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Jüdische Korrespondenz · 1918-09-05 · 27 (5.9.1918) · page 7

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
4 (1918)
Issue
27 (5.9.1918)
Date
1918-09-05
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 27 Jüdische Korrespondenz. Seite 7 worden wären) ausfindig machen, wo der Kaiser auf seine Kosten die Kinder Hirschlers ausziehen lassen und das Obersthofmeisteramt die Aufsicht übernehmen wolle. (Der Rabbiner im »ichtjüdischen Schrifttum.) In Brauns Monatsschrift macht Professor I. Caro auf die Tatsache aufmerksam, daß das Wort „Rabbi" und „Rabbiner" in Grimms Deutschem Wörterbuch merkwürdigerweise nicht verzeichnet ist. Interessant ist dagegen die Verwendung des Rabbi-Begriffs in einem englischen Lustspiel des Ben Jouson (1614), dem Zeitgenossen Shakespeares. In dieser Satire auf die Puritaner wird als „Rabbi" ein puritanischer „Prophet" eingeführt, der „öffentlich Schweinefleisch, übermäßig Schweinefleisch iyt, um seinen Haß und seine Verachtung des Judentums laut zu bekennen". Ein unbedeutendes, aber charakteristisches Zeichen für die literarische Mißhandlung des Judentums im Mittelalter, die nicht selten bis auf den heutigen Tag nachwirkt. (Ein Lehrstuhl für jüdische Apologetik.) Laut Berliner Mitteilungen soll am dortigen Rabbinerseminar ein Lehrstuhl für jüdische Apologetik begründet werden. Die Mittel für die neue Dozentur hat Herr- Max Jaffa (Berlin) durch eine Spende von 100.000 Mark zur Verfügung gestellt. Wie wir hören, wird von der Leitung des Rabbinerseminars beabsichtigt, Rabbiner Dr. Carlegach, jetzt in Warschau, auf den neuen Lehrstuhl zu berufen. (Entdeckung eines jüdischen (?) Knnstdenkmals in Palästina.) Während des Feldzuges in Palästina hat eine englische Truppenabteilung in der Nähe von Gaza ein Baufragment gefunden, das für die Geschichte der palästinischen Kunst von mehr als gewöhnlicher Bedeutung ist. Die Umstände, welche diesen Fund ermöglichten, waren dieselben, denen der größte Teil der archäologischen Untersuchungen in Palästina ihre Resultate zu verdanken hat. Nachdem ein heftiger Wind vom Meer her große Mengen Sand weggefegt hatte, entdeckte man an der Stelle, an der früher ein niedriger Hügel sich erhoben hatte, eine marmorne Mosaikfläche von ungefähr 11 Meter Breite und 16 Meter Länge. Eine zweifache Inschrift und die stilreine Ornamentik ließen keinen Zweifel aufkommen, daß man es mit dem Fragment einer frühchristlichen Kirche aus der Mitte des VI. Jahrhunderts nach Christi Geburt zu tun habe. Ausfallend ist auf den ersten Blick der reine griechisch-hebräische Stil, welcher in dieser sehr späten Periode noch ungetrübt zur Anwendung kam. Es ist dieselbe Erscheinung jüdischer Kunst, wie sie ebenso deutlich in der herodianischen Zeit wahrnehmbar ist, als sonst überall das griechische Schönheitsideal bereits im römischen organisatorischen Prinzip untergegangen war, während die jüdischen Grabdenkmäler und Gebäude die Kennzeichen der hellenischen Kunsttraditonen rein bewahrten. Es ist derselbe charakteristische Grundton, der noch am Ende des VlII. Jahrhunderts in den Wandmalereien und Bildhauerwerken der Wüstenkastelle von Amra zutage tritt, also in einer Zeit, da in Europa die schönen Künste gänzlich ausgerottet waren. Korrespondenzen. Ung.-Brod. Am Freitag, den na. August 191-., hat der^ diesige Samen-KlenganNall-Besitzer Herl- Jakob S. Schön eine Thoraspende dem Äetlokale der orthodoxen Veremigung gemacht. Tie Feierlichkeit nuneine sehr stille, einerseits weil Die Gcmeindevcrdältmsse hier sehr gespannte sind, zumal man es auf keine Weise durchsetzen konnte, daß die diesige Kultusgemeinde, welche über 26 Tborarollen verfügt, auch nur ein Stück käuflich überlassen wollte, anderseits weil die Mitglieder der Privatbewcrsammlnng diesen Akt nicht zur Befriedigung der ischaulukt des Publikums machen lvollren. Am Doitnerstag abends wurde die Thora vom Wohnhauje des Spenders, Herrn Jakob S. Schön, durch eine Deputation, bestehend aus den Herren Jakob H. Glück, Markus Bock, Rab. Asessor Josef Weih und Nab. Cand. Sigmund Löwn. abgeholt und in die Wohnung des Bruders des Spenders getragen. Freitag, uni 7 Uhr abends, vor Etligang des Sabbat versammelten sich hier einige angesehene Flüchtlinge und einige Pereinsmitglieder. Herr Jakob H. Glück hielt eine feierliche Ansprache und erklärte den Wen der Thora und die Verwirklichung des Ideales der Spende. Hernach sprach der - Spender. Herr Jakob S. Schön, dem Allgütigen den Tank aus. daß seine von ihm gespendeten drei Thoramanterl endlich ihre eigene Thora haben. Der Spender übernahni hierauf die Thora und trug selbe in Begleitung der Anwesenden, seiner Frau und seiner Kinder in das in der Nähe befindliche Betlokal. Beim Eingänge erwarteten die Flüchtlinge mit den drei anderen Thoras die neugespendete und nach Absingung jüdischer Psälmen wurde die Thora der heiligen Lade übergeben. Am Samstag wurde der Spender zur Thora gerufen und spendete namhafte Beträge, nachdem er auch früher durch freiwillige Gaben das Werk verschönerte. _ Gedenket unserer Tapferen! Seit dem Bestehen der Rabbinervereinigung hat unsere Geschäftsstelle über 5000 Sendungen expediert. Gebetbücher, Tefillin, Schaufäden, Unterhaltungslektüre, Zeitungen usw. sind an der Front sowie iß den Miliiärspitälern des Hinterlandes zur Verteilung gelangt. Auch mit unseren Kriegsgefangenen im feindlichen Ausland, die vielfach sich von jedem jüdischen Zentrum entfernt sehen müssen, wurde auf diese Weise die Verbindung erhalten, vor allem ihr Zusammenhang mit dem Judentum gepflegt. Ergreifend sind die Dankbriefe unserer Soldaten und die Schilderung der Eindrücke, die die altgewohnten Gebete unter dem Donner der Kanonen;m Angesicht des Todes auf sie ausgeübt haben! De» Daheimgebliebenen obliegt es jetzt, eine weitere Kraftprobe auf das sprichwörtliche goldene jüdische Herz zu bestehen und uns in der Ausübung unserer Liebespflicht gegen unsere Tapferen nachdrücklich zu unterstützen. Denken wir an die Unzähligen, die unser Wirken so dankbar aufnehmen, und säumen wir nicht, ein jeder nach seinen Kräften, den Brüdern draußen durch die Tat zu beweisen, daß wir im Geiste und Herzen bei ihnen sind und zu würdigen wissen, was sie für uns leisten! Jeder betrachte es als seine heilige Pflicht. unser Liebeswerk zu unterstützen und zu fördern! Insbesondere bitten wir, an den bevorstehenden Feiertagen bei den Spenden vor der Thora unserer „Rabbinervereinigung" zu gedenken. Rabbinervereinigung für Liebesgaben an Soldaten und Kriegsgefangene, Geschäftsstelle: Jsr. Subsidiarseelsorge des Roten Kreuzes in Niederösterreich, Wien, I., Milchgasse 1. Postsendungen sind gebührenfrei mit dem Vermerk: „Liebesgaben, Militärunterstützungss a ch e, Portofrei". Zahlstelle: K. k. priv. allgem. Verkehrsbank, Wien, I., Wipplingerstraße 28. Rausch-Laschonoh-Zpeisen. Im „H. Jsr. Famb." schreibt Herr M.: Auch die spezifischen jüdischen Speisen m, den Sabbaten und Feiertagen haben eine kulturgeschichtliche Bedeutung. Das ist heute, in der Zeit der raio nsTipn rtrna Wolf Pappenheim u.ppau entbieten allen Freunden und Bekannten ihre Kesiwa wechassima tauwo-Wünscbe. Birkas Kesitua uiechassima tauuio und herzlichste Glückwünsche zum bevorstehenden Jahresuiechsel allen lieben Verwandten, Bekannten und Freunden von nah und weit entbieten aufrichtigst Familien liipe TüPkl u. Söhne, Wien IVIarkus Ungap und fpau Prag, Mariengasse 41 bitten Freunde und Bekannte, auf diesem Wege ihre Kesitua uiechassima-taaiuo-Wänsche entgegennehmen zu wollen. Volkskunde, eine allgemeine Erkenntnis. Herr Professor Dr. S. .Krauß in Wien schreibt über die spezifischen 'Neujahrsspeisen: „Im Menu des Neujahrsfestes gibt es viele Hinweise auf den ernsten und dennoch so heiteren Charakter des Erlebens eines neuen Jahres. Das Wünschen und Hoffen eines glücklichen Jahres drückt sich in der sinnigen Wahl einiger Speisen aus." So wird zum Beispiel der zumeist längliche Berches zwischen Neujahr und Hoschanah-Rabba rund gemacht „zum Hinweis auf das glatte Rollen des Jahres, das man in diesen .kritischen' Tagen erhofft". Bereits alte rabbinische Schriften betonen, daß man zum Anfang des Jahres gute Dinge genießen soll, die gleichsam ajs gutes Vorzeichen für den erfreulichen Verlauf desselben dienen, wie in Honig getauchte Süßäpsol. Auch wird der Köpf eines Schares oder in Ermangelung desselben der eines Fisches erwähnt, bei dessen Verspeisen man spricht: „Mögen wir durch Deine Gnade zum Kopfe und nicht zum Schweife werden!" In A. Danzigs „Chase Adam" werden als Rausch-Haschonoh-Gemüse „Rüben oder Möhren" genannt, weil deren deutscher Name auf „Mehren" Hinweise, und man spricht: „Möchten sich doch unsere Tugenden mehren!" In Essig gekochte Gerichte soll man dagegen nicht essen; desgleichen keine Nüsse, letztere vielleicht deshalb nicht, weil-sie als Schleimbildner den Frommen im Beten hindern. Beim Empfehlen des Gemeßens von Aepfeln und Tierköpfen überhaupt dachte man roobl auch daran, das; deren runde Form, wie beim erwähnten Berches, ein gutes Omen abgab. Ferner soll man „fettes Fleisch" genießen, ivas sich nach Krauß auf die feite Gans bezieht, unter Berücksichtigung eines alten jüdisch-deutschen Spruches, der auf hochdeutsch lautst: „Das Jahr soll uns ganz beschert sein und die Gesundheit und das Einkommen sollen sich mehren " Einer ähnlichen Wortspielerei liegt vielleicht der Gebrauch ungrunde, am Neujahr Barben zu essen, weil der Name dieser Fische (brbe> an Erbarmen erinnert. Doch ist hierbei zu berücksichtigen, daß die Juden zu allen Zeiten große Fischliebhaber waren. Jom Kippur zgrj von Feldrabbiner Dr. C h o II e. Wie wogten damals noch frisch alle in uns aufgewühlten Gefühle durcheinander: Abschied, das Ungewisse der Zukunft, Losgerissenfein von allem Gewohnten, das drückende Leid von so vielen bekümmerten Menschenkerzen, Helle Begeisterung für Vaterland und Recht, Stolz auf unser siegreiches Heer, Freude über so mancherlei Betätigung

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