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Jüdische Korrespondenz · 1918-11-07 · 32 (7.11.1918) · page 5

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
4 (1918)
Issue
32 (7.11.1918)
Date
1918-11-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Organ des Vereines „Jeschurun“ ORGANISATION für die thoratreue Jugend Wiens. Alle Zuschriften und Anfragen sind zu richten an: <riescharun“-Preilkofflitee, Wien, I., Salztorgasse 2 > Jeschurun Nr. 32. — 1918. -. Beiblatt der ,.J!idlsclten Korrespondenz“.; ABONNEMENTS sind zu beziehen mittelst Postkarte durch das: Preßkomitee des Vereines „Jeschurun“ Wien, I., Salztorgasse 2. Religion und Krieg. (Fortsetzung.! Bedarf es noch eines Beweises für das Vorhandensein dieser Triebe im Menschen? Es ist die Offensive und Defensive im ewigen Kampfe der Menschen und der Tiere, es ist das uralte Schauspiel mit dem Titel der Starke und der Schwache. Herrschsucht. Gewalt. Tyrannei auf der einen. Unterwürfigkeit. Schmeichelei und Kriecherei auf der anderen Seite. Aber neben diesen Trieben, beim Starken und Schwachen, finden wir zu unserer Ueberraschung bei allen Menschen ohne Unterschied, beim Starken wie beim Schwachen, den Trieb der Unterordnung, der nicht durch Schwäche, durch Druck hervorgernfen wird — sondern in ganz freier Wahl, unbeeinflußt von außen — ein freiwilliges Unterwerfen nicht vom Stärkeren erzeugt, sondern diktiert vom Streben nach Gemeinschaft. Wir haben diesen Trieb rein instinktiv bei den Tieren gefunden und neben diesem Streben der Menschen nach Gemeinschaft und einem gemeinschaftlichen Oberhaupt gibt sich ein rein seelischer Zug kund. Das Verlangen nach einem höheren Wesen, einem seelischen Oberhaupt, einem Gott, dem er nachzustreben, nachzueifern als seine Aufgabe erblickt; einem Ideal, dem nachzukommen sein seelischester Wunsch ist. Das Bestreben, die Seele zu erläutern, den Geist zu bilden und zu verbessern, kann nur durch Fixierung eines Vorbildes verwirklicht werden, das all die erstrebenswerten Vorzüge in sich vereinigt. Der mit den großen Vorzügen Geist und Seele gegen das Tier ausgestattete Mensch kann nicht für diese die gleichen Bedingungen der Lebensfähigkeit annehmen, die gleiche Lebensdauer für das Tierische wie für das Geistige und Seelische. Dieser Gedanke führt zur Annahme des Weiterlebens von Geist und Seele zum Glauben der Unsterblichkeit. Die Vorzüge der Sprache des Geistes, des seelischen Empfindens verlangen eine andere Bestimmung als die des Leibes. Wozu auch all diese Vorzüge, fragt der Mensch, wenn sie, wie der Leib, vergänglich sein sollten. Für die Fragen, den Geist und die Seele - betreffend, mußte ein Forum geschaffen werden, so wie für das physische Zusammenhalten die Gemeinschaft — der Staat geschaffen wurde. Also neben dem physischen ein geistiges Oberhaupt. das den Mittelpunkt, das Höchste für das seelische Leben, bildet. Neben dem Verlangen, die Ordnung im gemeinschaftlichen Haushalt zu erhalten, das Verlangen nach einer höchsten Instanz für Geist und Seele. iFortsetzung folgt.) Llavius Josephus. Kulturgeschichtliche Skizze von Dr. E. Brandenburg, München.* Dem armen Josephus geht es in mancher Beziehung in den sogenannten gebildeten Kreisen wie gewissen Klassikern, wie Wieland. Lessing, ja sogar Schiller und Goethe, die * Aus de« „Neuen Jüdischen Monatsheften", Berlin. als die „schönste Festgabe für das deutsche Haus" wohl eingebunden im Bücherschrank stehen aber — kaum gelesen werden. Wohl ihnen, daß sie Goldschnitt haben, sonst würde man sogar gleich sehen können, daß sie nie ausgeschnitten wurden! Man erinnert sich des Josephus wohl von der Universität her. zitiert ihn mit hochweiser Miene, wenn das für die Allgemeinheit so gänzlich überflüssige Thema der historischen Persönlichkeit Christi erörtert wird, aber wer hat ihn wirklich gelesen, d. h. durchgearbeitet?! Vielleicht nur wenige Leute vom Fach, und auch da betrachtet man ihn etwas sauer-süß; die Archäologen, Theologen. Historiker und Philologen schieben ihn sich gegenseitig zu, weil er keinem recht in sein Gebiet paßt. Ich selbst habe ihn zuerst aus rein archäologischen Interessen gelesen und in ihm manches recht Wertvolle gefunden. Dann wurde ich auf noch manches andere aufmerksam und nahm ihn mir nochmals gründlich vom kulturgeschichtlichen Standpunkt aus vor. Sein Leben, um es kurz zusammenzufassen, war am Werden und Durcheinander der damaligen Zeit gemessen eigentlich sehr einfach : aus einer vornehmen jüdischen Familie stammend, ließ ihn sein Suchen nach Wahrheit diese in den Lehren der drei Sekten suchen, um sich endlich gänzlich den Pharisäern anzuschließen, welcher Begriff damals natürlich ganz etwas anderes wie heute bedeutete. Als dann der letzte Kamps des jüdischen Staates gegen den die Welt umklammernden Polypen Rom ausbrach. wurde Josephus zum Statthalter von Galiläa eingesetzt. Doch die römischen Truppen drangen immer weiter vor und Josephus mußte sich mit wenigen Getreuen in die Bergseste Jotapata flüchten, die er in wahrhaft heldenhafter Weise gegen eine erdrückende Uebermacht verteidigte. Als sich die Festung endlich ergeben und man befürchten mußte, daß die durch den langen Widerstand erbitterten Römer die ganze Besatzung über die Klinge springen lassen würden, gewinnt bei Josephus der Selbsterhaltungstrieb die Oberhand, er rettet sich durch List, allerdings in einer vielleicht nicht ganz einwandfreien Weise, die man ihm auch reichlich zum Vorwurf gemacht hat, die aber schließlich menschlich verständlich ist. Seien wir gerecht: Darüber kann schließlich doch nur der urteilen, der sich selber einmal in gleicher Lage befunden und dann — anders gehandelt hat! Eine geschickte „Weissagung", die er bei dieser Gelegenheit orakelt, macht ihn nach ihrer Erfüllung zum Günstling des Cäsars und erhält uns so einen Mann und Schriftsteller von nicht zu unterschätzendem Wert. So hat Josephus das letzte verzweifelte Ringen mit heroischem Unterliegen seines Volkes gegen Roms Allmacht zuerst in leitender Stellung, dann als Gefangener und endlich als seine Prophezeiung sich erfüllt und ihn dadurch zu hohem Ansehen gebracht, als Zuschauer im römischen Hauptquartier miterlebt und in seinem „Jüdischen Krieg" beschrieben. Trotz des vorwiegend sachlichen Tones glaubt man oft ein grandioses Trauerspiel zu lesen, das Menschliche bricht bei ihm durch, ist es doch der Untergang seines über alles geliebten Volkes, den er schildert! Auf jeden, Hohlköpse natürlich ausgeschlossen, wird und muß Josephus einen gewaltigen Eindruck machen, sei er Jude oder Christ, oder auch Freidenker, schildert er doch den Untergang eines alten Kulturvolkes, seiner Hauptstadt, in welcher der Tempel stand und sich eines der größten menschlichen Dramen abspielte, nämlich der Opfertod Christi, das zum ersten Glied einer langen Reihe neuer Geschehnisse, ja einer neuen Weltanschauung wurde, deren letzte Konsequenzen wir eigentlich erst heute zu ziehen anfaugen. Doch davon ganz abgesehen: welch gewaltigen Eindruck macht das Landschaftsbild Jerusalems vom Oelberg oder Berg des bösen Rates aus gesehen, die gewaltigen Unterbauten, auf denen einst der Tempel stand, heute gekrönt vom Smaragd der Omar-Moschee. Doch Leben gewann das alles für mich erst, als ich au Ort und Stelle den „Jüdischen Krieg" des Josephus las, der mir den Tempel in ragender Pracht wieder ausbaute und in Flammen untergehen ließ, und mit ihm ein ganzes Volk! Obgleich ich nicht Jude bin (nur, nebenbei bemerkt, sit venia verbo überzeugter Anti- Antisemit), möchte ich doch sagen: jeder gebildete Jude muß den „Jüdischen Krieg" und besonders die Belagerung von Jerusalem gelesen haben! Auch gerade für die jetzige Zeit wäre diese Lektüre zu empfehlen: so mancher, der über die Leiden und Unannehmlichkeiten des Weltkrieges stöhnt, würde nachher ganz anders denken,wenn er gelesen und mitempfunden hat, was die Unglücklichen damals erdulden mußten. Schluß folgt. (Schluß von Seite 4.) wir Juden aufrichtige Anhänger des böhmischen Volkes sind. Ich bin so sehr überzeugt von Ihrer christlichen Toleranz gegen die Judenheit, daß ich zuversichtlich hoffe, daß Sie nichts unversucht lassen werden, um eine Besserung des gegenwärtigen Zustandes auf dem flachen Laude herbeizuführen. Rabbiner Dr. Ezechiel Landau, Strakonitz. Nund schau. (Jüdischer Nationalrat in Wien.) Im Ingenieur- und Architektenverein konstituierte sich Sonntag nachmittags der aus 50 Mitgliedern bestehende jüdische Nationalrat für Deutschösterreich. Er wird von einem fünfgliedrigen Präsidium geleitet, in welches die Herren Ingenieur Stricker, Dr. Sokal, Adolf Böhm, Bruno v. Pollak und Doktor I. Margulies gewählt wurden. Der Nationalrat beriet über die dem deutschösterreichischen Nationalrate vorzulegenden national-politischen Forderungen der nationalen Judenschast, die in der Hauptsache die Anerkennung der Juden als Nation verlangen. Ein Sekretär berichtete über die mit Zustimmung der Behörden erfolgte Aufftellung einer bewaffneten jüdischen

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