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Jüdische Korrespondenz · 1918-09-19 · 28 (19.9.1918) · page 6

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
4 (1918)
Issue
28 (19.9.1918)
Date
1918-09-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Stritt: ü Jüdische Korrespondenz. Nr. 28 int Auslandc eine Hilfsaktion zur Rettung der Flüchtlinge zu unternehmen. * Von anderer Seite wird berichtet: Nach der laugen Reihe von Pogromen, die die Juden von seiten der bolschewistischen Truppen zunieist in den Grenzgebieten des gegenwärtigen Rußlands, der Ukraine und den besetzten Gebieten zu erdulden hatten, beginnt jetzt, mit dem Zunehmen der antibolschewistischen Beivegung, eine neue Pvgromwelle. Die Befürchtung, die die Juden vor der Rache der Kontrerevolutiouären wegen der Tätigkeit einiger Juden in leitenden Stellen der bolschewistischen Partei hatten, beginnt sich als begründet zu erweisen. In vielen Städten wurde seitens der weißen Garde eine antisemitische Hetze eingeleitet. In Moskau wurde ein Manu namens Türkin verhaftet, bei dem ein großer Borrat von antisemitischer und Pogromliteratur gefunden wurde. In Sisran inszenierten die weißen Gardisten wahrend ihres Rückzuges einen entsetzlichen Judenpogrom. Sieben jüdische Greise wurden aus der Synagoge herausgeschleppt und vor den Augen des Pöbels in Stücke zerrissen. In Jaroslaw entluden die weißen Garden all ihren Grimm auf die wenigen jüdischen Bolschewisten. Der Vorsitzende des Jaroslawer Vollzugsausschusses, der jüdische Bolschewist Sackheim, wurde, wie „Unser Tageblatt" mitteilt, auf grausamste Weise ermordet. Seine Leiche wurde auf die Straße geworfen, wo sie einige Tage liegen blieb. Um die Leiche versammelten sich die Monarchisten und begannen unter Hinweis auf den Ermordeten eine hetzerische Pogrompropaganda. Die Juden wurden als die einzigen Schuldigen an den Mißständen in Rußland hingestellt, indem sie gewaltsam die Macht an sich gerissen und das Land dem Feinde verkauft hätten. Daraufhin wurde auch der bolschewistische Kreiskommissär, der Jude Nachemsohn, aus barbarische Weise ermordet. Einem Funkenspruch des Svenska Telegrambyran aus Petersburg zufolge, ergriff die bolschewistische Regierung Maßregeln gegen die Ausdehnung der antisemitischen Bewegung. Ter Rat der Volkskommissare hat in dieser Frage eine Proklamation veröffentlicht die folgendermaßen lautet: „Nach beim Rat der Volkskommissare eingelaufenen Informationen wird in vielen Städten eine Hetze zur Anstiftung von Pogromen entfaltet, die in mehreren Städten bereits zu Exzessen gegen die jüdische Bevölkerung geführt hat. Auf diese Weise hat die gegenrevolutionäre Bourgeosie die den Händen des Zaren entfallene Waffe wieder ausgenommen. Allein in der föderativen russischen Sowjetrepublik, in der das Recht der arbeitenden Massen aller Völker, frei über sich selbst zu bestimmen, proklamiert worden ist, kann es keinen Raum für nationale Unterdrückung geben. Der Rat der Volkskommissäre fordert daher alle Sowjets auf, energisch^ Maßnahmen zu treffen, um die antisemitische Hetze auszurotten. Die Personen, die der Mitwirkung an dieser Propaganda oder der Beteiligung an Pogromen überführt werden, werden außerhalb des Gesetzes gestellt." Innerhalb des Judentums aber setzt die bolschewistische Regierung und ihr jüdisches Kommissariat ihr rigoroses Vorgehen fort. Das jüdische Kommissariat beschloß, den Boykott seitens der jüdischen Gesellschaften und Institutionen dadurch zu brechen, daß man den Banken verbot, denjenigen jüdischen Anstalten Geld auszuzahlen, die nicht im Kommissariat registriert sind. Als die zionistische Tageszeitung „Unser Tageblatt" sich erlaubte, in einem Bericht über die Sitzungen des letzten Rütekongresses die Bauernteilnehmer als Unwissende zu erklären, die politisch passiv seien und nur für „konkrete" Dinge wie Kühe, Brot rc. Interesse haben, und als der Berichterstatter noch hinzusügte, daß die Delegierten Bauern waren, „nicht jene Bauern die sich Malkin und Kamkow-Katz nennen", und dag kein einziger Jude unter diesen Delegierten zu fiudeu war, verordneten die holschewistischen Behörden, diese gegenwärtig einzige jüdische Tageszeitung für innner einzustellen. Diese rigorose Politik der Regierung von heute und die unabsehbare Gefahr von seiten der Regierung von morgen ist die Klemme, in die das russische Judentum eingezwängt ist. — In Petersburg wurde dem jüdischen Preßbureau in Stockholm zufolge eine „Zwischenparteiliche sozialistische Organisation zum Kampfe gegen den Antisemitismus" begründet. Der Organisation traten Vorsteher der russischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei (Menschewiki-Jnternationalisten), der Bund, die Poale-Zion und die Vereinigten jüdischen Sozialisten bei. Das leitende Komitee der Organisation entfaltet eine rührige Propaganda durch Verbreitung von Literatur und Veranstaltung von Volksversammlungen. Das Komitee begann seine Tätigkeit mit einem Manifest, in dem daraus hingewiesen wird, daß in den Siegesmonaten der'Revolution die Pogromhelden nicht wagten ans Tageslicht zu kommen, daß nur jetzt, in den Tagen des schweren Bürgerkrieges, in den Tagen der Enttäuschung und der Ermüdung, die Diener des gestürzten zaristischen Regimes wieder aus die Szene getreten sind. Dieses schwarze Gesindel drohte die revolutionären Errungenschaften des Volkes im Blute entsetzlicher Pogrome zu ersticken, es sucht Racheakte an unschuldigen Menschen zu vollziehen, es bedroht das Leben, die Ehre und den Besitz des jüdischen Volkes. Das Komitee fordert alle Arbeiterorganisationen und alle demokratischen Gruppen sowie alle ehrlichen Bürger, die der Sache der bürgerlichen, politischen und nationalen Freiheit in Rußland ergeben sind, auf, das Komitee in seiner schweren und verantwortungsvollen Arbeit zu unterstützen. Aus der Ukraine. Aus Kiew wird geschrieben: Der Kiewer Kehillarat versendet einen Aufruf an die jüdischen Gemeinden der Ukraine folgenden Inhalts: Im Einverständnis mit dem Beschluß des zeitweiligen jüdischen Nationalrats hat der Kiewer "Kehillarat eine allgemeine Kehillakommisston ins Leben gerufen, mit dem Zwecke, alles Material über die jüdischen Opfer bei den Wirren der Uebergangszeit zu sammeln und den letzteren materielle Hilfe und Rechtsbeistand zu verschaffen. In diese Kommission treten außer dem Präsidium der Kiewer Gemeindeverwaltung auch die Vorsteher folgender Gemeinden: Berditschew, Odessa, Jelisowedgrad, Jekaterinoslaw, Poltawa, Tschernigow, Schitomir, Charkow, Uman, Winiee und Kremenschug. Die Gemeinden werden aufgesordert, das gesamte statistische Material über besagten Gegenstand der Zentralstelle zuzusenden, die sie dem Vorparlamente übermitteln wird. Ein wahrer Strom von Flüchtlingen flutet aus und nach der Ukraine. Infolge des Eisenbahnstreiks sind aber viele hunderte von Emigranten, zunieist Juden, aus den Grenzstationen, besonders in Orscha liegen geblieben, wo sie sich in größter Not befinden. Es ehrt die ukrainische Judenheit, insbesondere die Kiewer Gemeinde, daß sie nichts versäumt, den Unglücklichen zu Hilfe zu kommen und ihnen durch materielle Hilfe, wie Rat und Rechtsschutz die Wege nach der Heimat ebnet. Das Petersburger Komitee hat seine helfende Bruderhand in reichem Maße dazu geboten. Wie der Petersburger Vertreter, Herr Krainin, aus der letzten Sitzung des Kiewer Hilfskomitees berichten konnte, ist eine größere Summe aus Amerika für die Ukraine unterwegs. Vertreter des Kiewer Komitees haben sich nach Orscha begeben, um den Heimkehrenden zur Seite zu stehen. Die seinerzeit von der ukrainischen Rada zugesicherten Subventionen fließen leider sehr spärlich und unregelmäßig dem Komitee zu. Rundschau. (Eine Rabbiuerdeputation beim Kultusminister.) Vorige Woche hat eine Deputation des orthodoxen Rabbinerverbandes aus Galizien und der Bukowina, bestehend aus den Rabbinern Katz-Borszezow, Weidenseld-Grzymalow und Halberstamm-Sokolow, beim Kultusminister Dr. v. M a d a y s k i in Angelegenheit der seinerzeit angeregten staatlichen Hilfsaktion für die Rabbiner Galiziens und der Bukowina vorgesprochen. Die Sprecher der Deputation verwiesen darauf, daß die prekäre materielle Lage der Rabbiner dringend eine staatliche Hilfe erforderlich macht, da die Gemeinden infolge der Kriegsereignisse außerstande sind, den Rabbinern solche Gehalte zu zahlen, die den heutigen Verhältnissen entsprechen würden. Die k. k. Regierung hat bereits im vorigen Jahre ihre prinzipielle Zustimmung hierzu erteilt, aber die Sache ist bis heute nicht finalisiert worden. Die Deputation ersuchte daher den Minister, das Nötige zur Beschleunigung der definitiven Entscheidung zu veranlassen. — Seine Exzellenz interessierte sich lebhaft für die vorgebrachten Wünsche und erklärte schließlich, ebenso wie sein Vorgänger der Sache die vollste Aufmerksamkeit zu widmen und eine beschleunigte Erledigung zu veranlassen. Der Minister legte großes Interesse für die Verhältnisse der Rabbiner an den Tag und sagte eine wohlwollende Prüfung aller seitens der Rabbiner vorgebrachten und vorzubringenden Wünsche zu. (Beurlaubauge«.) Das 1. u. k. Kriegsministerium hat mit Erlaß Abt. X, Nr. 301.034 vom 8. September 1918 bezüglich der Beurlaubung von Kantoren und Schächtern zu den israelitischen Feiertagen verfügt: in militärischer Dienstleistung stehenden israelitischen .Kultussunktionären, die im Zivilberuse tatsächlich Kantoren (Vorbeier) bezw.

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