Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 39-40 (15.5.1902)
- Date
- 1902-05-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Herzigkeit würde die Ausstellung ohne Zweifel ein weit besseres Bild der gewerblichen Thätigkeit des Landes abgegeben haben. Zu' dem Fiasko trug dann ferner bei, daß die jüdische Bevölkerung sich von dem Besuche der. Ausstellung gänzlich fernhielt. Die Bedrückung der rumänisch-jüdischen Handwerker u. die Erschwerungen, welche man ihnen bei der Ausübung ihres Gewerbes in den Weg legt, sind nicht nur ein schweres Unrecht gegenüber diesen fleißigen Menschen, sondern auch eine überaus kurzsichtige Maßregel,, welche der ganzen Entwickelung des Landes nur schaden kann. Rußland. v Wilna, im Mai. (Feuer im Ghetto.) Kaum hat der Frühling seine ersten wärmenden Strahlen entsendet und schon hat der Würgengel der russischen Juden diesen seine Visitenkarte abgegeben. Die Saison ' der Brände wurde in diesem Jahre mit der Vernichtung der Ghetto's von Bobruisk, Gouvernement-Minsk, Anikesti im.Gouvernement Kowno und Dzalosice im.Gouvernement Kielce begonnen. In der letzteren Stadt, welche , am 29. April ein Opfer der Flammen . wurde, sind auch zehn Kinder verbrannt. Das Feuer entstand in einer am Marktplatze gelegenen Bäckerei und verbreitete sich bald über den ganzen umfangreichen Platz, nebst den umliegenden Straßen. Verbrannt wurden 200 Häuser nebst zahlreichen Läden, mitsammt den in denselben aufgestapelten Maaren. 430. Familien sind obdachlos und über 1500 Seelen brodlos geworden. Auch das. jüdische Krankenhaus ist ein Raub der Flammen geworden, so daß die beim Brande verunglückten Personen keine Unterkunft fanden und über 12 Stunden mit gebrochenen Gliedern auf den Straßen herumlagen. T. Anmerkung der Redaktion: Das Elend und die Armuth, die in diesen Städten herrscht, spottet jeder Beschreibung. Verschiedene ^rvörragende russische Rabbiner haben, sich bereits . an uns gewandt, damit wir die Brüder in Deutschland, zur werkthätigen Hilfe auffokdern mögen. Wir kommen diesem Wunsche hierdurch nach' und bitten gleichzeitig die Herren Rabbinen, Sammlungen einzuleiten'. Warschau, 12. Mai. Endlich haben wir auch in vem trüben stehenden Wasser, in dem das Leben unserer Gemeinde sich nur langsam und schwerfällig vorwärts bewegen kann, zwei Ereignisse, zu verzeichnen, die, will's Gott, in.Zukunft einen dauernd wohlthätigen Einfluß auf dieärmeren» der. Hilfe so sehr bedürftigen Schichten der jüdischen . Bevölkerung aüsüben werden... . Das erstere dtsrselben ist die' Gründung.einer jüdischen .Ackerbaüfchuse in Ezestöniewo. der ersten im Königreich Po-, lei deren Eröffnungsfeier gegenwärtig stattfand. und zu ^r äußer änderen auch der Delegierte des KolonisatioNsocreins C. A." aus Paris eingetroffen, war.. Vorerst, wurden 34 Knaben aus Warschau und sechs aus der Umgegend von Czrstoniewo ausgenommen und hofft man, daß die Schüler dieser Anstalt es als ihre Pflicht betrachten werden, die jetzt noch so gern wiederholte Behauptung, Juden seien zum Ackerbauuntauglich, glänzend Lugen strafen. - - < - -5 .v Das zweite, befriedigende Ereigniß ist die vollkommene Fertigstellung des neuen jüdischen Hospitals. Am 1. Mai d. I. wurde dasselbe sowohl von den Kranken, wie von Beamten und Dienstpersonal in Besitz genommen. Diese Zufluchtsstätte für die. leiden'oe Menschheit, deren Bau 1,200,000 Rubel gekostet har, ist mit peinlicher Berücksichtigung der Forderungen der zeitgenössischen Hygiene und Wissenschaft, und —-- sagen wir es auch — mit innigem Mitleid errichtet worden. So steht denn auch zu erwarten, daß die Kranken nicht nur ihre Gesundheit daselbst wiedererlangen, sondern auch das tröstende Bewußtsein, daß ihre besser gestellten Glaubensbrüder sie nicht nur mit einem erzwungenen Almosen - abfinden, sondern mit brüderlichem Gefühl ihnen helfen und ihre Leiden nach Möglichkeit lindern wollten, ein Bewußtsein^ das unbedingt dazu beitragen wird, die Kluft zwischen den Besitzenden und den Besitzlosen wenn auch nicht zu Überdrücken, so-doch zu verkleinern. .. . . Vermischtes. Hamburg, 12. Mai. In London starb unlängst ein wohlhabender Schneidermeister MS. W. In seinem Testamente setzte er dem hiesigen Jsr. Krankenhause.ein Legat von Hundert £ aus und zwar aus Dankbarkeit, weil er daselbst im Jahre 1845, als armer zugereister Schneidergeselle. halb erfroren und krank freie und liebevolle Aufnahme gefunden, von wo aus er geheilt und gestärkt entlassen worden war. In England hatte er Glück und als es mit ihm zu Ende ging, erinnerte er sich der Wohlthat, die er hier genossen. Sein Name wird jetzt den Wohltbäteru des Institutes einverleibt werden. niSD msö "OEf. H. B. Mülhausen (Elsaß.) (Israelitische Gewerbeschule des Oberr-Elfaß in Mülhausen.) Die Einnahmen beliefeu sich auf M. 18,719.80. Die ÄusgaVeu auf M. 13,857,40 Die Ausgaben vertheilen sich für 37 Zöglinge auf 12,200 Tage — außer dem Anstaltspersonal —, so daß auf den Tag M. 1,05 entfällt für Kost, K eidrmg,' Unterricht, Wäsche, H-izung, allgemeine Spesen n s. w. Langenselbold, Die Eheleute Jacob Hamburger und dessen Frau Betti. geb. Kauffmann begehen am Sonntag, den 26. Leg-Boaum:r das seltene Fest der goldenen Hocdzeit in Gesundheit. . . Schrkmm. Dem Bericht über die rituelle Verpfleguna der jüd. Insassen der Landarmenanstalt, vom '1. Mat 1901 bis 30. April 1902 entnehmen wir: Es wurden verpflegt 7 Monate je 3 Personen und 5 Monate ' je'4 Personen. Die Einnahmen betrugen M.. 981,' die bis auf M. 3 ausgegeben wurden. . - .v^ - Straßburg f. E. Die israelitische gegenseitige.Unterstützungs-Gesellschaft hatte 1901 eine Einnahme von M. 5469 und eine Ausgabe'von M. 4346. Die Gesellschaft zählt 134 Mitglieder: " Rom. Unser Glaubensgenosse Divisions-General Ott<^ lenght ist durch königliches Dekret zum Generalissimus der italienischen Armee im Kriegsfälle ernannt worden,, womit ihm zugleich der Rang eines Feldmarschalls verstehen wurdet' General Ottolenghi war bekanntlich der militärische Erzieher des Königs Viktor Emannel II. Nach den neuesten Meldungen wurde er auch zum Kriegsmimper ernannt.