Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1903-03-19 · Heft 22 (19.3.1903) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 22 (19.3.1903)
Date
1903-03-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2446951-2449890-2449912--57860-3521599
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Vradl besucht. Die lange Zeitdauer seines Ausbleibens fiel dann aber doch auf, und die Verwandten desselben und sogar die Staatsanwaltschaft in Deggendorf entwickelten die eifrigste Thätigkeit, um über den Verbleib des David Vermann etwas zu erfahren. Für seine Auffindung, ob todt oder lebend, hatten seine Angehörigen eine Belohnung von 400 Mk. ausgesetzi. aber alle Bemühungen waren vergeblich. Da auf einmal verbreitete sich die Kunde von der Verhaftung des Karl Bradl und dessen Sohnes, des Schneiders Max Vradl. wegen des dringenden Verdachts, an Vermann einen Raubmord verübt zu haben. Die Fama erzählte allerlei Märchen über die Art und Weise des Todes des Vermann. Durch die sofort energisch betriebene Untersuchung stand fest, daß Vermann in der Werkstätte des Bradl ermordet und beraubt wurde. Auch hatte man Anhaltspunkte, daß die Leiche des Ermordeten in den Regenfluß versenkt oder auch vergraben wurde. Ein paar Tage später wurde auch noch der 15jährige Adolf Bradl in's Untersuchungsgefängniß nach Degqend?rf abgeführt. Atn 30. Dezember verbreitete sich das Gerücht, Max Bradl habe einenr Mitgefangenen gegenüber das Geständniß abgelegt, daß er gemeinschaftlich mit seinem Vater den Vermann ermordet habe. Auch die Ehefrau des Karl Bradl, die Sattlermeisterfrau Josefa Bradl, und eine Tochter derselben, wurde eingezogen. Inzwischen hatte man überall im Regenflusse nach der Leiche des Vermann gesucht, sogar nachts, aber alle Bemühungen in dieser Hinsicht waren erfolglos geblieben, ja es lang schon der Gedanke nahe, die Mörder hätten die Untersuchungsbehörde irregeführt und vielleicht die Leiche irgendwo in die Erde verscharrt.' Es wurden auch im Anwesen und Stadel des Bradl Grabungen vorgenommen, aber die Leiche kam nicht zum Vorschein. Da endlich, nach einem Vierteljahre, am 10. Januar, wurde dieselbe bei Chamerau schwimmend im Eisgänge im Regenflusse treibend gefunden und geborgen. Die Untersuchung führte aber dazu, daß die Vradl'schen 'Eheleute und deren zwei Söhne vor das Schwurgericht verwiesen wurden.. und zwar: Karl Bradl, Sattlermeister von Viechtacb, beinahe sechzig Jahre alt, und Veteran der Feldzüge 1866 und 1870/71, sowie dessen 22jähriger Sohn Max- Bradl, led. Schneider von dort, wegen des an Vermann verübten Raubmordes, dann Josefa Bradl, die Fran des Karl Vradl, 49 Jahre alt, und deren 15jähriger Sohn Adolf Vradl, wegen Begünstigung zu obigem Verbrechen. Den Dorsch dieser zweitägigen Verhandlung führte der Rath am k. Ober- . landesgericht Wunderer, die Anklage vertrat der k. Zweite Staatsanwalt Wießner, die Vertheidigung führten für Karl Vradl Rechtsanwalt Seidenböck, für Max Bradl Rechtsanwalt Segl, und für Josefa und Adolf Bradl Rechtsanwalt Rußland und Rechtspraktikant Schul, sämmtlich in Straubing. Der Zudrang zu dieser Verhandlung seitens des Publikums war ein außergewöhnlicher und waren zur Aufrechterhaltyng der Ordnung und Sicherheit im Schwurgerichtssaale, sowie im Gerichtsgebäude selbst umfassende Maßregeln getroffen und eine ungewöhnliche Anzahl von Gendarmen und Sicherheilsmännern Aufgeboten. - Das Urtheil lautete: Der 60jährige Sattlermeister Karl Vradl und dessen 23jähriger Sohn, der ledige Schneider Max Vradl, werden wegen Raubmordes, verübt an dem Geschäftsreisenden David Bermann, zum Tode verurtheilt. Die Ehefrau Josefa Bradl und der 15jähr1ge Sohn Adolf Bradl, gegen die dir Anklage der Begünstigung erhoben war, wurden freigesprochen. Oesterreich. Wien. (Verleihung des Elisabeth- Ordens.) In der „Wiener Zeitung" wird berichtet, daß der Kaiser Frau Rosalia Goldschmidt, Hausbesitzerin in Wien, den Elisabeth-Orden zweiter Klasse verliehen hat. Frau Rosalia Goldschmidt ist die Wittwe des am 26. Februar v. I. verstorbenen Privatiers Karl Goldschmidt, der vormals Inhaber der Wirkwaarrnfirma Goldschmidt L Langfinger war. Herr Goldschmidt vermachte testamentarisch dem kunsthistorischen Hofmufeum eine sehr werthvolle Sammlung alter Kunstgegenstände, die nach dem Ab^ leben der Hinterbliebenen Wittwe in das Eigenthnm des Museums übergehen sollte; außerdem verfügte er, daß das am Schottenring Nr. 25 befindliche, ihm gehörige Haus nach dem Tode seiner Frau der Israel. Kultusgemeinde für wohlthätige Zwecke zufallen solle. Frau Goldschmidt, die persönlich sehr einfach lebt, aber reiche Mittel für humanitäre und wohlthätige Zwecke verwendet, hat nun die Bestimmung getroffen, daß die Schenkung ihres verstorbenen Gatten an das Hofmuseum bereits zu ihren Lebzeiten vollzogen werde, und hat die werthvollen Kunstgegenstände, in deren Besitz das Hofmuseum erst nach ihrem Tode treten sollte, vor kurzer Zeit demselben übergeben. - Ungarn. CperjeS, 12. März. (Eine dekorirte Persönlichkeit aus dem Tißza-Eßl a r e r Prozeß.) Die jüngste amtliche Meldung des „Közlöny" bringt uns den Rainen eines Mannes, d«>r während des großen Prozesses eine bedeutende Rolle gespielt, in Erinnerung. Nach genannter Meldung hat Se. Majestät dem Kurialrichter Eduard Szeyffert aus Anlaß seiner selbsterbetenen Pensionirung in Anerkennung seiner auf dem Gebiete der Justizpflege geleisteten, treuen, eifrigen und ersprießlichen Dienste das Ritterkreuz des Leopold-Ordens verliehen: -\;r;y Wie aller Welt bekannt ist, war der Name Eduard Szeyffert im Jahre 1883, zur Zeit des Blütbeschuldigungs-Prozesses, ein vielgenannter. Szeyffert, der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.