Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 39-40 (15.5.1902)
- Date
- 1902-05-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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fast stehlen mußte, um diese Arbeiten niederzuschreiben, zeichnet nach den bereits erwähnten Worten des Professors Javal alle seine Publikationen eine Klarheit des Inhalts und eine Reinheit und Eleganz des Stils aus, wie sie kaum von irgend. einem anderen Mitarbeiter an jenen wissenschaftlichen Zeitschriften erreicht wurde. Ebenso wie seine französische Veröffentlichungen, haben auch seine vielen in hebräischer Sprache erschienenen .Arbeiten nicht zum mindesten durch den glänzenden, klaren und scharfen Ausdruck oft Aufsehen erregt. Er beherrschte außerdem auch die englische und die deutsche Sprache und legte von seinen Kenntnissen in der letzteren eine hervorragende Probe ab in der während seiner Studienzeit bearbeiteten Uebersetzung von Helmholtz' „Physiologischer Optik", eine Arbeit, die Helmholtz selbst als einen Beweis staunenswerther Sach- und Sprachkenntniß bezeichnete. Die persöhnlichen Vorzüge, die er mit seiner Gelehrsamkeit verband, ließen ihn geeignet erscheinen, auch in der Oeffentlichkeit. zu wirken und insbesondere überzeugend und' begeisternd für die Pflege und die Wiederherstellung religiöser Institutionen thätiz zu sein. So ward er denn auch an die Spitze oder in die Verwaltung einer großen Zahl von Institutionen und Vereinen berufen, die sich diesen Zwecken widmen, stand er z. V. über zwanzig Jahre als Präsident und seit einigen Jahren als Ehrenpräsident an der Spitze der Veth- Hamidrasch-Gesellschaft (Societe des Eiudes Tal-, mudiques) und war seit 16 Jahren Mtglied des Consistoire de Paris. Was er in dieser Korporation als einziger Orthodoxe geleistet hat, entgeht stch zum Theil der allgemeinen Kenntniß, nur Weniges ist weiteren Kreisen bekannt geworden, so ist es insbesondere ausschließlich fein Verdienst, wenn trotz der jahrzehntelangen oft gehästigen Agitation der Gegner die 5» in Frankreich nicht verboten worden ist, wenn, wie Herr Oberrabbiner Dreyfuß am Grabe sagte, gar manche Institutionen der Pariser Gemeinde wieder hergestellt oder aufrechterhalten worden sind. Die Aufrechterbaltung bewährter Einrichtungen, die Vereitelung der Vorstöße von Reformfreunden gegen heilige Ueberlieferunaen verdankt die Pariser Gemeinde der prohibitiven Thätigkeit Dr. Klein's im Konsistorium, dessen Wirksamkeit in dieser Körperschaft neben diesem mehr negativen aber auch positive Erfolge erzielte. v - . Daß sein Beruf ihn auch zum Wohlth'äter werden ließ, war. wenn er auch stets seine Wohlthaten zu verheimlichen suchte, längst bekannt geworden. In welch' ausgedelmtem. Maße er. aber nicht nur Arzt und Mohlthater,: sondern im vollsten.Sinne des Wortes Begründer und Erhalter von Tausenden von Existenzen wurde, , chäs beginnt jetzt nach seinem Scheiden nach und nach be- ..rfannt zu wer^n,, Das konnte man auch auf den Zü- .f^en-dervielen Armen lesen, die weinend seiner Bahre Wege zum Friedhofe und. in dem Friedhofe selbst zu Hunderten sich . zwischen den Leichenwagen und die Leidtragenden drängten, als wollten sie damit bekunden, daß sie seiner Fürsorge sich . hatten erfreuen dürfen, wie sie dem nächsten Blutsverwandten nicht mehr gewidmet werden kann, daß sie sich ihm gleich nahe fühlten, als wären sie seine Kinder, um die er sein Leben lang gesorgt und sich aufgeopfert, als folgten sie der Bahre eines liebenden Vaters. w« NIM so rief mit vollem Recht der selbst tief ergriffene Rabbiner Dreyfuß aus, nicht nur im Namen der Gattin und der Söhne, nicht nur im Namen der übrigen Verwandten, sondern im Namen des Konsistoriums, das außerdem durch feinen Präsidenten Baron Gustav von Rothschild (wie wir bereits . in voriger Nummer berichtet), die Verdienste des verehrten Kollegen würdigen ließ, im Namen des Pariser Rabbinats, das in Dr. Klein seinen besten Berather in theologischen und talmudischen Fragen, sehen dürfte, im Namen der Pariser Gemeinde und im Namen der Judenheit Frankreichs, wm wm r&33 klagen mit größerem Recht die v'uw in Paris, als deren Vertreter Herr Rabbiner Weiskopf dem großen Verluste beredten Ausdruck verlieh; denn wer wird wie Dr. Klein eintreten für ihre Ideale, mit gleichem Wissen wie er, mit gleichem Eifer und mit gleicher Unerschrockenheit? Auch für die Familie, die seit dem Tode des Vaters und Großvaters, in seinem Hause mit Stolz das wiedererstandene Vaterhaus sah, ist der Verlust ein gewaltiger. Aber gäbe es für sie einen besseren und wirksameren Trost, als das Bewußtsein, daß «auch sie" einen Verlust erleiden, daß mit ihnen und schwerer als sie die Gesammtheit getroffen ist? Ihnen ist der Gatte ' und Vater, ihnen ist der treuliebende Verwandte nicht gestorben, er lebt in ihrer Mitte fort, wenn sie an dem Vorbild, das sie aus solcher Nähe zu schauenbegnadet waren, zu gleich freudiger und eifriger Erfüllung ihrer Pflichten als Menschen und Juden sich begeistern. — Dies Ziel zu erreichen, wird ihnen durch sein gelingen. rrauiv ZsTLrms§«aHrrchtsrr imd Torresporrderrze». Deutschland. Berlin, 11. Mai. Die Sitzung der Repräsentanten-Versammlung wird mit der Mittheilung eröffnet. daß die Herren Oppenheim und Mannheimer beurlaubt und die Herren Oscar Berlin und I. Bodenstein einberufen sind. Der Verein gegen Verarmung in Berlin hat seinen zwanzigsten Rechenschaftsbericht versandt^ welcher unter die Mitglieder der Versammlung vertheilt wird. .Die Subvention, für die israelitische Erziehungsanstalt Ahlem wird von 600 Ml. auf 800 Mk. erhöht. 600 Mk. werden zur, Reparatur, des