer weiteren Ruhe. sei

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