Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1903-03-19 · Heft 22 (19.3.1903) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 22 (19.3.1903)
Date
1903-03-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2449890-2449912--57861-3521600
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

damals Oberstaatsanwalts-Stellvertreter war, figurirte in jenem Prozeß, der weit über die Grenzen des Landes hinaus Aufsehen verursachte, als öffentlicher Ankläger. Sein puritanischer Charakter, an den auch' nicht der Schatten eines Verdachtes heranreichte, prädestiniere ihn förmlich dazu, daß in jener leidenschaftlich erregten Zeit Jedermann mit Beruhigung und Vertrauen zu ihm hinaufblicken konnte, und seine ehrliche Seele, sein klarer Geist, wußte 'in allen Lagern Achtung zu gebieten. Sein ehrlicher Charakter trat aber erst so recht präzise hervor, als er. durchdrungen von der Unschuld der Verklagten, die Anklage fallen ließ und er — wie jeder unerschockene Wahrheiiskämpfer — von Angriffen zu leiden hatte. Doch trotzdem auch ihm Beschuldigungen und Angriffe nicht erspart blieben, verstiegen sich diese nie bis zu Zweifeln an seiner Korrektheit und an der Redlichkeit seiner Ueberzeugung. Nach Beendigung des großen Prozesses wurde Szeyffert bald Kurialrichter, in welch' hervorragender Stellung er bis zum heutigen Tage wirkte, uw sich nun nach redlicher Arbeit, unter Allerhöchster Anerkennung seiner Verdienste in den wohlverdienten Ruhestand zurückzuziehen. Adolf Altmann. R.-K. . ,4 R u 6 1 fl n K Petersburg, im März. Die folgende Statistik beweist wieder einmal mehr, wie schlecht die jüdische Bevölkerung Rußlands von den Schulen bedient wird. Der Schulbezirk von Kiew zählt an PrivatuNd Gemeindeschulen 206 jüdische Elementarschulen, mit einem Bestand von 18,116 Zöglingen, von denen 10,629 Knaben und 2686 Mädchen sind.' Zudem zählt man in den christlichen Privatsch'ulen 710 und in den christlichen Gemeindeschulen 8280 jüdische Kinder. Fügt man die 4010 jüdische Schüler, welche die Lyzeen und Gymnasien besuchen, hinzu, so erreicht man die Summe von 26,116, während im Bezirk Kiew 166,000 jüdische Kinder in dem Alter sind, um eine Schule zu besuchen. Selbst wenn man die 80,000 dazu nimmt, welche das Cheder besuchen, so bleiben immerhin noch mehr als 60,000 jüdische Kinder, welchen jeder Unterricht fehlt.' ' Die Lage ist in Lrthauen nicht besser; hier haben 468 Ortschaften mit zahlreichen Israeliten keine Schule; auch der Religionsunterricht wird dort sehr mangelhaft ertheilt. Doch am beklagenswerthesten ist der'Stand der Dinge in Bessarabien. Nach den amtlichen Mittheilungen des Schulinspektors sind 87 pCt. der israelitischen Kinder von ° den Elementarschulen ausgeschlossen. Dagegen stellt man mit Vergnügen fest, daß der Elementarunterricht in den jüdischen Ackerbaukolonien Fortschritte wacht. Durch das Wohlwollen des Inspektors Elatchich sind dreizehn neue Elementarschulen in d^n südlichen jüdischen Kolonien gegründet worden. F c u i 1t t i a Ä. indling. VSN Woberk Käntein. XVIII. 126 Acht Tage waren feit dem Tode des Baron von Korff dahingegangen. Pater Firmian war zur feierlichen Beisetzung zurückgekehrt, ebenso waren Abrahams Schwiegereltern zur Bestattung herbeigeeilt, außerdem eine große Zahl mehr oder weniger nahestehender Freunde und Bekannte. Dieselben waren in den jüngsten Tagen alle im Schlosse des Barons uniergebracht. was für Abraham eine so aufregende Zeit war. daß er bis jetzt nicht dazu kommen konnte, mit Pater Firmian eingehend sich auszusprechen. Dagegen hatte er bei dieser Gelegenheit einen alten Freund gesprochen, den Grafen Dundukoff; aber was er von ihm erfahren, mußte seine ohnedies trübe Stimmung noch wesentlich steigern. > Abraham benutzte die Anwesenheit des Grafen, um ihm, dem eigentlichen Vermittler seines Glückes, seinen Dank auszusprechen, und erkundigte sich bei dieser Gelegenheit nach seinen Pflegeeltern. Was er da erfuhr, traf ihn wie ein Blitzstrahl aus heiterem Himmel. Abraham hatte dem Grafen gar kein Hehl daraus gemacht, daß er die Absicht habe, jetzt, nachdem er selbstständig und frei sei, selbst den Verwalter und seine Familie aufzusuchen, und ihnen auf der Hochzeitsreise eventuell seine junge Frau vorzustellen. Mit diesem Plane trug sich Abraham schon lange und er freute sich wie ein Kind auf dessen Ausführung. „Das wird nicht wohl gehen," entgegnete gedankenvoll der Gras. „Wie oft habe ich mit meinen Leuten davon gesprochen, und ich lasse es mir nicht, nehmen, seitdem Sie das Haus des Verwalters Feiwe! Schick verlassen haben, ist das Unglück bei ihm eingezogen. Das Unglück hat ihn von seiner Stelle verjagt, das ist jetzt schon ca. acht Jahre her, wo er heute ist, ob er überhaupt noch lebt, ich weiß'es nicht." „Das Unglück hat ihn von seiner Stelle gejagt?" wiederholte Abraham mit einem leisen, vorwurfsvollen Anflug. „Das Unglück war doch nicht sein Gutsherr, der waren doch Sie, Herr Graf, von seiner Stelle könnte ihn doch niemand anders jagen, als Sie selber?" „Das ist schon recht, lieber Freund," entgegnete der Graf. „Aber ich stand vor der Wahl, mich selber zu rrriniren, oder meinen Verwalter zu entlassen, und da. wird mir's Niemand übel nehmen, wenn ich so handelte, wie ich handeln mußte. Lassen Sie sich nur erzählen, wie das alles kam. Wenige Wochen, nachdem Sie das

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.