Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 39-40 (15.5.1902)
- Date
- 1902-05-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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837 - David von Guttmann eröffnet« die Versammlung mit einer kurzen Ansprache und erthMte dem Sekretär Dr. A. Kaminka das Wort zur Verlesung des Rechenschaftsberichtes. Derselbe beschäftigte sich hauptsächlich mit der durch die rumänische Krisis hervorgerufenen Situation und konstatirt, daß durch die Allianz über 3500 Auswanderer' nach Rotterdam befördert wurden. Die Ausgaben der Allianz beziffern sich aus 224,000 Kronen und ergibt sich ein rechnungsmäßiges Defizit von 96,000. Kr.; v - Ungarn. Budapest, 12. Mai. In der heutigen Sitzung der ungarischen Delegation erklärte Gras Goluchowski aus eine Anfrage des Delegirten Falk, daß wir keinerlei Recht haben, uns in das Vorgehen der rumänischen Regierung wegen des Gewerbegesetzes einzumengen, weil die dortigen Israeliten schon seit 1888 nicht unsere Schutzbefohlenen seien. Die Regierungen von Oesterreich und Ungarn haben aber Maßregeln getroffen, um die Einwanderung von Massen erwerbsloser Elemente abzuwehren. Es sei in dieser Beziehung dem Gesandten in Bukarest entsprechende Weisung gegeben, und man habe auch von Rumänien beruhigende Erklärungen bekommen. Rumänien. Bukarest, 7. Mai. (Die Auswanderung von Israeliten.) ' Da sie die Thatsache einer Massenauswanderung von Juden aus Rumänien nicht in Abrede stellen können, suchen einige hiesige Blätter die Bedeutung dieser Emigration für das wirihschaftliche Leben des Landes dadurch zu vermindern, daß sie die Behauptung ausstellen, es seien zumeist arbeitsscheue israelitische Stromer, die nicht nach Rumänien zuständig sind und die Gelegenheit benutzen, aus fremde Kosten nach Amerika zu kommen. Diese Behauptung ist grundfalsch, und wird durch die Bedingungen, welche die unter dem Schutze und mit Unterstützung der „Aliance israelite" und der „Jca" jenseits des Atlantischen Ozean? anzusiedelnden rumänischen Israeliten zu. erfüllen haben, in beweiskräftigster Meise widerlegt. Zunächst hat jeder Auswanderungslustige bei seiner Eintragung in die gesellschaftlichen Emigrationslisten einen Reisebeitrag von 150 Francs unter gleichzeitiger Beibringung amtlicher Beweise für seine rumänische Abkunst zu erlegen. Und zwar haben junge Leute bis zum vollendeten 19. Jahr ihren Geburtsschein vorzulegen, während von Auswanderungslustigen, welche über 21 Jahre alt sind, die Vorweisung eines die Erfüllung ihrer Militärstellungspslicht in Rumänien bezeugenden Dokumentes gefordert wird. Außerdem hat sich Jeder, der auswandern will, einer von mehreren, hiezu besonders -bestimmten Aerzten vorzunehmenden körperlichen Untersuchung zu unterziehen, da nur gesunde und arbeitsfähige Männer in die Auswanderungsgesellschasten ausgenommen werden. Junge Leute im stellungspflichtigen Alter sind prinzipiell von der Eintragung in die gesellschaftlichen. Emigrationslisten ausgeschlossen. Daß trotzdem manche zu, dieser Kategorie gehörige junge Männer sich aus privatem Wege die Behelfe zur Auswanderung zu verschaffen wissen, scheint aus einer Meldung hervorzugehen, der zufolge bei der letzten Vorrusung. des Jaffyer Rekrutenkontingents an 40 pCt. der Stellungspslichtigen gefehlt haben sollen. Die Auswanderer werden mit rumänischen Pässen versehen und legen die Fahrt nach Rotterdam via Budapest—Wien unter Ueberwachung und Schutz besonderer Vertrauensmänner der oben erwähnten großen israelitischen Wohlthätigkeitsvereine zurück. Je nachdem die Emigranten in ihrer.'neuen Heimath ein Handwerk betreiben oder ' sich ' mit der Landwirthschast befassen wollen, werden sie entweder 'nach dem Innern der Vereinigten Staaten .'oder, nach Kanada gebracht. Emigranten, welche sich nach New- Aork begeben wollen, wo sich bereits an 25,000 rumänische Israeliten befinden,/werden nicht in die gesellschaftlichen Auswanderungsgruppen ausgenommen, sondern müssen ihr Glück aus eigene Rechnung und ©e* führ versuchen. Recht günstig lauten die Nachrichten aus Kanada, wo die Regierung den Ansiedlern außer je 180 Acker Land zur Bewirthschaftung jede, mögliche Erleichterung der Ansässigmachung gewährt. — Welchen Schaden Rumänien durch die Auswanderung jüdischer Handwerker erleidet, /', mag. man u. A. auch aus einer Zuschrift erkennen, welche/das in Berlin erscheinende Wochenblatt „Nation" von einem „protestantischen Großindustriellen, der zugleich in unserem öffentlichen Leben eine hervorragende Stellung einnimmt", erhält und in der es heißt: „Als genauer Kenner des Landes kann ich nur bestätigen/ daß sich dort das Handwerk zum großen Theil in den Händen der jüdischen Bevölkerung befindet. Tapezierer, Buchbinder. Schneider. Maler u. s. w. sind in. großer Mehrzahl Juden, und in einer Anzahl von Orten würde man vergebens in manchen Grwrrbeii einen christlichen Handwerker suchen. Es gibt deren noch unter den eingewanderten Oesterreichern,. Ungarn und Deutschen, auch einige Italiener, aber die. rumänische Bevölkerung betreibt in ihrer großen Mehrzahl den Ackerbau und nur in den größeren Städten hat sie sich nach und nach auch dem Handwerk und dem Gewerbe zugewandt. Vor einigen Jahren hat man in Bukarest den Versuch gemacht, eine Industrie-Ausstellung zü veranstalten. Sie ist auch zü Stände gekommen, machte aber einen überaus kläglichen Eindruck -—weil man keinen Juden als Aussteller'zugelassen hätte. In einer besonderen Abtheilung stellten diejenigen aus, welche nach Rumänien lieferten, und zu dieser Ausstellung wurden auch jüdische ausländische Firmen zugelassen. Ohne solche bedauernswerthe Eng-