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Jüdische Korrespondenz · 1918-09-19 · 28 (19.9.1918) · page 7

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
4 (1918)
Issue
28 (19.9.1918)
Date
1918-09-19
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 28 Jüdische Korrespondenz. Seite 7 Schächter sind, ist Urlaub bis zum 1. Oktober 1918 mit Antritt sofort zu bewilligen, wenn solche Funktionäre nicht in marschbereit gestellten Marschforniationen oder Ersatztransporten eingeteilt sind, für sonstige angeordnete Abgaben nicht benötigt werden und ansonsten dienstliche Verhältnisse die Beurlaubung zulassen. (Chacham-Baschi Rabbi Chaim Nachum in Wien.) Auf der Rückreise aus dem neutralen Anslande nach Konstantinopel hielt sich der Chacham-Baschi der Türkei, Rabbi Chaim Nachum, einige Tage in Wien auf. Am ersten Tage Rosch-Haschama hielt der Chacham-Baschi im türkischen Tempel eine Predigt in spaniolischer spräche, lieber den politischen Zweck seiner Reise verweigerte das offizielle Oberhaupt der türkischen Judenheit jede nähere Mitteilung. (Die patriotischen galizischen Inden.) Nun hat auch die englische Regierung den galizischen Juden das Zeugnis ausgestellt, daß sie österreichische Patrioten sind. Letztens wurden die in England internierten Polen aus Galizien befreit, da die Entente gegenwärtig die Polen als „befreundete Nation" betrachtet. Die galizischen Juden bleiben aber weiter interniert, weil sie — wie die englische Regierung konstatiert, österreichische Patrioten sind. 9hm ja, die so arg geschmähten galizischen Inden wollen lieber interniert bleiben, als ihreni Vaterlande untreu werden. Sie gehen den englischen Verlockungen nicht auf den Leim. Den heimischen Antisemiten mag dies ins Stammbuch verzeichnet werden. (Rabbiner Dr. B. Margulies s. A.) -Aus Drohobycz wird uns geschrieben Vorige Woche verschied hier nach kurzer Krankheit an den Folgen der spanischen Grippe unser Rabbiner Dr. Baruch Margulies im Alter von 42 Jahren. — Der Verstorbene war der einzige fortschrittliche Rabbiner in Galizien, in einer Gemeinde, deren Judenheit sich zu etwa 80 Prozent aus Orthodoxen zusammensetzt. Daß es dazu gekommen war, lag in den eigenartigen Verhältnissen unserer Kehilla, dtren Rabbinerstuhl einst die größten Gaonim einnahmen. Dr. Margulies verstand auch diesem Umstande Rechnung zu tragen und er trat äußerlich als strenggläubig auf. Sein tragisches Ableben erregte lebhafte Teilnahme und das Leichenbegängnis fand unter großer Beteiligung aller Klassen und Schichten statt. — Wir wollen bei dieser Gelegenheit der Erwartung Ausdruck geben, daß die Leitung unserer Kehilla den eigentlichen Verhältnissen Rechnung tragen und sich bestreben werde, „maobsir atara lejauschno“ zu sein. Drohobycz, wohl die größte jüdische Provinzgemeinde Galiziens, soll wieder eine religiöse Kapazität zum Rabbiner erhalten. (Jüdische Handwerker in Polen.) Zurzeit ist unter den jüdischen Handwerkern in Polen eine starke Bewegung im Gange, um den Zusammenschluß der jüdischen Handwerkervereine in ganz Polen in einem lebenskräftigen Verbände zu erreichen. Unter der Führung des Warschauer jüdischen Handwerkervereins wurde ein Arbeitsplan entworfen, der unter anderem folgende Punkte enthält: Erweiterung der Rechte der Handiverkervereinigungen, Organisation des Einkaufes von Rohmaterialien nach dem Kriege, Schaffung von billigem Kredit und von Darlehenskassen für die Handwerker, Entfaltung einer starken Werbetätigkeit unter den jüdischen Arbeitern, um sie zum Anschluß an die Vereine zu gewinnen. Von besonderer Bedeutung ist dabei die Schaffung billigen Kredits für die Handwerker. (Die jüdischen Zeitungen in Warschau.) In Warschau streiken seit einigen Wochen die Arbeiter und Angestellten der jüdischen Zeitungen. Das Personal verlangt erhebliche Teuerungszulagen, die zu gewähren die Verleger sich nicht imstande fühlen. Die Tageszeitungen erscheinen nicht. (Eine Katastrophe.) Beim Untergang des russischen Schiffes „Oriole" sind, tvie der „American Hebrew" berichtet, 15.000 Juden im Kaspischen Meer ertrunken. Die Passagiere waren auf der Flucht von Baku nach Astrachan. (Antisemitismus in Dänemark.) Das jüdische Korrespondenzbureau im Haag berichtet über Antisemitismus in Dänemark. Die Preisregulierungskommission hatte für die Schulifabrikanten Bestimmungen erlassen, gegen welche diese opponierten. Der Großindustrielle Max Ballin, ein Jude, verteidigte in der Kommission den Standpunkt der Schuhfabrikanten. Als dieser im Laufe seiner Rede erklärte, daß man ihm in seiner Position aufs Wort glauben müsse, rief Professor Birck: „Das hat Alberti vor 10 Jahren auch gesagt!" (Alberti hatte als Justizminister große Betrügereien begangen). Als Ballin den Professor entrüstet einen Verleumder nannte, stürzte sich dieser auf Ballin, packte ihn bei den Schultern und erging sich in antisemitische Aeußerungen. Die Vertreter der Schuhfabrikation verließen den Saal und nahmen am folgenden Tage die Beratungen mit der Kommission unter der Bedingung wieder auf, daß Birck der Sitzung nicht beiwohnen dürfe. Aber der Vorgang kennzeichnet die Vorurteile, die auch in Dänemark gegen Juden bestehen. (Geistesstörungen bei Inden.) Disponieren die Juden mehr zu geistigen Erkrankungen als die anderen Völker? Sicher ist es, daß die russisch-polnischen Juden für alle nervösen Krankheiten, besonders für Hysterie, eine große Disposition zeigen. Der Frankfurter Irrenarzt Dr. Sichel untersuchte das Material der Frankfurter Irrenanstalt in bezug aus Disposition der deutschen Juden zu Geistesstörungen. Während in früher Zeit Alkoholpsychosen _ bei Inden eine Seltenheit waren, zeigt diese Ziffer jetzt eine deutliche progressive Tendenz. Auch die luetischen Infektionen mehren sich, mit ihnen die auf Lues beruhenden Geisteskrankheiten. Sichel glaubt in den Nachwehen der mittelalterlichen Verfolgungen eine wichtige Ursache für die nervöse Disposition der Juden der Gegenwart zu sehen. Auch der Druck, der auf den russischen Juden lastet, erklärt ihre Disposition für allerlei nervöse Angstzustände. Aus „Lohelech". Kapitel 1. 1. Worte des Koheleth, Sohnes Davids, Königs in Jerusalem. 2. Eitelkeit der Eitelkeiten, sprach Koheleth, Eitelkeit der Eitelkeiten! Alles ist eitel. 3. Was ist der Erfolg des Menschen bei all' seiner Mühe, womit er sich mühet unter der Sonne? 4. Ein Geschlecht geht und ein Geschlecht kommt, und die Erde besteht ewig. 5. lind die Sonne geht aus, und die Sonne gehr unter und eilt zu ihrer Stätte, wo sie wieder aufgeht. 6. Sie gehet nach Mittag und wendet sich nach Mitternacht und wieder und wieder sich wendend geht der Wind, und nach seinen Wendungen kehrt der Wind zurück. 7. All' dw Flüsse gehen ins Meer, und doch wird das Meer nicht voll; an den Ort wohin die Flüsse gehen, dorthin kehren sie zurück, um weiter zu gehen. 8. All' die Dinge mühen sich ab, kein Mensch vermag zu sagen: ein Auge >vird nicht satt voni Sehen, ein Ohr nicht voll vom Hören. 9. Was war, das wird sein: was geschehen ist, das wird geschehen und nichts Neues gibt es unter der Sonne. 10. Gibt es etwas, von dein man sagt: Siehe, das ist neu! längst geschah in früheren Zeiten, was vor unserem Angesicht geschehen. 11. Es ist kein Gedächtnis der Früheren, und auch von den Späteren, welche sein werden, wird kein Gedächtnis sein bei denen, die noch später sein werden. — Kapitel 12. 1. Und gedenke Deines Schöpfers in den Tagen Deiner Jugend, ehe hcrankommen die Tage des Leidens und herannahen die Jahre, von denen du sprichst: Ich habe keinen Gefallen an ihnen: 2. ehe die Sonne sich verfinstert und das Licht und der Mond und die Sterne und die Wolken zurückkchren nach dem Regen: 3. am Tage, da die Wächter des Hauses erzittern und sich krümmen die gerüfleien Männer, und feiern die Müllerinnen, weil ihrer immer weniger geworden und sich verdunkeln, die durch die Gitter schauen; _ 4. und verschlossen werden die Türen nach dem Markte, während die Stimme der Mühle abniminl und sich erhebt zur Vogelstimme und gedämpft sind alle Töchter des Gesanges: 5. auch fürchten sie sich vor jeder Höhe und schrecken sich auf jedem Wege und der Mandelbaum versagt und die Heuschrecke schleppt sich und der Fruchtkern versagt; denn'der Mensch geht zu seinem ewigen Hause und die Klagenden halten einen Umzug auf dem Markt; «i. ehe nicht reißt die silberne Kette und zertrümmert die goldene Schale und zerbrich: der Krug der Quelle und zertrümmert das Schwungrad am Brunnen: 7. und zurückkehrt der Staub zur Erde, so wie er gewesen, und der Geist zu Gott, der ihn gegeben, 8. Eitelkeit der Eitelkeiten, spricht ,Koheleth, Alles ist eitel. 9. Und außerdem, daß Koheleth weise war, lehrte er auch dem Volke Erkenntnis und erwog und forschte, verfaßte er viele Sprüche. 10. Koheleth suchte gefällige Worte zu finden und niedergeschriebeii wurden richtig Worte Ser Wahrheit. 11. Die Worte der Weisen sind wie Stacheln und eingeschlagene Pflöcke, der Männer der Versammlungen, gegeben von einem Hirten. 12. Aber mehr als dies, mein Sohn, belehre dich selbst; viele Bücher fertigen nämlich kein Ende und vieles Predigen ermüdet den Leib. 13. Den Schluß der Sache, das Ganze lasset uns hören: fürchte Gott und bewahre leine Gebote, denn dies ist der ganze Mensch, 14. Denn jede Tal bringt Gott vor das Gericht, über alles Verborgene, sei sie gut oder böse. Leiden und Freuden. (Eine talmudische Sage.) I. In einem kleinen Städtchen wohnte ein armer Mann. Der halte ein Weib und zehn Söhne, Jeden Tag ging er mit seinen Söhnen in den Wald, um Hölzer aufzulesen und sie zu Markte zu bringen. Aus diese Weise verdienten sie ihren Unterhalt. So geschah es eines Tages, daß sie ihre Ware nach

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