Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 39-40 (15.5.1902)
- Date
- 1902-05-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Daches der Mädchenschule bewilligt. Der Abschluß von Miethsverträgen zum Zwecke gottesdienstlicher Veranstaltungen wird genehmigt, ebenso die Abänderung des Statuts des Krankenhauses, sowie die Verträge mit Miethern in den Häusern Kaiserstr. 29/30. Bei Punkt 7: Honorirung der Lehrkräfte an den Religionsschulen entsteht eine längere Debatte. Die Angelegenheit wird einer aus acht Mitgliedern bestehenden Kommission zur Berathung überwiesen. Herr Dr. Alexander wird in die Kommission für festgottesdienstliche und musikalische Angelegenheiten gewählt, Herr Albert Silbermann in den Vorstand der Synagoge Lindenstraße. Um 12 Uhr fand die Einführung des zum Aeltesten-Stellvertreter gewählten Herrn LandgerichtSrathes Karl Pletzner statt. Herr Justizrath Apolant begrüßte denselben mit herzlichen Worten und vereidigte ihn durch Handschlag. Alsdann wurde die öffentliche Sitzung geschlossen. E. R. Frankfurt a. M., im Mai^ Anläßlich des demnächst - hier zusammentretenden internationalen Kongresses zur Bekämpfung des Mädchenhandels ist folgende Reminiszenz interessant: Aus dem Jahre 1897 ist als eine neue- Erscheinung zur Bekämpfung des Mädchenhandels die Bildung eines viergliederigen jüdischen Komitees zu verzeichnen, das auf Veranlassung der Henry Jones-Loge zusammentrat, um den Kampf gegen die Urheber des schmachvollen Handels unter den eigenen Glaubensgenossen aufzunehmen. Das betreffende Komitee verband sich mit der in London bestehenden thätigen „Jewisli Association for tlie protection of Girls and Women“ und gründete an verschiedenen Plätzen des In- und Auslandes Zweigkomitees, mit denen es internationale Beziehungen bezüglich der Beobachtung der Verbrecher etc. unterhält. Dem Herd des Mädchenhandels in Europa, Galizien, hat diese internationale Verbindung durch einen an die dortigen Rabbiner gerichteten, in hebräischer Sprache verfaßten Aufruf beizukommen versucht, der an die Mitarbeit der geistlichen Hirten Israels zur Bekämpfung un§ Ausrottung des Uebels appellirt. Die Arbeit ist in den ersten drei Jahre absichtlich ganz im Verborgenen getrieben worden. Es ist ihr u. a. die Uebersetzung aus dem „Lupanar" zu danken, welche grauenvolle Einblicke in das Treiben der „Kasten" (Bezeichnung der brasilianischen Volkssprache für die Mädchenhändler) gewährt und durch schonungslose Nennung der in Südamerika bekannt gewordenen Mädchenhändler einen werthvollen-Beitrag zur Geschichte des. unseligen Handels mit weißen Sklavinnen. ' Hamburg, 11. Mai. Von dem in Altona an der Königstraße belegenen alten Beth Hachajim der Portugiesisch-Jüdischen Gemeinde, in Hamburg hat letztere auf Anfordern der Altonaer Stadtgemeinde zwecks Straßenverbreiterung " ein 25 Fuß breites Stück von der ganzen Front, worauf etwa 280 alte Gräber aus den Jahrgängen 1640—1680, zum Preise von 20,000/ Mark zu der Berechtigung resp. Verpflichtung der Exhumirung verkauft. (!) Abgesehen davon und das soll auch hier durchaus nicht in Betracht kommen, daß die--' ses Stück Land wesentlich mehr werth ist, hat man hier/ von einer Vertheidigung dieses Heiligihums kaum etwas gehört und die traurige Thätsäche erst erfahren/ als es zu demonstrativem Einschreiten leider zu spät" war. . Hat ja doch die Deutsch-Israelit. Gemeinde ist Hamburg sowohl, wie die Hochdeutsche Jsräeliten-Ge- ‘ rneinde in Altona, als Besitzer und Hüter ihres je für sich separirten Äntheils dieses altehrwürdigen Begräbnißplatzes, ein dringendes Interesse daran, durch solchen durchaus unberechtigten Verkauf nicht ' präjudizirt zu werden, oder einen gefährlichen Präcedenzfall entstehen zu lassen. Zwar hat die. Stadt- ' gemeinde Altona mit Anwendung der Expropriation' gedroht, allein es wäre noch sehr fraglich gewesen, o6.: ihr dieses Recht in diesem Falle von der Krone verliehen; worden wäre, jedenfalls aber war man verpflichtet, erst alle Instanzen durchzugehen, um . dann, event.'eine Ueberbrückung — wie es ähnlich in Ottensen geschehest, — zu proponiren. Jetzt sieht man seit einiger Zeit fremde Arbeiter vnoz unter Aufsicht einiger diese preisgegebenen alten Gräber, worin die ersten Begründer der jüdischen Niederlassung von Hamburg—/ Altona ihre Ruhe finden sollten, öffnen, und die spür-' lich vorhandenen Knochenreste mit, etwas von .der Grabeserde je in einen leinenen Beutel thun und weiter hinein, wo sich noch Platz findet, begraben. Die meisterhaft.ausgeführten und wunderbar erhaltenen nmo mit erhabenen hebräischen und spanischen Jnschriften werden die neuen Miniaturgräber deckest (bekanntlich liegen die rv2R> der v'iivv flach, nicht aufrechtstehend). Ob es Kompetenzstreitigkeiten, Mangel an Initiative und Gründlichkeit, oder Mißverständnisse gewesen, die zu solch betrübendem Resultat geführt^ vermag ich nicht zu ergründen, es kursiren hierüber verschiedene sichv widersprechende Lesarten. Da nun v'rw *np. bekanntlich nana ne» sind, so möchte man wissen, was die portugiesische Gemeinde mit dem Erlös jener 20,000 Mk. beginnen pn* spsa man by pirnw bv v'orwn cbv: 1252 jraia H.V..7, Posen, 11. Mai. Herr Kultusbeamter M a nahe i m hier vollendete gestern seinen 70. Geburtstag? Anläßlich dieses Tages wurden dem Jubilar vielfache: Ovationen, zu Theil. Nach. Beendigung der Margen^ andacht begrüßten denselben der. Vorstand des Humarätätsvereins ' und Deputationen ‘ vieler: Vereinigungen. Hiernach überbrachten Angehörige unst Freunde ihre Glückwünsche und sinnreiche Gaben. Alle'wetteiferten, diesen seltenen Ehrentag zu einem (Festtage zu gestallten. Es zeigte sich ganz deutlich, in welcher Achtung und Werthschätzung der Jubilar in seiner Gemeinde und auch außerhalb derselben in allen Kreise« steht.