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Der Israelit · 1902-05-22 · Heft 41 (22.5.1902) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 41 (22.5.1902)
Date
1902-05-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Inmitten solch' verdienstvoller Thätigkeit. im glücklichen Genüsse der M'27 im Familienkreise, der sie stets als allverehrten Mittelpunkt hochschätzte und in gesegnetem schönen Alter wurde die edle Verblichene ihrer Familie und unserer Gemeinde entrissen. Die allgemeine Trauer bekundete der unabsehbare Zug, welcher die Verstorbene zum Grabe geleitete. Dem Schmerz der Familie und der Trauer der Gemeinde gaben in wehmuthsvollen Worten Herr Rabbiner Dr. Marx hier und dessen Sohn, Herr Rabbiner Dr. Moses Marx m Recklinghausen, beredten Ausdrück, zugleich in markigen Zügen das vorbildliche Wirken und den trefflichen Charakter der theuren Schwiegermutter und Großmutter schildernd. Möge der Allgütige der trauernden Familie reichen Trost gewähren und uns allen Kraft geben, das Wirken der edlen Frau in jeder Hinsicht fortzusetzen, um das dauernd gesegnete Andenken derselben zu ehren für das Wohl unserer Gemeinde und des Judenthums! L. Zabcrn, 11. Mai. Die zionistische Vereinigung Straßburgs hat heute auch hier den Versuch gemacht, in Aktion zu treten, und der Erfolg ist als ein ebenso glänzender zu bezeichnen, wie er vor drei Wochen in Hagenau gewesen. Nahezu 40 Mitglieder der hiesigen Gemeinde schlossen sich noch an diesem Abend der Bewegung an. Wenn anderswo die gesetzestreuen Juden der Bewegung weniger Sympathien entgegengebracht haben, und das gewiß nicht'mit Unrecht — denn der Zionismus wird noch wohl manche Metamorphosen an sich vollziehen lassen müssen, bis er von seinen Schlacken geläutert ist, um auch dem Juden, der auf dem geheiligten Boden der Thora und der Gebote steht, mundgerecht zu werden — so muß diese Bewegung hier im Reichslande als eine Wohlthat für die Juden begrüßt werden. Die elsässischen Juden sind leider seit einer Reihe von Jahren in einem solchen Jndifferentismus befangen, sind so jeglichem Idealismus, ja jeden Glaubens bar, daß jedes idielle Streben, welches deren Herzen in Bewegung zu setzen vermag, als eine willkommene Erwachung aus der Erstarrung angesehen werden muß. Der Referent der Zionisten war ein Herr Dr. Dannenberg, der mit glänzender Beredsamkeit der Versammlung Aufschluß über die Ziele und Aufgaben des Zionismus gab. Aus dessen Rede, die sich sonst in den Bahnen der bekannten Redeweisen der zionistischen Aktionsredner bewegte, ist besonders hervorzuheben, daß er betheuerte, der Zionismus habe nur dann auf endgiltigen Bestand zu rechnen, wenn er dessen Bethätigung auf den Nährboden der Thora und der Tradition stellt. Man suche keinesfalls im Streben des Zionismus ein Vorgreisen der Vorsehung. Wenn man sich bestrebt, der Noth und dem Elend des isr. Volkes durch Gründung einer Heimstätte entgegen zu arbeiten, hat man lange noch nicht das Ideal des Messias, wie unsere Propheten es so erhaben schildern, für diesen Wirkungskreis erreicht. Esra und Nehemia hatten mit der Zurückverpflanzung der damaligen Juden auf den geheiligten Boden Palästina's niemals für sich die Bedeutung des wenn ibs beansprucht. . An diesen Vortrag schloß sich eine Diskussion an.; Herr Rabbiner Staripolsky betonte in seiner Auseinandersetzung, daß der gesetzestreue Jude keiner Anregung der zionistischen Bewegung bedürfe, um an Zion zu denken. Sein tägliches Gebet ist Zion; sein ganzes geistiges Leben befindet sich auf dem geheiligten Boden Zions, der ihm Halt und Stütze in den finstern Zeiten der Diaspora geworden, und Töne der tiefsten Bewegung bei ihm hervorruft, mitten im Jubel seiner Freudenfeste. . ' Auch die Kolonisation Palästinas ist. keine neue Idee des Zionismus. tow p* v-.v' war von jeher das unausgesetzte Streben der für Gott und Seiner hl. Thora begeisterten Männer gewesen. Doch vermag er seine Anerkennung dieser Bewegung nicht zu versagen, wenn er ihre Erfolge, die sie in solchen Kreisen erzielt habe, wo der Namen „Jude" als Brandmal und Fluch ihres Lebens betrachtet wurde, aufmerksam verfolge. Er würde es daher gerne sehen, wenn jeder zweite Jude Zionist wäre; denn vielleicht würde das zionistische Ideal sie für die Gotteslehre und die Gebote entflammen und begeistern. Die Zionisten mögen aber nie Theorie von Praxis trennen; denn nur . im Kreise der Gotteslehre und in Ausübung der Gottesgebote und jüdischen Pflichten ist ein jüdisches Ideal denkbar, denn rnBn 1202*02 svL. ' (Vielleicht mausert sich der Zionismus noch soweit, daß auch wir uns freundlicher zu ihm stellen können, die neuerliche Massenverbreitung der Nordau'schen Broschüre: „Was ist der Zionismus" ist noch nicht dazu angethan, in den Kreisen der gesetzestreuen Juden der zionistischen Sache, neue Freunde zu gewinnen. Red. d. „Israelit.") - - Italien. Nom, 18. Mai. Der neue ital. Kriegsminister, Josof -Ottolenghi, war der militärische Erzieher des jetzigen Königs von Italien. I. Ottolenghi, - der zuletzt ein Armeekorps kommandirte, ist Jude. Er ist übrigens — wie die „Voss. Zeitg." hervorhebt, nickt der erste Jude, der Mitglied eines italienischen Ministeriums wird; auch Luzzatti und Wollemborg sind Juden. Die Zulassung der Juden zu den höchsten Staatsämtern Italiens ist auch keine Errungenschaft der jüngsten Zeit. In dem Lande, dessen Verfassung in ihrem ersten Artikel, die „katholische, apostolische und römische Religion" als einzige Staatsreligion bezeichnet, während andere Kulte nur als tolerirt gelten, hat schon vor mehr als 4Q Jahren der Graf Cavour Juden von hervorragender Tüchtigkeit in seine-Nähe gezogen und ihnen Vertrauensämter im Bereich des Ministeriums des Auswärtigen übertragen. Einer von ihnen war der

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