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Jüdische Korrespondenz · 1918-11-07 · 32 (7.11.1918) · page 6

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
4 (1918)
Issue
32 (7.11.1918)
Date
1918-11-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Jüdische Korrespondenz. Nr. 32 Selbstwehr zur Sicherung der von Juden stärker bewohnten Stadtteile. Abteilungen dieser Wache haben bereits den Sicherungsdienst auf dem Nordbahnhofe und bei den staatlichen Magazinen in der Novaragasse übernommen. Die Wache steht unter dem Kommando eines jüdischen Majors. (2000 jüdische Flüchtlinge aus Palästina unterwegs nach Oesterreich.) Die Hilfskommission für Palästina in Wien berichtet: Auf unsere Anfrage beim hohen k. u. k. Ministerium des Aeußern, wie den in Konstantinopel aufgehaltenen und laut telegraphischer Nachricht unseres dortigen Konsulates von der schwersten Not bedrohten österreichischen und ungarischen Staatsangehörigen von hier aus geholfen werden könnte, wurden wir von dem genannten Ministerium telephonisch verständigt, daß nunmehr auf seine Veranlassung 2000 jüdische Flüchtlinge auf dem Wege über Odessa hierher reisen. (Eine Tochter des Rabbi Elijahn Gutmacher verschieden.) In Budapest ist in der Nacht zum 24. Oktober (18. Cheschwan) d. I. Frau Ernestine Dar lau, Tochter des wegen seines heiligen Lebenswandels, seiner Gelehrsamkeit und Frömmigkeit sowie seiner gemeinsam mit Rabbi Zwi Hirsch Kali sch er verrichteten Arbeit zur Kolonisation Palästinas berühmten und verehrten Rabbiners von Thorn und Grätz, eines sanften Todes verschieden. Die Heimgegangene lebte im Geiste ihres hochseligen, berühmten Vaters in strengster Frömmigkeit und starb im hohen Greisenalter, wie eine Heilige, mit dem „ Sch'ma" auf den Lippen. Ihr Angedenken bleibt gesegnet. (Auszeichnung jüdischer Persönlichkeiten in Madrid.) Der bekannte Schriftsteller und Zionistenführer Max Nordau, der seit Kriegsbeginn sich in Spanien aufhält, wurde zum Ehrenmitglied der medizinischen Akademie in Madrid ernannt. Die historische Akademie in Madrid ernannte den jüdischen Gelehrten Richard Gottheil in New-Iork und Herrn Jgnace Bauer in Madrid zu ihren Mitgliedern. (Juden gegen Bolschewisten.) Die Kiewer Zeitung „Swob. Misl" meldet aus Petersburg, daß sich in Rußland eine jüdische Vereinigung gebildet hat mit dem Zweck, die Bolschewisten zu bekämpfen. Sie wollen dahin wirken, daß die Kommissäre, welche dem Judentum entstammen, abgesetzt werden, da diese dem Judentum schwere Schäden bringen können. In einer Proklamation wird gesagt: Wenn die Russen nicht Patriotismus und Mut genug haben, die Bolschewisten zu vernichten, so liegt die heilige Pflicht auf den russischen Juden, den Flecken zu beseitigen, welche diese Auswürflinge auf sie gebracht haben. Das jüdische Volk hat schon längst die Bronstein- Trotzki und Appelbaum-Sinowiew aus seinem Herzen gerissen und rechnet sie nicht zu seinen Kindern. Jeder Schritt dieser Bolschewisten wird aber von der Masse auf jüdische Rechnung gestellt. Laut Beschluß unserer Organisation muß mit diesen abgefallenen Söhnen, mit diesem „Auswurf" abgerechnet werden. (Die Bevölkerung von Jerusalem.) Durch ein besonderes Komitee wurde eine Zählung der Bevölkerung von Jerusalem durchgeführt. 1908 zählte man 50.000 Juden unter 75.000 Einwohnern. 1913 58.390. Heute zählt die jüdische Bevölkerung infolge des Krieges nur 26.605 Seelen. Von ihnen sind 14.715 ottomanischer, 2436 österreichischer, 1746 persischer, 166 deutscher, 546 amerikanischer, 168 griechischer, 206 spanischer Staatsbürgerschaft. Der Rest verteilt sich auf Rumänien, Bulgarien, Italien, Brasilien und andere Länder. Nur 15 Juden in Jerusalem haben mehr als eine Frau. (Berfolgungeu der Juden im Kosakengebiet.) Die „Jswestia" publizieren den Inhalt eines blutrünstigen, antisemitischen Aufrufes des Generals Kraßnow in Nowotscherkask. In diesem Aufrufe werden die Einwohner von Zarizyn ausgefordert, den Bruderkrieg einzustellen und sich von der Sowjetmacht loszusagen. Der Aufruf schließt mit folgender Drohung: „Wisset, daß wehe euch, wenn ihr Widerstand leisten werdet. Ich bin hergekommen und mit mir 200.000 Soldaten und viele Hunderte von Kanonen, 3000 Waggons erstickenden Gases und dann wird alles Lebendige untergehen. Es werden untergehen eure Frauen und Kinder, es werden die Unschuldigen untergehen wegen ihrer Ergebenheit an Lenin, Bronstein und die anderen verkäuflichen Juden. Eure Stadt wird den Kosaken zur Plünderung übergeben werden. Niemand wird verschont bleiben. Für die Feinde des Volkes und die Diener des Antichrist gibt es keinen Raum auf dem russischen Boden." Die Stadtverwaltung von Rostow am Don faßte folgenden Protest gegen die von der Regierung des Generals Kraßnow gegen die Juden eingeführten Begrenzungen: „In Anbetracht 1,, daß die Abschaffung der religiösen und nationalen Begrenzungen eine der wertvollsten Errungenschaften der Revolution darstellt, der die zeitweilige Donregierung die Treue erklärt hat; 2. daß die Donregierung, den Weg der Restauration des Gesetzes der zaristischen Selbstherrschaft betretend, die Frage bis zur Einberufung des großen Kosakenkreises offen ließ, damit einen Schatten auf das Kosakentum und seine Vertreter wirst, einen großen Kreis, der niemals Grund gegeben hat, ihn der nationalen Unduldsamkeit und des Antisemitismus zu verdächtigen; 3. daß dieser Schritt der Regierung nicht nur die Bürger der jüdischen Nationalität trifft, sondern auch den allgemeinen politischen Verfall des Gebietes vertieft, — beschließt die Selbstverwaltung von Rostow, der zeitweiligen Donregierung zur Kenntnis zu bringen, daß die Rostower Stadtverwaltung entschiedensten Protest gegen den reaktionären Schritt der Regierung erhebt und seine sofortige Rückgängigmachung fordert. (Jerusalem als jüdisches Verlagszentrum.) Im Zusammenhang mit der Universität wird ein Vorschlag in Palästina und im Auslande eifrig besprochen, und es ist zu erwarten, daß derselbe bald nach dem Kriege verwirklicht werden wird. Es handelt sich um eine „Stadt des Buches", neben dem Platze, der für die Universitätssiedlung reserviert ist. Man will da nämlich die ganze hebräische Buchdruckcreiindustrie allmählich zusammenbringen, um von dort aus die ganze Diaspora mit jüdischer Literatur, geistlicher sowie weltlicher, zu versorgen. Bor dem Kriege wurden Talmudausgaben, Rabbinica und Gebetbücher in einer Anzahl von Millionen jährlich verkauft. Die Hauptverlagsorte waren Warschau und Wilna, diese aber scheint der Krieg zugrunde gerichtet zu haben, daher könnte Jerusalem die überlebenden Facharbeiter zusammenbringen und verwenden. Wenn man die profane und besonders die Erziehungsliteratur auch hinzufügt, deren Nachfrage in der ganzen Welt täglich wächst, sieht man die Möglichkeit der Schaffung einer blühenden Industrie, die viele Tausende von Familien beschäftigen und den Einfluß Jerusalems in der jüdischen Renaissance überall stärken könnte. (Publikation des Talmud in Kanada.) Die „Anglo Jewish Press Ageboy“ meldet, daß ein jüdischer Verlag in Montreal die Publikation des babylonischen Talmud in englischer Uebersetzung?} in 18 Bäriden fortsetzt, die in Wilno begonnen, aber durch den Krieg unterbrochen worden war. Die Arbeit liegt in den Händen der orthodoxen Rabbinerunion von Kanada, die von Rabbiner Jsak Elchanas theologischem Seminar in New-Aork unterstützt wird. (Eine Saloniker Kolonie in Palästina.) In dem in Saloniki erscheinenden Blatt „Pro Israel" wurde letzthin der Gedanke der Gründung einer Kolonie aus Saloniker Juden in Palästina geäußert. Es ist vorgeschlagen, daß zunächst zehn Familien aus Saloniki nach Palästina auswandern sollen, um dort eine landwirtschaftliche Siedlung zu gründen, der sich später eine größere Anzahl Juden aus Saloniki anschließen sollen. Der Ort der Kolonie ist noch nicht bestimmt, imiperhin wirdverlangh daß dieselbe in der Nähe eines Eisenbahnknotenpunktes errichtet und mit Zufahrtstraßen und guten Wegen, versehen werden soll. (Talsperren ans dem biblische» Altertum.) Die englischen Truppen haben Jerusalem mit einer Wasserleitung versehen. Sie entnehmen die erforderlichen Wassermengen den Salomoteichen, der uralten Talsperre aus den Zeiten der jüdischen Könige. Diese gewaltigen Wasserbauten sind heute noch vorhanden und in brauchbarem Zustande. In der Nähe von Hebron, vierzig Kilometer südlich von Jerusalem, liegen die großen, von Mauern umschlossenen Wasserbecken, die wahrscheinlich aus der Zeit Davids stammen. Bei Bethlehem, zwölf Kilometer von Jerusalem, sind die Geländegehänge zum Zurückhalten des herabfließenden Wassers in Stufen geteilt und bepflanzt; in der Nähe befinden sich auch drei vom König Salomo angelegte Teiche, die teils aus dem Felde herausgemeißelt, teils mit Mauern umschlossen sind. Es sind große Wasserbehälter, aus denen in biblischen Zeiten Jerusalem mit Wasser versorgt wurde. König Salomo legte an den Hügeln des Landes Juda große Teiche «n, die als eine große technische Leistung Mten können. Der königliche Bauherr sagt von diesen Teichen (Prediger II, 6): „Ich machte min Teiche, daraus zu wässern den Wald der grünenden Bäume." Gewaltig Aquädukte führten das Wasser «ach Bethlehem und Jerusalem. Eine dieser Wasserleitungen ist jetzt zerfallen, aber von einer zweiten, höher gelegenen, ging immer noch eine Leitung nach

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