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Der Israelit · 1902-05-15 · Heft 39-40 (15.5.1902) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 39-40 (15.5.1902)
Date
1902-05-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Abends versammelte sich eine stattliche Schaar zu einem festlichen Mahle.! Enkelkinder des Greises suchten ihren geliebten Großvater durch kleinere Vortrage zu erfreuen. Herr em. Lehrer Wolfs richtete sodann einige Worte an den Jubilar und rühmte sein talmudi- - sches Wissen, seine Menschenfreundlichkeit und sein beglückendes Alter. Tief bewegt dankte der Gefeierte allen Anwesenden. Möge der Jubelgreis sich noch eines sehr hohen Alters in üngeschwächter Kraft und Lebensfrische erfreuen! - AuS Württemberg. Auf die Korrespondenz in Nr. 38 des „Israelit" vom 12. Mai d. I.. iv'v und pfrwi betreffend, ist. eine Ergänzung resp. Berichtigung dringend nothwendig. Der Einsender jenes Artikels hat jedenfalls nicht erwogen, daß er die Israeliten Württembergs mit seinem Bericht in Mißkredit bei der gesummten Judenheit bringt, obgleich die Israeliten in Württemberg in keiner religiösen Beziehung hinter denen anderer Länder zurückstehen. Das ist sicher bedauerlich, daß überall die pVcn jvxö nicht . pünktlich erfüllt wird, nicht bloß in Württemberg. Da ist es aber Aufgabe der Lehrer— und der Einsender scheint uns ein Lehrer zu sein — belehrend einzutreten, besonders in Hinsicht daraus,- daß sie die Knaben zur .niLv 12 vorzubereiten haben und gerade bei der Jugend muß angefangen werden, planmäßig zu bessern, wenn es besserwerden. soll. Mit bloßen Lamentationen ist aber gar nichts geholfen. Bei Anschaffung der Tefilin, die der Lehrer gewöhnlich besorgt oder worüber er doch wenigstens gefragt wird, ist es leicht, das richtige Kopfmaß anzugeben und damit ist dann dem ganzen Nebel abgeholfen. Daß der Lehrer auch das Lösen und Knüpfen des pVwi itrp und dergleichen anderer praktischer, religiöser Sachen, m -Anmachen u. s. w. versteht, wird ihm nichts schaden, aber wir glauben, daß deßwegen nicht die gesammte Ausbildung des Lehrerstandes in ändere Bahnen geleitet werden muß. Auch die Notiz ivD betreffend, ist nicht richtig. Der verstorbene Lehrer Eppstein war vor allem Lehrer und dann erst auch Sofer. Es sind uns aber außerdem — allerdings auch nicht als eigentliche Sofrim bloß, so doch in dieser Hinsicht vertrauenswürdig gerade im Jagstkreis bekannt: Moses Falk in Oberdorf und der Schochet Ehrlich iy Mergentheim. Ein Sofer, wenn er nicht einen besonderen Namen hat, er mag wohnen, wo er.will,, hat äußerst wenig Aussicht, als solcher sein Fortkommen zu finden. Neue Sefer Thoros, neue ... Thefilin, Talis u. s. w. werden so billig von den ein- . ,. schläglichen Geschäften in Frankfurt a. M. und.andersr wo oder, was noch, schlimmer -ist — besonders -bezüglich ^.:'...^der Tefilin. — Hon. herumziehenden Händlern.gekauft, däß ein Sofer. nicht , aufkommen kann. Wer läßt seine -' i ÄWn Regelmäßig schwärzen oder in einem Zeitraum von. sieben Jahren mindestens zwei Mal Nachsehen, schickt solche zu diesem Zwecke, gar an einen anderen Ort? So Mancher tragt ein Paar Tefilin von seiner Bar-Mizwoh an sein ganzes Leben hindurch, bis sie grau und gebrechlich oder gar in der primitivsten Art geflickt worden sind, obgleich man schon um 3^—4 Mark ein Paar neue haben kann. . Am sonderbarsten aber muthet uns noch das Anrufen des Kirchenrathes Dr. Kroner vom Einsender jenes Artikels an. Der Mann wird sich bedanken, immer als Sündenbock hingestellt zu werden, für andere die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Der Herr Doktor hat in seinem Rabbinat Stuttgart jedenfalls genug zu bessern und als Allheilmittel gegen die allgemeine religiöse Gleichgiltigkeit haben wir weder ihn. noch die gefetzestreuen — andere kennen wir übrigens in Württemberg nicht — Rabbiner, noch die berüchtigten inländischen und die bevorzugten ausländischen Lehrer kennen gelernt. - .. Oest er ret ch. Wien, im Mai. (An die Adresse der Wiener Kultüsbehörde!) ^Dem „Jüd. Volksblatt", dem wir die Verantwortung überlassen, wird folgender empörender Vorfall berichtet: Das Wiener Handelsgremium beabsichtigt, ein neues Genossenschaftsgebäude aufzuführen. Zu der engeren Konkurrenz wurden 7 Baumeister, 6 Christen und 1 Jude, aufgefordert, ihre Offerten einzusenden. Die Offerte des Juden war um 11,000 Kr. billiger, als die billigste der anderen Konkurrenten. Die Entscheidung lag in den Händen der Bankommiffion. An der Spitze der Kommission stand der Präses des Gremiums, Herr Kommerzienrath Leopold Pollak, in Firma Hermann Pollak und Söhne. Die Stimmung der Majorität der Kommission war natürlich für das billigste Angebot. Da unterbrach der Vorsitzende Leopold Vollak, Mitglied des Wiener Kultusvorstandes, die Sitzung mit den Worten: „Meine Herren, ich kann es bei den heutigen Zeiten nicht zugeben, daß der Bau einem Juden übertragen wird." Er wirkte-dann persönlich auf die jüdischen Mitglieder der Kommission ein, und es gelang endlich auch dem Kultusvorstande nach heißem Bemühen, daß der Jude präterirt und daß der Bau mit fünf gegen drei Stimmen einem Christen übertragen wurde. Bekanntlich präterirt die christlich-soziale Majorität auch die Juden: sie hat aber das Schamgefühl, es nicht einzugestehen Einem Mitgliede der Wiener Kultusgemeinde blieb es Vorbehalten, jedes Schamgefühl abzulegen und die Strohbach'schen Theorien. in aller Nacktheit in die Praxis nmzusetzen. Die Kultusgemeinde soll das Judenthum schützen; wer aber schützt . das Judenthum vor dieser Kuliusgemeinde?l. , Wien, im Mai. Im Sitzungssaale der jüdischen Kultusgemeinde Hielt die ^Israelitische Allianz" ihre diesjährige Generalversammlung ab, die -stellenweise einen stürmischen Verlauf nahm. - } i

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