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Jüdische Korrespondenz · 1918-11-21 · 34 (21.11.1918) · page 7

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
4 (1918)
Issue
34 (21.11.1918)
Date
1918-11-21
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 34 Jüdische Korrespondenz. Seite 7 wird. Dem Zionismus stehen sie aber nicht nur mit Mißtrauen, sondern sogar mit verhaltenem Haß gegenüber. Verhalten bleibt der Haß nur deshalb, weil sie es mit England, in dem sie heute einen Schutzpatron des Zionismus sehen, nicht verderben möchten. Eine jüdische Regierung in Palästina würde bei den Arabern Erbitterung Hervorrufen und zu unüberwindlichen politischen Widerständen führen. Ist aber die Sache so gedacht, daß Juden und Araber in gleichem Maße an der Regierung beteiligt sind, so dürste man nicht von einem Judenstaat, sondern nur von einer Palästina-Republik sprechen. Der Haß gegen den Zionismus rühre in erster Reihe aus dem Verdachte her, die zionistische Minderheit konnte unter englischem Schutz die Macht an sich reißen und sie zur Unterdrückung der Araber mißbrauchen. Alles in allem ist die Stimmung der Araber bezüglich des jüdischen Heimes in Palästina durchaus keine freundliche. (Wichtig für ungarische Staatsbürger.^) Wir werden aufmerksam gemacht, daß 'der in Wien, I., Bellariastraße 6, bestehende Verein „Becsi Magyar Egyesulet" auch an jüdische Personen ungarischer Staatsangehörigkeit auf Grund schriftlich einzubringender Gesuche Geldunterstützungen gewährt und Kinderbekleidungen vornimmt. (Gute Erntenachrichten ans Galiläa.) Nach den beim Hauptbureau des Jüdischen Natioualfonds im Haag eingelroffenen Berichten aus Galiläa haben seine Besitzungen, und zwar sowohl die Gelreidefarmen, wie die Pflanzungen ihre diesjährigen Ernten mit erheblichem Reingewinn abgeschlossen. Die Arbeitergenossenschaft Daganiah am Tiberiassee, die schon in früheren Jahren Gewinne ergab, erzielte in diesem Wirtschaftsjahre einen Reingewinn von 65.000 Goldfrancs. Ebenso erfreulich ist, daß die von außerökonomischen Unglücksfällen oft heimgesuchte Siedlungsgenossenschäft Merchawjah im Emek Jsreel zum ersten Male einen Reingewinn von 17.000 Goldfrancs hat. Auch die Arbeiter-Pflanzungsgenvffcnschaft Gan Schmuel in Chederah wird einige Tausend Francs an Reingewinn abwerfen. Die Farm Kinereth wird durch ihren diesjährigen Gewinn alle ihre früheren Berlustk decken. Außer den Farmen haben die Gemüsebau-Gruppen, die mit Hilfe der Notstandsaktion des Natioualfonds finanziert wurden, das laufende Wirtschaftsjahr 5678 sehr günstig abgeschlossen. (Das jüdische Schnlwerk i» Litauen.) Das §üdische Korrespondenzbureau in Bern berichtet: n Wilna hat sich ein Schulkomitee gebildet, dem außer dem Oberrabbiner und einer Anzahl von Mitgliedern des ständigen Rabbinatskollegiums di« Leiter sämtlicher Cheder- und Talmud-Thoraschulen angehören. Dieses Komitee hat sich die Aufgabe gestellt, zunächst das Chederschulwesen zu fördern. Es stützt seine Tätigkeit auf einen Schulfonds, der eine recht beträchtliche Höhe erreicht hat. Die Errichtung eines jüdischen Realgymnasiums in Wilna steht bevor. (Einstellung des „Raswet".) Die Bolsche- Wiki-Regierung hat, wie das Stockholmer Jüdische Pressebüreau berichtet, den „Raswet«, das Zentralorgan der russischen Zionisten, eingestellt. Diese Maßnahme hängt mit der Einstellung der gesamten bürgerlichen Presse zusammen. Die letzte Nummer des „Raswet" war Nummer 30 vom 29. August. (Die jüdische Lage in Rordpalästiua.) Die Mitglieder der Palästinakommission Dr. Eder und Bianchini besuchten die Städte Haifa. Safed, Tiberias und mehrere jüdische Kolonien. Sie konstatierten, daß der Zustand im allgemeinen weniger besorgniserregend ist. als man erwartet hatte. In Tiberias sind jedoch Fälle von Cholera konstatiert worden, so daß über die Stadt die Quarantaine verhängt werden mußte. Großes Elend herrscht unter den Juden von Safed. Biele Juden, die von den Türken aus ihren Wohnorten evakuiert worden find, schen nunmehr ihrer Heimschafsung mit Ungeduld entgegen. 30.000 Pfund Sterling sind sofort für die dringendsten Aufgaben des Hilfswerkes notwendig. Die JngenieureOttinger und Wilkansky sind von der zionistischen Kommission beauftragt worden, eine Reise durch Galiläa zu machen und die dort herrschenden Zustände zu untersuchen. In Jaffa wird gegenwärtig eine jüdische Volksbank organisiert. Revolution und Entthronung in biblischen Zeiten. Im „Hamb. Jsr. Familienblatt" schreibt Herr n: „Wie so oft in dem jetzt zu Ende gehenden Kriege auf den Zeitereignissen ähnliche Begebenheiten und Erscheinungen, von denen die Bibel berichtet, hingewiesen und Vergleiche zwischen dem Einst und Jetzt angestellt wurden, so sei hier auch daran erinnert, daß die Bibel auch schon eine Revolution und Entthronung kennt, die in manchen Zügen an das Ereignis erinnert, das allen unseren Zeitgenossen wohl für immer unvergeßlich bleiben wird. Es handelt sich um den Aufstand der zehn israelitischen Stämme gegen Rehabeam und seine Thronenlsetzung. König Salomo, der Vater Rehabeams, hatte kaum die Augen geschlossen, als die zehn Stämme mit ihren Forderungen an ihn herantraton. „Dein Vater hat uns ein hartes Joch auferlegt, so erleichtere du uns den harten Dienst — und wir wollen dir untertan sein." So lautete, in der Form ruhig und entgegenkommend — in der Sache selbst aber entschieden, ihre Forderung — in der Ausdrucksweise unserer Zeit das Ultimatum, das die Israeliten dem jungen König stellten und zu dessen Beantwortung sie ihm eine Frist von drei Tagen auf sein Ansuchen bewilligten. Und nun setzen die Verhandlungen ein, die Beratungen mit denen, welche von dem Gefühl ihrer Verantwortlichkeit gegen Volk und König erfüllt sind, und denen, die für die Forderung der Zeit noch nicht das rechte Verständnis haben können. Zuerst fragt Rehabeam die Alten, die schon seinem Vater, dem König Salomo, gedient hatten. In ihrer abgeklärten Weisheit und Welterfahrenheit raten sie ihm zur Nachgiebigkeit: „Wenn ’ du dich heute als ein wahrer Diener deines Volkes erweisest und deine Antwort in freundliche Worte kleidest, wirst du dir für allezeit das Volk zu Dienern gewinnen." Aber der junge Fürst geht auch mit seinen Altersgefährten zu Rate, „den Jünglingen, die mit ihm groß geworden waren", wie die Bibel anscheinend mißbilligend bemerkt, die also nicht mehr Erfahrung und Urteilskraft besaßen und auch nicht besitzen konnten — und dennoch den Mut aufbrachten, ihn zu beraten. „Mein kleiner Finger ist stärker als die Lenden meines Vaters. Hat mein Vater euch ein schweres Joch auferlegt, so will ich es noch schwerer machen; hat er' euch mit Ruten gezüchtigt, so will ich euch mit Skorpionen züchtigen? So raten sie — weil sie nicht wissen, daß der allzu straff gespannte Bogen bricht. Und der übel beratene junge König folgt seinen jugendlichen Ratgebern —, und 'so bricht denn das Unheil mit aller Folgerichtigkeit und Selbstverständlichkeit über sein Haus herein. Die zehn Stämme, die sich so tchnöde abgewiesen sehen, erklären ihre Trennung von dem Sambischen Königshause: „Wir haben keinen Teil an David und kein Erbteil an dem Sohne Jsais. Zu deinen Zelten, Israel! Jetzt sorge selbst um dein Haus, David!" — Auch der neue König, Jerobeam, ist schon auf der Bildfläche erschienen. In ihm hatte schon König Salomo den Rivalen seines Hauses erblickt; seine Hand aber hatte ihn, der sich durch rechtzeitige Flucht in Sicherheit zu bringen wußte, nicht erreichen können. Jetzt aber tritt eg mühelos die Herrschaft an, die jugendlicher Leichtsinn und Uebermut freventlich verscherzt hat. Man sieht, die Menschen bleiben dieselben, und die Geschichte ist eine ewige Wiederholung dessen, was sich schon früher ereignet hat. Bemerkenswert ist in dieser Erzählung, daß die Bibel den König als den „Diener" seines Volkes bezeichnet, ganz so, wie einst Friedrich der Große sich den ersten Diener des Staates genannt und Wilhelm II. noch kurz vor dem tragischen Ende seiner Herrscherlausbahn das Kaiseramt als Dienst am Volke bezeichnet hat. n. Oie Tuberkulose unter den Juden. Von Dr. Maurice Fish b erg, New Pork. Vortrag, gehalten am Internationalen Tuberkulosekongreß in Washington. I. Unter den vielen besonderen Eigenschaften, die unter den Juden zu finden sind oder ihnen zu- «schrieben werden, ist die bemerkenswerteste ihre^ ehauplete Immunität gegen die schädlichen Effekte mancher Infektionskrankheiten, speziell gegen Tuberkulose. Aerzte, die hauptsächlich unter lüdischer Bevölkerung praktizieren, haben wiederholt von der Seltenheit der Tuberkulose unter ihnen gesprochen. Die Lebensstatistiken der verschiedenen Länder und Städte haben gezeigt, daß die Zahl der Juden, die an Tuberkulose sterben, verhältnismäßig geringer ist als die der nichtjüdischen Bevölkerung ihrer Umgebung. Schon vor über fünfzig Jahren stellten die Aerzte fest, daß bei Juden die Tuberkulose selten sei; für heutzutage ist bloß feststehend, daß, während an tuberkulösen Juden kein Mangel ist und die jüdischen Lungenheilstätten mit Patienten überfüllt sind und in der Regel viele Patienten aufweisen, die auf ihre Aufnahme in diese warten, noch immer demographische Statistiken zeigen, daß die Tuberkulose im Verhältnis weniger oft die Todesursache abgibt bei den Juden als bei den Nichtjuden in denselben Städten und Ländern. In einem Berichte über die Lebensstatistik der Juden in den Vereinigten Staaten hat das Zensusbureau mitgeteilt,' daß nach einer Untersuchung an 10 618 jüdischen Familien, die 60.630 Personen umfassen, welche am 31. Dezember 1889 in den Bereinigten Staaten lebten, hervorgeht, daß die Sterbezahl an Tuberkulose per lausend Todesfälle unter Juden 36-57, unter f üdinnen 2002 betrug, gegen die entsprechende ahl per tausend von 129-22 Männern und I46'97 Frauen der Bevölkerung in Massachusetts im Jahre 1888. Dies würde zum Schluffe führen, daß die Gesamtbevülkerung von Massachusetts über viermal mehr Sterbefälle an Tuberkulose aufweise als die Juden in den Vereinigten Staaten. Wenn man aber bedenkt, daß das Zensusburean, während es diese jüdische Statistik sammelte, mit einer ausgesuchten Klasse der Bevölkerung gerechnet hat, deren Adreffe es von seinen Agenten erhalten hat, muß man zugeben, daß Vergleiche mit der allgemeinen Bevölkerung zu wenigen seltsamen, ungleichen Resultaten führen mögen. In der Tat waren unter den in obige Berechnung aufgenommenen Juden 18.115 als'von ständiger Beschäftigung aulgeführt, und von diesen waren 14.527 Groß- oder Kleinhändler, Bankiers, Buchhalter, Handlungsangestellte usw-, während bloß 84 als Arbeiter' und 383 als in landwirtschaftlichen Betrieben beschäftigt verzeichnet waren. Solche Gruppe» sollten nur mit gleichartigen anderen verglichen werden, wenn man über die Empfänglichkeit für Tuberkulose ein richtiges Urteil gewinnen will. 1901 studierte ich wieder das Problem in der Stadt New Uork. Da ich keine Statistik nach Glaubensgemeinschaft von seiten des Zensusburaus oder des Gesundheitsbureaus zur Verfügung habe,ist es unmöglich, die exakten Sterbezahlen der Juden in irgend einer Stadt der Vereinigten Staaten zu bestimmen. Aber in Berücksichtigung ihrer freiwilligen Absonderung in bestimmten Teilen einer Stadt, speziell in New Dork, kann di« Mortalität der Juden oft mehr oder weniger dem wahren Koeffizienten nahe bestimmt werden. Meine Resultate zeigten, daß im vierten Bezirk, der meist von Iren und einigen Italienern und Griechen, aber von sehr wenigen Juden bewohnt wird, die höchste Todeszahl an Tuberkulose bestand: 585 auf 100.000 Einwohner. Der erste und der sechste Bezirk, auch von Juden und Italienern bewohnt, zeigten auch eine Mortalität Mischen 400 und 500 auf 100.000 Einwohner. Von den hauptsächlich von Juden und Italienern bewohnten Bezirken zeigte der 13 eine Tuberkulosemortalität von 110, der 10. von 172, der 11. von 155, der 7. von 213 auf lOo.OOO. Dies beweist, daß die Juden in der Stadt New Port bloß ein Viertel der Tuberkulosemortalität aufweisen, die in der irischen und italienischen Bevölkerung der unmittelbaren Nachbarschaft vorkommt. Ueberdies hatten wir es hier nicht mit Juden, die einer

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